Grünwald Hochfrequente Passagen

Eingebettet in das Ensemble: Cellist Maximilian Hornung (Mitte) mit dem Münchner Kammerorchester in Grünwald.

(Foto: Claus Schunk)

Cellist Maximilian Hortung begeistert in Grünwald mit dem Münchner Kammerorchester

Von Julian Carlos Betz, Grünwald

Mit einem gut austarierten Programm durfte sich an diesem Freitag das Publikum im August-Everding-Saal in Grünwald an die Fähigkeiten eines außergewöhnlichen Solisten heranführen lassen, der zudem noch von einem ebenso fähigen wie gut eingespielten Orchester begleitet wurde. Konterkariert wurde das programmatisch harmonische Konzept jedoch von der bisweilen galoppierenden Interpretation des Konzerts für Violoncello und Orchester Nr. 1 in C-Dur von Joseph Haydn: Ein fliegend gespieltes Stück, das sich von der thematischen Orientierung am Spätbarock durch Maximilian Hornungs Cello-Spiel absetzte und eine ganz eigene Signatur erhielt.

Bevor es jedoch zum Glanzstück des Abends kam, spielte sich das Münchner Kammerorchester, kurz MKO, erst einmal warm mit Igor Strawinskys D-Dur Konzert für Streichorchester. Angeleitet von Konzertmeister Daniel Giglberger breitete das Ensemble seine Expertise in eilenden Tremoli und elliptisch verzerrten Klanglinien aus. Die bedrohliche Stimmung des ersten Satzes wurde gut transportiert und das effektvolle Pizzicato zum Satzende traf ins Schwarze. Das im Münchner Prinzregententheater beheimatete Orchester steht seit 2016 unter der Führung von Clemens Schuldt, der bereits spannende Auftritte wie Beat Furrers Violinkonzert mit Isabelle Faust realisieren konnte.

Mit Haydns Cellokonzert schließlich leistete der Solist des Abends Maximilian Hornung seine Kür. Der Professor an der Münchner Hochschule für Musik und Theater war bereits mit 23 Jahren erster Solocellist des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, eine Stelle, die er zugunsten seiner Solokarriere wieder aufgab. International aktiv fühlt sich der Augsburger auch auf bayerischen Bühnen sichtlich wohl, denn er bot gemeinsam mit dem Orchester eine aufregende Deutung des Haydn-Stücks. Kleine, dekorative Betonungen wurden eingebettet in das homogene Spiel des Orchesters, die Übergänge zwischen hochfrequenten Passagen am Cello und solchen einer konstanten Erholung zugunsten der langschwingenden Melodie gerieten zu einem reizvollen Dialog zwischen Orchester und Solisten. Im Adagio präsentierte Hornung hauchzarte Doppelgriffe, im astralen Raum des Mittelsatzes bewegte sich das Stück zwischen kraftvollen Akkorden und schwereloser Weltlichkeit.

Im abschließenden Allegro molto dann offenbarte sich der eigentliche Charakter dieser besonderen Haydn-Kür. Eiliger Start in den Satz hinein, mühelose Übergänge zwischen schneller Tonfolge und langen Dehnungen, mal erklingen die Obertöne prominent, wenn Hornung einen besonders verwegenen Akzent setzen möchte. Die Kommunikation zwischen Solist und Orchester funktionierte einwandfrei. Ein fast rasender Spielvortrag, der nur vereinzelt mit dunklen Akkorden breit grundiert wurde. Das MKO setzte mit Hornung die Grenze der Belastbarkeit des Stücks nach oben, konnte jedoch erfreulich damit brillieren, das Publikum zeigte sich begeistert.

Mit der zweiten Hälfte wurde das Programm schließlich noch einmal thematisch erweitert, mit einem Cello-Konzert des Georgiers Vaja Azarashvili aus dem Jahr 1970. Ein schwer zu fassendes Stück, das wie aus einem Moment des angehaltenen Atems heraus meditative Bahnen zog und sowohl expressives Motivgut der Romantiker mit sich führte als auch sensibel ausgelotete, lyrische Bildhaftigkeit aufzuweisen hatte. Hornung ergänzte sein Spiel hier mit der Fähigkeit zum disparaten Vortrag zwischen vertikaler Zentrierung und luftigen Akkordfolgen.

Zuletzt gefiel das Orchester mit einer Darbietung von Haydns Sinfonie Nr. 43 in Es-Dur. Feine Motivabstufungen, die von den Musikern reflektierend ausgebaut wurden und ein gewinnender Scherzo-Tonfall im vierten Satz schnürten das Paket schließlich zu. Für Unzufriedenheit war kein Platz.