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Grünwald:Kontaktstelle und Infopoint

Der frühere Betreiber des Cafés beklagte zu geringe Umsätze. Nun versucht es die Nachbarschaftshilfe mit neuem Konzept und Zuschüssen der Gemeinde.

(Foto: Claus Schunk)

Nachbarschaftshilfe Grünwald übernimmt Café Grün

Die Nachbarschaftshilfe Grünwald übernimmt das ehemalige "Café Grün" im Haus der Begegnung und macht daraus einen "Offenen Treff". Das hat der Gemeinderat am Dienstagabend beschlossen. Die Einrichtung wird mit jährlich circa 150 000 Euro und einem einmaligen Investitionszuschuss von 50 000 Euro ausgestattet, darüber hinaus sind die Räume im Haus der Begegnung pachtfrei. Die Eröffnung ist für etwa Mitte September geplant.

Gut ein Jahr lang war das Café Grün im Haus der Begegnung untergebracht. Es wurde von den Kolping Ausbildungszentren, einer gemeinnützigen GmbH betrieben. Doch auch ein gemeinnütziges Unternehmen braucht Umsatz, der sich aber nicht einstellte. Trotz vieler Versuche, das Café zu beleben, unter anderem Krimi-Lesungen, Mittagstisch und frisch gebackene Kuchen, mussten die Betreiber aufgeben. Das taten sie Ende 2018 von heute auf morgen. Seitdem ist das Café geschlossen.

Die Nachbarschaftshilfe hat lange überlegt, ob und wie sie das Café übernehmen könnte, wie Geschäftsführer Tobias Sicheneder den Gemeinderäten erklärte. Zunächst habe man auch an Gastronomie gedacht. Ein Berater habe dann aber ausgerechnet, dass sie allein um zu überleben 150 Essen am Tag verkaufen müssten. "Da wir nicht aus der Branche kommen, haben wir das schnell verworfen", so Sicheneder.

Das neue Konzept enthält auch gastronomische Angebote, aber nur am Rande. Zwar wird ein Vollzeit-Koch eingestellt, doch wird er nur einfache Speisen produzieren: morgens belegte Brote, Brezn und Croissants, täglich eine wechselnde Suppe, täglich einen frischen Salat und ein günstiges Mittagsgericht, sofern die Nachfrage besteht, am Nachmittag selbst gebackenen Kuchen. Wasser soll immer kostenlos auf den Tischen stehen, eine "sehr gute Kaffeemaschine", so Sicheneder, soll aber auf jeden Fall angeschafft werden. Verzehrzwang besteht nicht. "Es soll möglich sein. nur da zu sitzen und dabei zu sein", so Sicheneder.

Wichtiger als die Verköstigung sei allerdings die Funktion des "offenen Treffs" (ein Name wird noch gesucht) als "Kontaktstelle, Wegweiser und Infopoint", so Sicheneder. Ein Sozialpädagoge soll anwesend sein, zahlreiche ehrenamtliche Kräfte mit anpacken. Die Räume sollen zunächst von 8 bis 17 Uhr geöffnet sein, Gruppen könnten sie jedoch auch abends nutzen. Auch werde man über eine Verlängerung der Öffnungszeiten natürlich nachdenken, wenn man sehe, wie es laufe.

Genutzt werden soll die von der Gemeinde gesponserte Einrichtung von allen Grünwalder Bürgern und allen Gruppen, die Bedarf haben. Da gibt es bereits einige, etwa den Mittwochsclub, Ideen für neue Gruppen sind im Konzept zahlreich vorhanden: Koch- und Backgruppen, Kulturgruppe, Stammtische auch von Schülern des gegenüber liegenden Gymnasiums, Mutter-Vater-Kind-Gruppen, ein philosophischer Salon, Lesungen, Ausstellungen. Wenn auch nur ein Teil davon umgesetzt wird, die Belebung des Hauses der Begegnung wäre sicher.

Von der Idee zeigten sich ausnahmslos alle Gemeinderäte aller Parteien einhellig begeistert, weshalb sie auch einstimmig dafür stimmten. Zwei weitere Bewerber werden somit abgelehnt. Die Kosten für den Treff beinhalten unter anderem die Kosten für einen Sozialpädagogen (oder zwei, die sich die Stelle teilen), einen Koch, drei 450-Euro-Kräfte, Fort- und Weiterbildung. Die 50 000 Euro Startkapital sollen unter anderem für gemütliche Möbel, etwa Couchecken und einen großen kommunikativen Tisch verwendet werden. Ansonsten will man die Möbel aus dem Café Grün übernehmen.

© SZ vom 31.05.2019

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