Grünwald:Mama auf Stundenbasis

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Grünwald: Wer wie Kerstin Utecht als Tagesmutter arbeiten möchte, muss davor eine 160-Stunden-Ausbildung absolvieren.

Wer wie Kerstin Utecht als Tagesmutter arbeiten möchte, muss davor eine 160-Stunden-Ausbildung absolvieren.

(Foto: Claus Schunk)

Kerstin Utecht liebt Kinder und ist heute die Tagesmutter, die sie sich früher für ihre Kinder gewünscht hat. Die Nachbarschaftshilfe Grünwald hilft Interessierten beim Einstieg in den Betreuerjob.

Von Claudia Wessel, Grünwald

Es ist ganz still in dem großen Wohnzimmer von Kerstin Utecht an der Grünwalder Otto-Heilmann-Straße. Vier Kleinkinder sitzen auf ihren Hochstühlen am Tisch und kauen zufrieden Apfel- und Karottenstückchen.

Nikolaus ist zwei, Laura und Paula zweieinhalb, und Quirin mit seinen drei Jahren ist der älteste, der demnächst in den Kindergarten wechselt. Es ist 15.30 Uhr, und bald nach der gesunden Zwischenmahlzeit kommen die Eltern und holen ihre Kinder ab. Kerstin Utecht ist seit 2006 Tagesmutter und arbeitet für die Nachbarschaftshilfe Grünwald.

Monika Lix leitet den Bereich Kindertagespflege und Großtagespflege bei der Nachbarschaftshilfe. Kindertagespflege ist der Tagesmutter-Bereich, unter Großtagespflege versteht man, wenn sich mehrere Tagesmütter den Job der Betreuung teilen und zwar meistens nicht zu Hause, sondern in einem eigenen Raum. Auf der Suche nach "Nachwuchs" ist Lix im Bereich Tagesmütter und zwar vor allem in Pullach.

Dort hören die bisherigen zwei in absehbarer Zeit auf. Bis man neue Tagesmütter einsetzen kann, dauert es eine Weile. Denn sie müssen zuerst eine 160-Stunden-Ausbildung absolvieren. Da diese nur abends und am Wochenende stattfindet, kann sie sich über ein halbes Jahr hinziehen. Die nächste beginnt im Frühjahr. Da Monika Lix mit den Interessentinnen vorher Gespräch führen muss, und nicht jede trotz anfänglichem Interesse dabei bleibt, macht sie sich frühzeitig auf die Suche.

Kerstin Utecht hat Gartenbau studiert und selbst drei Kinder erzogen. Diese sind heute 17, 26 und 27 Jahre alt. Als sie noch klein waren, hatte Utecht einen Büroservice und suchte selbst eine Tagesmutter, fand aber keine. Schließlich gab sie ihre Kinder in eine Krippe. "Dort war wahnsinnig viel Personalwechsel", erinnert sie sich. "Am Montag war die Lieblingserzieherin plötzlich weg."

Schließlich beschloss Utecht: "Ich werde jetzt die Tagesmutter, die ich gerne gehabt hätte." Sie hat übrigens eine Vertretung für den Krankheitsfall, eine Springerin. Es ist also immer sichergestellt, dass die Eltern nicht ohne Betreuung dastehen.

Sehr viel Spaß macht Utecht der Beruf nicht nur, weil sie keinen Chef hat und selbst entscheiden kann, was sie als nächstes tut, sondern auch, weil sie Kinder liebt, ganz besonders die ganz Kleinen. Zwischen einem und drei Jahren sind die meisten ihrer Schützlinge, dann wechseln sie in den Kindergarten.

Sie sind auch wirklich unglaublich süß, diese vier Kleinen, die jetzt ins Spielzimmer wechseln. "Da!" zeigt Laura begeistert auf die bunten Bilder an der Wand und lächelt. Auch die anderen sind ruhig und lümmeln auf dem dicken Teppich herum. Gibt es denn hier nie mal Geschrei bei so vielen kleinen Kindern? "Ja, die können auch anders", sagt Kerstin Utecht und lacht. "Aber da muss man klare Regeln aufstellen."

Utecht gibt zu, dass sie es manchmal leichter hat als Eltern, und sie kennt das auch aus ihrer Zeit als Mutter von kleinen Kindern. Bei den eigenen Eltern versuchen sie es oft mit allen Mitteln, ihren Willen durchzusetzen, vermutlich weil sie wissen, dass ihr Geschrei die Eltern ins Herz trifft. "Mir war beim ersten Kind auch noch nicht klar, dass man mal Nein sagen muss", sagt Utecht. "Das wollen die Kinder ja auch, die wollen ja kämpfen."

Dass die Kinder oft so lieb sind, und beispielsweise alle freiwillig Mittagsschlaf machen - außer Quirin, der muss nicht mehr schlafen, aber er muss leise sein, das hat Utecht mit ihm vereinbart - liegt aber sicher auch daran, dass sie so viel an der frischen Luft und dann richtig müde sind. Jeden Morgen geht die kleine Gruppe in den Wald, bis zu den Rehen in Wörnbrunn und noch weiter zu einem Spielplatz.

Manchmal bleiben sie im Garten. Besonders lieb haben die Kinder die drei Meerschweinchen im Käfig neben dem Spielzimmer. Und sie haben gelernt, dass man nicht so schreien darf, weil die Tiere dann erschrecken. Tiere sind sowieso der Hit bei den Kindern. Der Katze der Familie war der Tumult dann aber irgendwann zu viel. "Sie ist zu den Nachbarn gezogen", sagt Utecht.

Wer sich für die Aufgabe als Tagesmutter in Grünwald, Baierbrunn, Straßlach oder Pullach interessiert, kann Monika Lix unter 089/64 96 49 99 30 anrufen, E-Mail: m.lix@nbh-gruenwald.de.

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