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Haar:Angst vor Strahlung

Mobilfunk-Sendemast in Markt Schwaben, 2013

Noch nur eine Planung: ein 50-Meter-Mast im Bannwald.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Anlieger sammeln Unterschriften gegen Funkmast in Unterhaar

Friedrich Kerber hat Angst. In der Nähe seiner Siedlung an der Haarer Riesengebirgstraße soll nach den Wünschen der Telekom ein 50 Meter hoher Funkmast entstehen. Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) hat das Projekt bereits im November im Bauausschuss vorgestellt und ebenfalls Bedenken bezüglich der Immissionswerte sowie des Standorts geäußert. Ein unabhängiges Gutachten soll in diesen Punkten Klarheit bringen. Erst danach wird der Gemeinderat einen Beschluss zu dem Bauvorhaben fassen.

Kerber ist trotzdem misstrauisch. "Wir wollten handeln, bevor Entscheidungen getroffen werden", sagt er. Er will auf keinen Fall von Fakten überrumpelt werden und hat deshalb eine Unterschriftenaktion ins Leben gerufen, um gegen das Projekt zu protestieren. Vergangenen Donnerstag übergab er Bürgermeisterin Müller die Auflistung der Signaturen von Anwohnern. 35 Familien unterzeichneten das Protestschreiben. Fast alle leben seit 30 Jahren in Unterhaar am Rande des Bannwalds, in dem der Funkmast errichtet werden soll. Die Bewohner der Siedlung bauten ihre Häuser im Jahr 1986. Die grüne Umgebung mit dem Waldgebiet vor der Haustür zog viele an den Ostrand von Haar. Ein Kleinod, das sie jetzt in Gefahr sehen. Friedrich Kerber: "Die Leute haben alle Angst vor der Strahlenbelastung."

Der Eingriff in den Bannwald wird auch besonders kritisch gesehen, weil dieser als Puffer zwischen der nahen A 99 und der Siedlung einen gewissen Lärmschutz bietet. Nach einer Internetrecherche und dem Gespräch mit Pullacher Bürgern, die sich ebenfalls gegen ein Telekom-Projekt zusammengetan haben, entschied sich Kerber für die Protestaktion. "Wir wünschen uns, dass der Funkmast an einer Stelle gebaut wird, die nicht an ein Wohngebiet grenzt." Seiner Ansicht nach käme dafür jener Teil des Bannwalds in Frage, der auf Grasbrunner Grund liegt. "Dort gibt es viele Möglichkeiten, einen solchen Turm aufzubauen." Für die kommenden Tage habe die Bürgermeisterin einen Gesprächstermin mit den Anwohnern vereinbart. Große Erwartungen an diese Diskussion hat Kerber allerdings nicht: "Ich rechne nicht damit, dass wir den gewünschten Schutz bekommen. Aber ohne die Politik geht es nicht. Uns ist wichtig, dass das Thema im Austausch mit uns behandelt wird." Auch die Tatsache, dass der Gemeinderat noch keine Entscheidungen getroffen hat und ohnehin skeptisch in die Verhandlungen mit der Telekom geht, vermag den Unmut nicht zu mildern. "Wenn wir nicht jetzt aktiv werden, bleibt uns am Ende nichts übrig, als zuzusehen, wie vor unserer Haustür ein Monstrum errichtet wird."

Der Bauausschuss des Gemeinderats hat kürzlich beschlossen, dass vor weiteren Entscheidungen ein Gutachten vorgelegt werden muss, in dem aufgezeigt werden muss, dass die erwarteten Immissionen für die Anwohner unbedenklich sind. Die strengen Schweizer Richtwerte müssten strikt eingehalten werden, hieß es. Bürgermeisterin Müller stellte auch infrage, dass im Bannwald solch ein Mast überhaupt zulässig ist. Wie Müller jüngst im Hauptausschuss sagte, tauscht die Telekom überdies an fünf bestehenden Anlagen die System- und Antennentechnik in der Gemeinde aus. Die Gemeinde habe vor einer neuen Inbetriebnahme die Messwerte angefordert. Die Öffentlichkeit sei sensibilisiert. Die Entwicklung an den Antennen in Haar "wird bestimmt beobachtet werden".

© SZ vom 29.11.2016
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