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Grünwald:FDP distanziert sich von NS-Vergleich

Die Tannenberg-Schrift und das Kürzel KJ in dem inzwischen gelöschten Post erinnern an die Hitlerjugend.

Gemeinderat Matthias Schröder löscht Facebook-Post zu Schülerdemos nach Kritik von Parteifreunden.

Von Martin Mühlfenzl, Grünwald

Den politischen Gegner nimmt Matthias Schröder unmissverständlich ins Visier. "Die KJ wurde heute wieder zum Schulschwänzen indoktriniert! Ekelhaft, wie die Jugend zur politischen Meinungsbildung von Hofreiter und Konsorten missbraucht wird", schreibt der Grünwalder FDP-Gemeinderat über einem Bild, das er vergangenen Freitag auf seinem Facebook-Profil gepostet hat. Auf dem Bild zu sehen ist eine Sequenz aus dem Film "Das Dorf der Verdammten" aus dem Jahr 1960 und der Schriftzug "Klimajugend" in der sogenannten Tannenberg-Schrift aus den Dreißigerjahren. Dieser und das Kürzel "KJ" erinnern an die Hitlerjugend.

Der Grünwalder FDP-Ortsverband und der Kreisverband der Liberalen haben sich von der Aktion Schröders distanziert; der Bundesjustiziar der Partei prüft den Fall, wie der FDP-Kreisvorsitzende Michael Ritz bestätigt, der mit Schröder im Grünwalder Gemeinderat sitzt. Schröder hat den Post mittlerweile von seiner Seite genommen.

FDP-Gemeinderat Matthias Schröder.

(Foto: Claus Schunk)

Matthias Schröder selbst sagt, es handle sich keinesfalls um einen "Nazi-Post". "Es obliegt dem Betrachter, zu urteilen, was er daraus macht", sagt der Grünwalder. "Ich habe dieses Bild nicht gestaltet. Es soll zur Diskussion anregen." Und die sollte sich aus seiner Sicht weniger um seinen Post drehen, sondern vielmehr um die anhaltenden Demonstrationen von Schülern gegen den Klimawandel unter dem Motto "Fridays for Future". "Ich begrüßen es ganz klar, dass sich Schüler für ihre Zukunft einsetzen", sagt Schröder. "Aber eben nicht zur Unterrichtszeit und gefördert von zwei Parteien, der Linken und den Grünen, die die Schüler auch noch mit Materialien versorgen." Und angesprochen auf den grünen Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, den er in seinem Post direkt angegriffen hat, sagt Schröder: "Wenn Anton Hofreiter jetzt ernsthaft die demonstrierenden Schüler für den Friedensnobelpreis vorschlägt, bedauere ich meine Worte überhaupt nicht."

Justiziar der Bundespartei prüft den Vorfall

Zurückhaltend reagiert der FDP-Kreisvorsitzende Michael Ritz auf den Post seines Parteifreundes und Gemeinderatskollegen. Eine persönliche Bewertung wolle er nicht abgeben, sagt Ritz, sowohl der Ortsverband als auch der Kreisverband hätten sich aber von der Aktion Schröders klar distanziert. "Und da stehen wir auch zu hundert Prozent dahinter", sagt Ritz. Solange der Justiziar der Bundespartei den Vorfall noch prüfe, werde er aber keine weitere Stellungnahme abgeben. Nur so viel: "Ich muss das nächste Jahr mit Matthias Schröder noch zusammenarbeiten." Also mindestens bis zur Kommunalwahl im Frühjahr 2020.

Dass die Aktion weitreichende Folgen nach sich ziehen könnte, halten aber sowohl Ritz als auch Schröder selbst für ausgeschlossen. "Ein Parteiausschlussverfahren wird es nicht geben", sagt Ritz. "Dafür reicht es nicht aus." Den Post habe er aus dem Netz genommen, weil "die Diskussionen zu stark geworden" seien und es "zahlreiche Anfeindungen" gegeben habe, sagt Schröder. Vor allem von zwei Parteikollegen aus dem Landkreis München, deren Namen er nicht nennen will. "Das gehört sich nicht", sagt er.

© SZ vom 26.02.2019/hilb
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