Gymnasium Unterföhring Magistrale zum Abitur

Die Besonderheit des Campus ist der im Süden vorbeilaufende "Boulevard". Er wird öffentlich gewidmet. Über ihn können auch Spaziergänger wandeln.

(Foto: Architekturbüro Felix & Jonas)

Hohe Aufenthaltsqualität, flexible Räume, Unterricht im Grünen: Die Planer des Schulcampus in Unterföhring zeigen mit ihrem Konzept für ein Gymnasium und eine zweite Grundschule, wie sie sich das Lernen der Zukunft vorstellen.

Von Sabine Wejsada, Unterföhring

Ein Boulevard der Möglichkeiten im Süden des 340 Meter langen Gebäudes und eine Magistrale im ersten Stock, die Grundschule, Mensa und Gymnasium verbinden: Was sich die Planer des Münchner Architekturbüros Felix & Jonas für den neuen Schulcampus in Unterföhring ausgedacht haben, hat nicht nur das Preisgericht, den örtlichen Gemeinderat und den Bürgermeister überzeugt, sondern auch Heinz Durner. Der ehrenamtliche Beauftragte des Landkreises München für weiterführende Schulen und Wissenschaft ist sich sicher, dass das Vorhaben ein Leuchtturmprojekt wird - nicht nur städtebaulich, sondern auch wegen des pädagogischen Konzepts. In Unterföhring entsteht ein Campus, auf dem auch hörgeschädigte Schüler unterrichtet werden können - von der ersten Klasse bis zum Abitur.

Insgesamt 1400 Kinder und Jugendliche werden die beiden Schulen einmal besuchen, in einer Mensa mit Frischküche essen und in der Vierfach-Turnhalle Sportunterricht haben. Während diese als Solitärbau auf dem 50 000 Quadratmeter großen Areal unweit der S-Bahn geplant und 3,5 Meter in den Boden eingelassen ist, sind die anderen Gebäude "wie an einer Perlenschnur an der Magistrale aufgefädelt", sagte Architekt Manfred Felix am Mittwoch bei der Vorstellung der Entwürfe im Unterföhringer Rathaus.

Das L-förmige Grundstück, auf dem der neue Schulcampus entsteht, liegt südlich des harfenähnlich angeordneten Allianz-Gebäudes, an den sich ein Grünzug anschließt. Ebenso grün sollen auch die Höfe werden, die im Entwurf für die beiden Schulgebäude vorgesehen sind und in denen Unterricht stattfinden kann. Die Grundschule mit Hort ist zweistöckig geplant und liegt im westlichen Bereich, mittig schließt sich die Mensa an, die nach Vorstellungen der Architekten eine lichte Höhe von 4,50 Meter haben wird und ein Glasdach mit kreisrunden Öffnungen bekommen soll, durch die einmal Bäume wachsen können. Das Gymnasium hat drei Etagen. Für eine spätere Erweiterung haben die Planer im Osten Platz vorgesehen.

Pädagogische Wünsche werden erfüllt

Die Hauptschlagader des "Mäanders", wie Manfred Felix die aufgefädelten Gebäudeteile nennt, ist die bis zu sechs Meter breite Magistrale im ersten Stock: "Sie durchwirkt das Gebäude, bietet Platz zum Verweilen, Lernen, beherbergt Ruhezonen und Treppenkerne, soll Austauschzone sein und ist dadurch viel mehr als ein Flur", so der Architekt. Herzstücke der Schulhäuser sind die Aulen, die ganz große Besonderheit des gesamten Campus ist der im Süden vorbeilaufende Boulevard. Dieser Weg soll öffentlich gewidmet werden, will heißen: nicht nur Schüler können auf ihm wandeln, sondern auch Spaziergänger. Außerdem dient er laut Entwurf als gemeinsamer Erschließungsraum, als "verbindendes, Identität stiftendes Zentrum aller Einrichtungen auf dem Campus".

Die Architekten Manuel Ruf und Manfred Felix stellen Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer und Berater Heinz Durner (von rechts) ihr Konzept vor.

(Foto: Florian Peljak)

Das Architekturkonzept für die Gebäude kommt nach den Worten von Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (Parteifreie Wählerschaft, PWU) und Heinz Durner den pädagogischen Wünschen nach flexiblen Räumen und Lernbereichen mit hoher Aufenthaltsqualität nach. So seien die Strukturen variabel, ermöglichten sowohl traditionelle Klassenzimmer als auch Räume für spielerisches und offenes Lernen.

Der neue Campus erhält Zugänge vom Bahnhof und von der Dieselstraße sowie über den Schulplatz an der Mitterfeldallee. Dort wird die Hauptzufahrt platziert, hier kann man in die Tiefgarage und zu den oberirdischen 30 Stellplätzen fahren. In die Gebäude kommen Schüler und Lehrer über den Boulevard, wobei die Eingänge durch kleine, individuelle Höfe "zum Runterzoomen"gefasst werden, wie Felix sagt. Die Tiefgarage bietet 155 Parkplätze und liegt unterhalb des Hauptplatzes neben der Turnhalle. Der neue Schulcampus wird laut Kemmelmeyer an die E-Buslinie der Gemeinde angebunden, vorgesehen ist auch eine Stromtankstelle. Die in Passivhaus-Bauweise geplanten Gebäude erhalten einen Anschluss an die Geothermie.

Die ersten Kinder sollen 2020 die neuen Schulen besuchen

Zum Unterricht im Freien können die künftigen Schüler über eine Brücke über die Mitterfeldallee zum neuen Sportpark gefahrlos gelangen. Wenn alles gut geht, können die ersten Unterföhringer Kinder zum Start des Schuljahrs 2020/21 das neue Gymnasium und die zweite Grundschule besuchen. Die ersten Vorläuferklassen für die vierzügige Unterföhringer Oberschule sollen im September 2018 im dann fertigen Gymnasium in Ismaning starten. Dort wird gerade ein ehemaliges Tagungshotel schultauglich umgebaut.

Die Kosten für den neue Schulcampus in Unterföhring werden nach Angaben der Gemeinde derzeit ermittelt - "seriös kann bisher keine Summe genannt werden", heißt es aus dem Rathaus. Vor der Sommerpause könnten aber erste Berechnungen vorliegen.