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Grasbrunn:Rot-Schwarz mit umgekehrten Vorzeichen

Bleibt auch bei der Wahl der weiteren Bürgermeister außen vor: Der erfolglose CSU-Bürgermeisterkandidat Detlef Wildenheim soll kein Stellvertreter von SPD-Rathauschef Klaus Korneder werden.

(Foto: Claus Schunk)

Weil die CSU stärkste Partei geworden ist, muss die SPD von Rathauschef Klaus Korneder in Grasbrunn voraussichtlich den Posten der Zweiten Bürgermeisterin an die Christsoziale Ursula Schmidt abgeben

Knapp zwei Monate nach der Kommunalwahl könnte die CSU in Grasbrunn an diesem Dienstag doch noch einen verspäteten Wahlerfolg einfahren. Bei der konstituierenden Sitzung des neuen Gemeinderats, in der die Stellvertreter des am 15. März im Amt bestätigten SPD-Bürgermeisters Klaus Korneder gewählt werden, winkt der CSU der Vize-Posten. Die vergangenen zwölf Jahre hatte diesen Iris Habermann von der SPD inne. Doch die SPD hat zwar mit Korneder das Rathaus verteidigt, bei der Wahl zum Gemeinderat aber Stimmen verloren. Neuerdings ist sie mit fünf Gemeinderäten nur noch zweitstärkste Kraft hinter der CSU, die weiterhin sechs Vertreter im Gemeinderat hat.

Das hat Auswirkungen auf die Wahl der Bürgermeisterstellvertreter. Um einen eigenen Kandidaten durchzubringen, braucht es am Dienstagabend - vorausgesetzt alle Gemeinderatsmitglieder sind anwesend - mindestens elf Stimmen. Die SPD kommt aber selbst mit den Stimmen der neuerdings drei Grünen, an die die Partei einen Sitz verloren hat, und mit ihrem Bürgermeister bestenfalls auf neun. Zwar braucht auch die CSU Stimmen der anderen Parteien, um ihren Kandidaten durchzusetzen, doch sie hat die besseren Argumente: Schließlich ist die CSU trotz leichter Stimmenverluste bei der Gemeinderatswahl stärkste Kraft. Auch wird die Freie Wählergemeinschaft (FWG), die heuer mit einem eigenen Gegenkandidaten zur Bürgermeisterwahl angetreten ist, kaum für weitere sechs Jahre einer SPD-Doppelspitze im Rathaus zur Macht verhelfen. Und die geschrumpfte BFG sowie die FDP, die erstmals in den Gemeinderat eingezogen ist, zählen sich ohnehin zum bürgerlich-konservativen Lager.

Vor sechs Jahren hatte Bürgermeister Korneder es dagegen noch geschickt geschafft, ein Bündnis mit der CSU zu schmieden, indem er dem unterlegenen CSU-Bürgermeisterkandidaten Michael Hagen für die erneute Wahl von Iris Habermann zur Zweiten Bürgermeisterin den Posten des Dritten Bürgermeisters anbot - ein Amt, das es bis dahin in der Gemeinde nicht gab. Gemeinsam kamen CSU und SPD unter der Führung von Korneder auf 13 von 21 Stimmen, womit sie für ihr Personaltableau keine Stimmen aus anderen Fraktionen benötigten.

Das gilt grundsätzlich auch jetzt, wenn die rot-schwarze Mehrheit auch auf zwölf von 21 Stimmen geschmolzen ist - nur dass die CSU dieses Mal auf das Recht des Stärkeren bei der Wahl des Zweiten Bürgermeisters pocht. Dieser müsste nach Lage der Dinge eigentlich Detlef Wildenheim sein, der die CSU als Bürgermeister- und Spitzenkandidat für den Gemeinderat in die Kommunalwahl geführt hat. Doch wie es aussieht, wird Wildenheim dennoch nicht Zweiter Bürgermeister werden.

Das liegt wiederum an der SPD und Klaus Korneder. Der SPD-Bürgermeister will unter allen Umständen Wildenheim als seinen ersten Stellvertreter verhindern. Weil die CSU zur Wahl ihres Kandidaten aber ebenfalls mindestens fünf Stimmen aus anderen Fraktionen braucht, scheint alles auf folgenden Kompromiss hinauszulaufen: Die Nummer zwei im Rathaus hinter Korneder wird nicht Wildenheim, sondern Ursula Schmidt, die bisherige Fraktionsvorsitzende der CSU. Mit ihr, heißt es, glaube Korneder vertrauensvoller zusammenarbeiten zu können als mit seinem Gegenkandidaten aus der Kommunalwahl. Schmidt, die dem Gemeinderat schon seit mehreren Wahlperioden angehört, genießt auch Ansehen bei der FWG. Aus deren Reihen heißt es, der Zweite Bürgermeister dürfe kein Neuling sein, sondern müsse Erfahrung in der Kommunalpolitik haben. Schmidts Vorteil ist zudem, dass sie mehr Zeit für das Ehrenamt mitbringt.

Damit Schmidt mit breiter Mehrheit gewählt wird, dürfte es auch beim Posten des Dritten Bürgermeisters bleiben, der dann neuerdings an die FWG fiele. Ob diesen ihr unterlegener Bürgermeisterkandidat Johannes Seitner oder Fraktionschef Hannes Bußjäger einnehmen, wird sich am Dienstagabend zeigen. Für Detlef Wildenheim, den gescheiterten CSU-Bürgermeisterkandidaten, bliebe dann als Trost der Fraktionsvorsitz.

Damit hätten sich für Wildenheim alle Ziele bei der Kommunalwahl zerschlagen, die für ihn eher als Desaster endete. Nicht nur, dass er die Bürgermeisterwahl mit 21,9 Prozent überdeutlich verlor. Er erhielt als Nummer eins auf der Gemeinderatsliste der CSU nicht einmal das beste Ergebnis. Das gelang Bernhard Bauer. Selbst FWG-Bürgermeisterkandidat Johannes Seitner, obwohl gegen Korneder mit 17,9 Prozent auch klar erfolglos, und FWG-Fraktionschef Bußjäger erhielten bei der Wahl zum Gemeinderat mehr Stimmen. Genug Argumente, warum Wildenheim und die CSU nicht auf deren Stimmen bei der Wahl des Zweiten Bürgermeisters zu hoffen brauchen.

Aber auch dem Sieger des 15. März dürfte die Wahl ein paar schmerzliche Denkzettel verpasst haben: Nicht nur, dass SPD-Mann Klaus Korneder die kommenden sechs Jahre auf die loyale Zusammenarbeit mit seiner Vertrauten Iris Habermann oder einem anderen Parteifreund im Rathaus verzichten muss; Korneders Wiederwahl mit 50,8 Prozent fiel noch knapper aus als vor sechs Jahren. Gerade einmal 26 Stimmen brachten ihn im ersten Wahlgang über die absolute Mehrheit. Will der Sozialdemokrat 2026 für eine letzte, vierte Amtszeit gewählt werden, wird er in den kommenden Jahren um Vertrauen auch bei der Hälfte der Bevölkerung werben müssen, die ihn nicht gewählt hat.

© SZ vom 12.05.2020

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