Kinder erklären die digitale Schule:"Man geht dann in ein Meeting"

Lesezeit: 3 min

Kinder erklären die digitale Schule: Josepha, Mateo, Laurenz, Nelli, Shari und Lisbeth (von links oben im Uhrzeigersinn) kennen sich aus mit Apps, Konferenzen und anderen Online-Tools, die für das digitale Lernen verwendet werden. Fotos: Claus Schunk

Josepha, Mateo, Laurenz, Nelli, Shari und Lisbeth (von links oben im Uhrzeigersinn) kennen sich aus mit Apps, Konferenzen und anderen Online-Tools, die für das digitale Lernen verwendet werden. Fotos: Claus Schunk

Heft, Tafel und Kreide waren gestern, heute lernen die Kinder - zum Teil notgedrungen - am Computer oder auf dem Smartphone. Hier erzählen sechs Mädchen und Buben aus Grünwald, wie das funktioniert.

Protokolle von Claudia Wessel, Grünwald

Die Corona-Pandemie hat die Schule verändert. Digitale Formen des Unterrichts sind bereits in den ersten vier Klassen zur Selbstverständlichkeit geworden. Wir haben sechs Kinder der Grünwalder Martin-Kneidl-Grundschule gebeten, uns Begriffe aus ihrem Alltag zu erklären, die zum Teil wohl die meisten Erwachsenen gar nicht kennen.

Homeschooling

Josepha Kraus, neun Jahre: Homeschooling ist, wenn man zuhause Aufgaben macht, also mit Online-Unterricht, mit Webex. Man geht dann in ein Meeting und bespricht mit der Lehrerin, was man machen soll, meistens bleibt man dann auch im Meeting und kann noch Fragen stellen. Es gibt zwei Mal am Homeschooling-Tag solche Meetings und zwischendurch macht man meistens seine Aufgaben, und kann auch essen und nach draußen gehen und mit dem Hund spazieren gehen. Das ist Homeschooling.

Erklär- und Lernvideos

Mateo Rotter, acht Jahre: In Lernvideos erklären uns die Lehrer oft Sachen, damit wir sie besser verstehen. Dabei filmen sie sich entweder selber und zeigen uns etwas oder schreiben Sätze oder Zahlen so auf, dass man es im Video sieht. Unser Lehrer hat oft extra für unsere Klasse Videos gedreht für die Hausaufgaben, die konnten wir dann online abrufen. Es gab zum Beispiel Diktate in Deutsch und Sachaufgaben in Mathe. Am Ende der Aufgabe kam immer die Lösung. Das war praktisch, denn dann konnte ich die Aufgaben alleine lösen. Und wenn ich etwas nicht gleich verstanden habe, habe ich es einfach noch einmal angeschaut und weitergeübt.

Kinder erklären die digitale Schule: Josepha, Mateo, Laurenz, Nelli, Shari und Lisbeth (von links oben im Uhrzeigersinn) kennen sich aus mit Apps, Konferenzen und anderen Online-Tools, die für das digitale Lernen verwendet werden. Fotos: Claus Schunk

Josepha, Mateo, Laurenz, Nelli, Shari und Lisbeth (von links oben im Uhrzeigersinn) kennen sich aus mit Apps, Konferenzen und anderen Online-Tools, die für das digitale Lernen verwendet werden. Fotos: Claus Schunk

Padlet

Lisbeth Giller, acht Jahre: Ein Padlet ist etwas, was man im Computer selber machen kann oder sich anschauen kann. Ein Padlet brauchen ganz viele Schüler. Zum Beispiel wenn gerade Homeschooling ist, dann muss man ja schauen, was man machen muss. Da gibt es dann so eine Seite von unserer Lehrerin, da müssen wir reingehen. Und dann stehen da alle unsere Sachen, die wir bearbeiten müssen. Auch manchmal die Lösungen. Da sind nicht immer nur Schulsachen drin. Da sind zum Beispiel auch Sport- oder Kunstsachen drin oder Sachen vom Museum. Und das ist ein Padlet.

Webex

Laurenz Giller, neun Jahre: Webex ist fast so wie eine Konferenz. Wie bei euch, bei den Eltern, wenn sie arbeiten müssen. Aber unsere Schulwebex ist nur für Kinder. Beim Webex ist einer der Gastgeber und dann tippt man auf die App und muss sich mit einer Nummer einwählen. Mit dieser Nummer kommt man zu dem Gastgeber in den Webex-Raum. Und unsere Lehrerin erklärt uns dann, was wir zu tun haben. Aber man kann sich auch mit seinen Freuden zu Webex verabreden.

Antolin und Anton

Shari Fuhrmann, zehn Jahre: Antolin ist eine App, da kann man, nachdem man ein Buch gelesen hat, Fragen beantworten. Man kriegt Punkte auf die Fragen. Die Lehrer sammeln die Punkte mit ihrer App. Wenn man eine Lehrerin oder einen Lehrer hat, die oder der sehr nett ist, dann gibt es auch eine Belohnung. Wir haben das in der ersten Klasse gemacht, wir haben ein Passwort bekommen und konnten das auch auf jedem beliebigen Gerät machen. Ich hatte damals auch noch kein Smartphone, mit dem ich das machen konnte, deswegen habe ich es einfach auf dem Computer gemacht. Ich habe Harry-Potter-Teile beantwortet, die Bücher hatte ich sowieso alle gelesen. Eine andere App heißt Anton. Die müssen wir nicht benutzen, aber wir können es tun. Da kann Lehrer und Schüler sich einen Avatar erstellen, ein Monster oder einen Mensch. Die Lehrerin kann zum Beispiel "Maßstab für die vierte Klasse" einstellen, dann kann sie es an alle Mitglieder aus der Klasse, die in der Gruppe sind, schicken und zum Beispiel als Hausaufgabe aufgeben. Sie sieht auch, wer aus der Gruppe sie gemacht hat. Für jede zweite Aufgabe gibt es eine Münze. Beide Apps machen sehr viel Spaß.

Online-Freizeit

Nelli Simon, sieben Jahre: Zur Schule gehören nicht nur Mathe und Schreiben, sondern auch Singen und Sport. Dafür war bei unserem Videounterricht aber leider keine Zeit. Deshalb habe ich mich besonders über die Videocalls mit den Burgspatzen gefreut. Da haben wir eine Geschichte geprobt und zusammen gesungen. Sport habe ich mit Alba Berlin gemacht. Die haben viele tolle Filme im Internet mit Spielen und Turnen.

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