Grundschule in Haar Ein Monster zum Liebhaben

Eine Art Zeitkapsel, in der nachfolgende Generationen mal Informationen über das Baujahr finden werden, versenkt Haars Bürgermeisterin Gabriele Müller zusammen mit Schülern bei der Grundsteinlegung in einem gemauerten Hohlraum.

(Foto: Claus Schunk)

Die Großbaustelle für den Schulcampus am Jagdfeld in Haar kommt voran. Bei der Grundsteinlegung stellt sich heraus, dass die Sorgen vor einer Belästigung von Anwohnern und Schülern übertrieben waren - und der Neubau voraussichtlich fast sechs Millionen Euro günstiger wird.

Von Bernhard Lohr, Haar

Eine Handvoll Honoratioren, ein vorbereitetes Betonbehältnis, in das eine Zeitkapsel gelegt wird, die mit einer aktuellen Zeitung und manch anderen Dingen befüllt ist, die man irgendwann mal ausgraben wird. Das nennt man eine Grundsteinlegung. Doch was am Dienstagnachmittag auf der Großbaustelle für die Erweiterung des Schulcampus am Jagdfeld in Haar zu erleben war, ähnelte einem Wunschkonzert und einer Bescherung in einem.

Die Stimmung war dem Wetter entsprechend sonnig. Alles überstrahlte wohl die Aussicht, dass der Bau die Gemeinde am Ende 5,7 Millionen Euro günstiger zu stehen kommt als erwartet.

An der tiefen Baugrube, auf deren Grund schon die Bodenplatte für den Grundschulbau samt Sporthalle betoniert ist, war unschwer zu erkennen, dass es sich um einen verspäteten, symbolischen Akt handelte, was aber den Vorteil mit sich brachte, eine Zwischenbilanz ziehen zu können, wie das Großprojekt vorankommt. Die Erweiterung der bestehenden Grundschule für taxierte 37 Millionen Euro war nicht unumstritten. Die CSU beklagte, es werde zusammen mit der bestehenden Schule eine Monsterschule entstehen, die Sorgen waren groß, der Schulbetrieb könnte durch den Baulärm beeinträchtigt werden und Nachbarn in den angrenzenden Wohnanlagen wegen der Baustelle auf die Barrikaden gehen. Und dann war da noch die Kritik an den hohen Baukosten.

Die Kinder singen bei der Grundsteinlegung.

(Foto: Claus Schunk)

Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) verteidigte die Strategie, nachhaltig und solide zu bauen, etwa mit aufwendiger Fassade. "Ein reines Spardiktat möchte ich hier nicht verwirklicht sehen", sagte sie am Rand der Baugrube. Es entstehe eine moderne Schule, die keine Wünsche offen lassen werde. Lehrer erhielten "Gestaltungsspielraum", offene Lernkonzepte würden ermöglicht. "Das Leben wird auch Platz haben", sagte sie mit Blick darauf, dass sich viele Kinder mittlerweile auch nachmittags an der Schule aufhalten. Und Müller brachte die Kunde unter die versammelten Kinder, Lehrer, Architekten und Anwohner, dass statt geschätzter vier Millionen Euro nach Antragstellung nun 9,7 Millionen Euro an Zuschüssen erwartet würden. Der Bau liege ihm Zeitplan, sagte sie. Anfang 2020 solle der Innenausbau beginnen. Müller erinnerte an ihr "ehrgeiziges" Ziel, im September 2020 die Schule zu eröffnen. Schulcontainer wegen wachsender Schülerzahlen hätte man dann vermieden.

Anwohner schauen gerne den Arbeitern zu

Auch sonst ist man bisher um einiges herumgekommen. Zwar mussten noch Bäume gefällt werden, was Anwohner beklagten. Doch die Baustelle läuft, wie drei Anwohnerinnen bei der Grundsteinlegung berichteten, weitgehend reibungslos ab. Gundela Buchholz sagte: "Ich erlebe es als sehr positiv." Sie könnte "stundenlang zusehen" auf der Baustelle. Es werde "sehr sauber" gearbeitet. "Wenn die Arbeiter gehen, ist alles aufgeräumt", lobte Ingrid Wagner, die etwas weiter weg wohnt. Und Inge Czoske, die von ihrem Balkon aus runterschauen kann in die Baugrube, findet, es sei interessant zu sehen, wie viel die Bauarbeiter noch von Hand erledigen. Auch von den Unterkünften der Arbeiter, die in zweistöckig aufgestapelten Containern wohnen, fühlen sich die Nachbarn nicht gestört. Und die Schulkinder? Als Bürgermeisterin Müller in die Runde fragte, ob Lärm ein Problem sei, riefen einige "Ja!". Aber es hieß auch, es sei erträglich und es gab von den Kindern sogar Lob für die Arbeiter, die oft den Fußball aus der Baugrube hinauf schössen, wenn er vom Pausenhof aus reinfällt. Architekt Rainer Stöcker vom Nürnberger Büro "Bär, Stadelmann, Stöcker" zeigte sich tatsächlich sehr zufrieden über Abläufe und Baufortschritt. Die mit eineinhalb Jahren kurze Zeitspanne von der Planung bis zum Baubeginn bezeichnete er als "außerordentlich".

Neben der Jagdfeldschule mit 400 Schülern entsteht auf drei Geschossen der neue Bau für bis zu 400 Grundschüler. Es sind unter anderem eine Mensa geplant und eine Dreifachturnhalle mit Spielfläche auf dem Dach. Rektorin Juliane Dworzak und Lehrer verbuddelten gemeinsam mit Kindern in der Baugrube eine "Wunschbox", wie sie es nannten, eine Art Grundstein mit persönlicher Zeitkapsel, in der Wunschzettel steckten. Ein großes Fußballfeld, wünschen sich die Kinder, nette Lehrer natürlich, eine Bücherei, ein Schulmuseum - und "viel Freude in der neuen Schule".