Grünwald:Brückenpläne hängen in der Luft

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Grünwald lehnt Machbarkeitsstudie für eine Fußgänger-Überführung der Isar nach Pullach ab. Die Grünen sind enttäuscht, zumal die Technische Universität München unverbindlich Basisdaten liefern könnte

Von Michael Morosow, Grünwald

Ist es nur eine Luftnummer der Grünwalder Grünen, oder könnte dereinst tatsächlich eine über die Isar gespannte Hängebrücke für Radfahrer und Fußgänger die Gemeinden Grünwald und Pullach verbinden? Aufsehen erregend ist das Ansinnen der beiden Gemeinderätinnen Ingrid Reinhart und Antje Wagner allemal. Beide hatten in der Julisitzung des Gemeinderates eine Machbarkeitsstudie für das spektakuläre Vorhaben eingefordert. Am Dienstag stand das Thema abermals auf der Tagesordnung und dabei zeigte sich, dass, wenn überhaupt, noch viel Wasser die Isar hinunter fließen wird, bis der erste Brückenpfeiler in den Hang gerammt werden wird. Laut Beschluss wird die Gemeinde vorerst keine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben. Bürgermeister Jan Neusiedl (CSU) hat sich aber bereit erklärt, vorab mit Ministerium und Behörden zu klären, ob das Vorhaben grundsätzlich mit Landschafts- und Naturschutz zu vereinbaren sei, ist über das Isartal doch ein FFH-Schutzmantel gelegt.

Rothaarsteig

In luftiger Höhe von Pullach nach Grünwald und umgekehrt - das ist der Traum der Grünwalder Grünen.

(Foto: Horst Ossinger/dpa)

Die Grünen-Rätin Ingrid Reinhart hielt mit ihrer Enttäuschung über das Zaudern des Gremiums nicht hinter dem Berg. Sie finde dies sehr schade und sei enttäuscht, sagte Reinhard, an Jan Neusiedl gewandt. Zumal der Bürgermeister partout einen Trumpf der Grünen nicht stechen lassen wollte: Durch einen SZ-Bericht auf das Brückenthema aufmerksam geworden, hatte vor zwei Wochen der Münchner Professor Oliver Fischer von der Ingenieurfakultät Bau, Geo, Umwelt an der Technischen Universität (TU) München den Gemeinden Pullach und Grünwald angeboten, sich in einem Praxisprojekt mit Studenten intensiv mit allen Aspekten eines möglichen Brückenschlags zwischen beiden Orten auseinanderzusetzen. "Selbstverständlich wäre diese Leistung für die Gemeinden völlig unverbindlich und mit nur sehr geringen Kosten verbunden", heißt es in den Schreiben an die Pullacher Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne) und an Neusiedl. Während sich Tausendfreund sehr angetan zeigt von dem Angebot des Lehrstuhlinhabers, kostengünstige Basisdaten für eine mögliche Machbarkeitsstudie zu liefern, hält Neusiedl offenbar nicht recht viel von der Offerte "irgend eines Professors, der einen Auftrag an Land ziehen will." Am Ende gebe es doch eine Rechnung, sagte Neusiedl. Außerdem scheitere seiner Meinung nach das Vorhaben "schlicht daran, dass es ein FFH-Gebiet ist"

Grünwald: Grünen-Gemeinderätin Ingrid Reinhart ist von einem Brückenschlag nach Pullach überzeugt.

Grünen-Gemeinderätin Ingrid Reinhart ist von einem Brückenschlag nach Pullach überzeugt.

(Foto: Claus Schunk)

Die Hängebrücke habe Charme, sei attraktiv und wünschenswert - so lautete der Tenor am Dienstag im Gemeinderat, sieht man von der Wortmeldung von Hubertus Lindner (PBG) ab. "Nur zwei Worte: Bittschön nicht", sagte der Altbürgermeister, ließ jedoch weitere Worte folgen: "Wissen Sie, wie viele Selbstmorde es auf der Großhesseloher Brücke gegeben hat?", fragte Lindner rhetorisch in die Runde. So etwas könne man in Katmandu bauen, nicht aber zwischen Grünwald und Pullach, lassen Sie die Finger davon", ereiferte sich Lindner. Natürlich müsse man dafür sorgen, dass niemand von der Brücke runterspringen kann, zum Beispiel mit einer Einhausung, entgegnete Ingrid Reinhart, die auch Abstriche machen würde, was die Dimension der Hängebrücke anbelangt. Sie wäre bereits zufrieden, wenn es eine Fußgängerbrücke werden würde, über die man sein Fahrrad schieben kann, sagte die Grünen-Rätin, nachdem Neusiedl von einer Mindestbreite von acht Metern gesprochen hatte, die eine Hängebrücke mit Gegenverkehr aufweisen müsse. Dass dieses Bauwerk von der Bevölkerung auf beiden Seiten der Isar herbeigesehnt werde, steht für sie offenbar fest. "Mit mir vermissen es viele Spaziergänger und Radfahrer. Das ist ein ganz großer Wunsch, ich habe noch nie so viel Zustimmung aus der Bevölkerung erfahren", berichtete sie.

Auch Alexander Steininger (CSU) brach eine Lanze für die Hängebrücke. Als er den Antrag der Grünen gesehen habe, habe er sich gedacht, "das hat Charme". Die Machbarkeitsstudie müsse man nicht zu hoch hängen, das Thema sollte nicht gleich kaputt geredet werden. "Irgendwas hat das." Und wenn Pullach die Hälfte der Kosten trage, sollte man auch in Grünwald dranbleiben. Und Pullach würde zahlen, wie Bürgermeisterin Tausendfreund am Mittwoch zur SZ sagte. Ein Brückenschlag zur Nachbargemeinde sei in ihrer Gemeinde seit Jahren Grundsatzbeschluss. Freilich sei eine Vereinbarkeit mit Landschaft und Natur Voraussetzung, aber die Hängebrücke sei wohl kein massives Bauwerk. "Es ist ein interessantes Projekt, das unsere Gemeinden näher zusammenbringen könnte", sagte Tausendfreund. Wesentlich nüchterner liest sich eine Passage des von der Grünwalder Verwaltung formulierten Beschlussvorschlags: "Die verkehrliche Verbindung zwischen zwei kreisangehörigen Gemeinden ist Aufgabe des Landkreises beziehungsweise des Freistaates Bayern, da es sich hier um eine überörtliche Erschließung handeln würde."

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