Grüne: Rücktritt von Hanna Sammüller Machtzentrum am Küchentisch

Grünes Studenten-Leben: Die bisherige Münchner Grünen-Chefin und die Vorsitzende der Grünen Jugend wohnen gemeinsam in einer WG in Sendling - jetzt könnte die eine der anderen nachfolgen.

Von Silke Lode

Es ist ziemlich genau ein halbes Jahr her, dass einige junge Grünen-Frauen am Sendlinger Tor einen Schreibtisch aufgebaut und im Business-Anzug Passanten angesprochen haben. Sie erklärten ihnen, dass es selbstverständlich sein sollte, dass mehr Frauen in Top-Positionen gelangen, und trugen anlässlich des Weltfrauentags einen Slogan auf die Straße, der wie ihr gemeinsames Lebensmotto daherkam: "Ich will keine Rose, ich will eine Führungsposition".

Hanna Sammüller (links) und Katharina Schulze sind in der gleichen Partei, teilen ähnliche Erfahrungen und wohnen gemeinsam in einer WG in Sendling.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Eine dieser Frauen war die 26-jährige Hanna Sammüller, die bis Montagabend gemeinsam mit Nikolaus Hoenning an der Spitze der Münchner Grünen stand. Sammüller spricht gerne von der Leuchtturmfunktion, die Frauen in Führungspositionen haben.

Sie selbst war gerade auf dem besten Weg, eine solche Strahlkraft zu entwickeln. Die Grünen im Rathaus haben ihren rasanten Aufstieg mal neugierig, mal kritisch beobachtet, doch erst im Moment ihres Rückzugs an diesem Dienstag scheinen die Alteingessenen begriffen zu haben, dass sie gerade eines ihrer wichtigsten Nachwuchstalente verloren haben.

Mit 15 Jahren machte Sammüller die ersten Schritte in die Politik, im Jugendbeirat ihrer Heimatstadt Landsberg am Lech. Mit 17 kam sie zu den Grünen, und als sie zum Jurastudium nach München zog, wurde sie Beisitzerin der Grünen Jugend. Nach zwei Jahren in Paris und Prag passte die Grüne Jugend nicht mehr richtig, wie Sammüller sagt - damals war sie Anfang 20.

Sie wechselte in den Vorstand des Stadtverbands, und als dort 2009 Neuwahlen anstanden, war es für sie nur logisch, als Grünen-Chefin zu kandidieren. "Alles andere wäre Stagnation gewesen." Natürlich hatte sie Zweifel, ob es ihr gelingen würde, eine so inhomogene und streitlustige Partei wie die Grünen zusammenzuhalten.

Doktorarbeit oder Parteivorsitz?

Vor allem, weil sie nebenher an einer Doktorarbeit schrieb und sich um die Abgeordneten - einen im Bundestag, vier im Landtag, elf Stadträte und einen im Europaparlament - kümmern musste, die alle einen guten Draht zur Basis wollen. Aber Sammüller hatte dafür längst die nötige Selbstsicherheit gefunden und gelernt, dass "man auch mal was sagen darf, wenn man's nicht ganz genau weiß".

Jetzt hat sie trotzdem die Notbremse gezogen und den Parteivorsitz niedergelegt. Weil sie nicht warten wollte, bis entweder ihre Doktorarbeit scheitern oder die Parteispitze de facto nur noch an Hoenning hängen würde, der als junger Vater selbst nur begrenzt Zeit für die Grünen hat.