bedeckt München 21°

Gymnasium Kirchheim:Abistreich löst Eklat aus

Am Gymnasium in Kirchheim endete das Abitur in diesem Jahr mit einem Eklat.

(Foto: Robert Haas)

Weil Abiturienten über die Stränge geschlagen haben, bleiben Lehrer der Zeugnisfeier in Kirchheim fern. Dabei haben sich die Schüler zuvor entschuldigt.

Ein Planschbecken voller Müll, eine stinkende Fischdose im Gang, Knoblauchpulver auf dem Lehrerklo, Plakate, die den Schulleiter neben Stalin zeigen, dazu viele leere Bierflaschen - damit hat sich die Oberstufe des Kirchheimer Gymnasiums bei ihrem Abischerz vergangene Woche verabschiedet.

Viele Lehrer waren darüber so aufgebracht, dass sie am Wochenende gar nicht oder nur mit gedämpfter Laune zur Verabschiedung kamen. "Wir haben großen Mist gebaut", sagt der ehemalige Schülersprecher Marco Gurung. "Aber wir haben uns auch dafür entschuldigt - mit einer Demo, Plakaten und einem Brief." Dass das alles nicht gefruchtet habe, dass eine Woche nun acht Jahre in den Schatten stelle, sei schade.

Dass es überhaupt so weit kam, habe an einer Mischung aus Alkohol und allgemeinem Frust gelegen, meint Marco Gurung. Ein Komitee plante einen Abischerz in der Turnhalle, Lehrer sollten dort in Spielen gegen Schüler antreten. Doch kurzfristig erfuhren die Schüler, dass sie die Halle nicht nutzen durften, weil es einen Wasserschaden gegeben hatte.

Die Schulleitung schlug vor, das Ganze auf den Hartplatz zu verlegen, doch das wollten die Schüler nicht. Das Komitee erarbeitete schließlich ein neues Konzept: eine Beachparty mit Kindersekt für die Schüler auf dem Pausenhof. Die Schulleitung erlaubte das, doch ein großer Teil der Schüler sei unzufrieden mit dem Vorschlag des Komitees gewesen, sagt Gurung. Inzwischen war schon Nachmittag und die Lehrer waren bereits zu Hause. Am nächsten Morgen hätte der Scherz stattfinden sollen. Einige Abiturienten sahen ihn komplett ausfallen und waren frustriert. "Das Ganze", sagt Gurung, "hat sich irgendwie hochgeschaukelt."

Dabei sei zunächst alles so abgelaufen wie jedes Jahr: Der Hausmeister ließ die Abiturienten zwischen 22.30 und 0 Uhr in die Schule - um alles vorzubereiten, etwa Klopapier in den Gängen zu verteilen. Doch dabei blieb es nicht. Eine Gruppe von Schülern sei immer aggressiver und immer betrunkener geworden. Sie rissen Plakate von den Wänden, hängten Klebezettel mit Beleidigungen gegen Lehrer auf und ein Poster mit der Aufschrift: "Vielen Dank für nichts."

Außerdem verteilten sie Flyer, auf denen stand: "Schüler aller Länder vereinigt euch gegen die Schulleitung." In einem Brief der Schulleitung stand hinterher, dass es auch Hakenkreuz-Schmierereien und zerstörte Stühle gegeben habe. Der Schülersprecher sagt jedoch, er habe nichts von beidem gesehen.

Es habe sich um eine kleine Gruppe aus dem Abiturjahrgang gehandelt, sagt Gurung - die aber niemand aufhielt. "Vielleicht dachten manche, dass es nur Spaß ist oder dass sie alleine eh nichts machen können." Dass die Aktion nicht wirklich lustig war, sei ihnen schnell aufgefallen. Am nächsten Tag schrieben sie einen Entschuldigungsbrief, räumten auf, veranstalteten eine Demonstration in der Aula.

Trotzdem blieb ein großer Teil der Lehrer die Abifeier fern. Schulleiter Matthias Wermuth schrieb einen Brief, in dem es heißt, der "Streich" habe andere Jahrgangsstufen verstört, eine Lehrerin verfasste sogar ein Schreiben, in dem sie diejenigen, die nichts gegen die Verwüstung unternahmen, mit den Mitläufern während des Nationalsozialismus verglich.

Kein Lehrer ehrte auf dem Ball besonders gute Abiturienten, das mussten die Schüler selbst tun. Dabei sei der Schnitt außergewöhnlich gut gewesen, sagt Gurung: Fast 30 der 150 Abiturienten hatten eine 1,5 oder besser. "Eigentlich sollte der Abiball der Höhepunkt unserer Schullaufbahn sein", so Gurung. Doch die Stimmung sei schlecht gewesen - trotz der Entschuldigungen. Für die Nachfrage, ob er diese annahm, war der Schulleiter am Montag nicht zu erreichen.

Schule in München Ein ganz normales Gymnasium - für 94 Millionen Euro

Baukosten

Ein ganz normales Gymnasium - für 94 Millionen Euro

Der Schulbau-Experte Philip Leistner widerspricht dem Vorwurf, dass in Kirchheim eine Luxusschule gebaut wird. Die Kosten erklärt er mit der hohen Schülerzahl - und der durchaus sinnvollen Tiefgarage.   Von Christina Hertel