Noch rollen die mit Asphalt beladenen Lastwagen auf die neu errichtete Behelfsbrücke über der Autobahn A99 bei Haar, doch schon bald, noch Ende August, soll diese freigegeben werden für den täglichen Verkehr. Das Interimsbauwerk ist nötig, weil die Brücke, welche die Bundesstraße B304 zwischen Vaterstetten und Haar über die Autobahn leitet, marode ist und ersetzt werden muss. Im Oktober soll dann die zweite Phase des Bauprojekts starten: der Abriss und Neubau der alten Brücke über die Autobahn.
Richtig ernst wird es dann aber erstmals am Wochenende vom 20. bis zum 22. November, wenn die Brücke abgerissen wird. Die Arbeiten sollen in der Nacht auf den Samstag beginnen und Sonntagnacht abgeschlossen sein, sodass der Berufsverkehr am Montag nicht beeinträchtigt wird. Während des Abrisses wird die A99 im Bereich der Anschlussstelle Haar komplett gesperrt.

Die alte Brücke stammt aus den 1970er-Jahren. Die Erneuerung ist zwingend notwendig, weil bei einer Routineprüfung schwere Schäden festgestellt wurden. Diese sind vor allem auf das zunehmende Verkehrsaufkommen zurückzuführen. Als die Brücke geplant und errichtet wurde, habe schlicht niemand mit einer derartigen Entwicklung gerechnet, erklärt Josef Seebacher, Sprecher der Autobahn Südbayern GmbH. Heute fahren im Schnitt circa 40 000 Autos am Tag über die Brücke. Eine Anzahl, die vor 55 Jahren unvorstellbar war und die Infrastruktur überlastet.
Da die Brücke über die A99 aus einem Stück besteht und nicht, wie etwa andere Brücken, aus zwei je Fahrtrichtung unterschiedlichen Teilen, muss der Verkehr in beide Richtungen über die Behelfsbrücke umgeleitet werden. Zudem wird es dort auch einen Fahrrad- und einen Fußweg auf beiden Seiten geben. Wegen der Verkehrssicherung soll die Geschwindigkeit auf 50 Kilometer pro Stunde begrenzt werden.
Möglicherweise wird das Tempolimit noch auf 40 gesenkt
Für Anwohnerinnen und Anwohner wird es dennoch lauter: Weil im Zuge der Bauarbeiten auch Waldstücke auf beiden Seiten der Brücke gerodet werden mussten, entfällt ein nicht unerheblicher Lärmschutzfaktor. Zumal der Verkehr nun deutlich näher am westlichen Rand des Grasbrunner Gemeindeteils Neukeferloh vorbeifließt. Um die Lärmbelastung zu reduzieren, wurde an der Behelfsbrücke eine Schutzwand aus Holz errichtet.
Eine Anwohnerin und der Grasbrunner Bürgermeister Sebastian Stüwe, auf dessen Gemeindegebiet die Baustelle liegt, brachten zudem eine weitere Temporeduzierung auf 40 Stundenkilometer ins Gespräch. Diese soll geprüft und wenn notwendig im laufenden Betrieb angepasst werden.
Der Brückenneubau soll bis Ende 2028 fertig sein und wird mit circa 30 Millionen Euro veranschlagt. Josef Seebacher von der Autobahn-Gesellschaft versichert, dass nach Abschluss der Arbeiten auch der Wald wieder aufgeforstet werde.
Danach ist erst einmal Schluss mit den Baustellen an der A99 im Münchner Osten. Wenn auch nur für kurze Zeit, denn die Autobahn soll sukzessive auf acht statt der bisherigen sechs Spuren verbreitert werden. Die beiden Bauabschnitte vom Autobahnkreuz München Nord bis Aschheim/Ismaning und weiter bis nach Kirchheim sind bereits abgeschlossen. Der Abschnitt Kirchheim–Haar steht als Nächstes an, mit einem Beginn der Arbeiten ist aber nicht vor 2032 zu rechnen.

