Süddeutsche Zeitung

Grasbrunn:Ein Dorf im Ausnahmezustand

Zum Konzert von La Brass Banda in Grasbrunn kommen am Samstag so viele Menschen, wie in dem Ort leben.

Wenn sie Musik machen, kann sich kaum einer ruhig halten. Sie kommen barfuß auf die Bühne, spielen eine Mischung aus Ska-Punk, Techno, Reggae und Brass und machen einfach gute Laune. Am Samstagabend kommt die Band La Brass Banda im Rahmen ihrer Bierzelttour in die Festhalle am Neukeferloher Weg in das beschauliche Dorf Grasbrunn in der gleichnamigen Gemeinde. Die Vorfreude ist groß - für die Organisatoren vom örtlichen Burschenverein bedeutete das Konzert der Blasmusiker aus Übersee am Chiemsee aber auch viel Arbeit.

1300 Konzertbesucher werden erwartet

Immerhin erwarten sie zu dem ausverkauften Konzert 1300 Gäste. Das sind fast so viele Menschen, wie Grasbrunn Einwohner hat. Man könnte sagen, das Dorf befindet sich im Ausnahmezustand. Natürlich auch, weil die Burschen seit sechs Wochen Maibaumwache halten und nicht nur am Samstag, sondern von Freitag bis zum ersten Mai am Montag gefeiert wird.

Schon voriges Jahr starteten die Burschen mit ihren Planungen für das Festwochenende. Im Herbst standen die Veranstaltungen fest, auch die Zusage von La Brass Banda, erzählt Burschen-Vorsitzender Michael Bichlmeier. Die Musiker haben schon auf vielen Bühnen der Welt gespielt, auch auf Festivals mit mehreren Tausend Besuchern. Zwischendurch geben sie immer wieder Bierzelt-Konzerte. Eher mühsam mussten sich die Burschen dann die Genehmigungen für das Festwochenende erarbeiten. Die Gemeinde hatte ihr Okay problemlos erteilt, Unklarheiten habe man in Gesprächen geregelt, erzählt Bichlmeier.

Aber das Landratsamt verlangte mehrmals Nachbesserungen, bis die Pläne für die Festtage, auch das große Konzert, den bürokratischen Ansprüchen genügten. "Da ging es um solche Sachen wie Fluchtwege und wo die Security sie absichern muss", sagt der Vorsitzende. Hinter der Festhalle haben die Burschen nun ihr Zelt aufgebaut, wo sie an der Bar dann auch Getränke und Essen verkaufen werden. Vor der Halle ist ein Außenbereich mit einem Zaun abgesperrt.

Das Großstromaggregat leiht den Burschen die Unterhachinger Feuerwehr

Auch in anderer Hinsicht merkten die Organisatoren, dass ein "Riesen-Konzert" ansteht, wie Bichlmeier sagt, und nicht der Auftritt irgendeiner Stimmungs-Combo. So gab die Band vor, dass Getränke nicht in Glasflaschen, sondern nur in Plastikbechern verkauft werden dürfen. Außerdem mussten die Burschen für die Musiker ein Stromaggregat mit einer Leistung von 200 Kilovoltampere für Licht- und Soundtechnik organisieren. Das leihen sie sich nun von der Feuerwehr Unterhaching. Auch einen Security-Dienst mussten sie engagieren, wobei gilt: ein Mann pro 100 Leute.

Zum Glück kennt man sich im Ort gut und steht sich bei der Organisation eines solch großen Events bei. Vielleicht ist der Zusammenhalt auch besonders groß, seit der Maibaum im Ort ist. Johannes Bußjäger, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Grasbrunn, stellt für das Konzert die von ihm gepachtete Wiese am Neukeferloher Weg als Parkplatz zur Verfügung mit Platz für etwa 500 Autos. Bußjäger und seine Kollegen von der Feuerwehr kümmern sich dann auch darum, dass die Parkplätze richtig belegt werden. Vier Flutlichtscheinwerfer sollen nachts, wenn die Gäste das Konzert verlassen, eine gute Beleuchtung bringen. Große verkehrliche Einschränkungen durch das Konzert wird es nicht geben - nur der Neukeferloher Weg soll nach etwa zehn Metern gesperrt werden, damit er als Fluchtweg und für Rettungswagen frei ist.

Die Crew der La Brass Banda hat das halbe Hotel Jagermo gebucht

Vielleicht ist es die alte Verbundenheit - schließlich war Johannes Bußjäger früher Mitglied der Grasbrunner Burschen. Jedenfalls hat das Team um Bichlmeier für die komplette Band samt Aufbauteam mit insgesamt 26 Leuten im Hotel Jagermo der Familie Bußjäger für die Nacht vom 29. auf den 30. April Zimmer gebucht und damit das halbe Hotel belegt. Praktisch ist es für die Band. Laut Bußjäger sind es nur drei Minuten Fußmarsch zur Festhalle. "Hoff' ma mal, dass es ihnen bei uns taugt", sagt der Feuerwehrkommandant. Wenn sie schon in Grasbrunn seien, freue er sich, dass sie bei ihnen wohnten.

Wie Bichlmeier erzählt, habe die Band zwar anfangs Extrawünsche geäußert - jeder sollte in einem Einzelzimmer wohnen. Das habe sich dann aber regeln lassen. "Jetzt haben sie zur Hälfte Doppelzimmer und zur Hälfte Einzelzimmer", sagt Bichlmeier. Das findet er gut, denn ihnen sei wichtig gewesen, dass die Band und ihre Crew in einem Haus wohnen. Auch die Besprechung über den Ablauf des Abends mit der Band sei "richtig griabig" gewesen, sagt Bichlmeier. "Es wird natürlich ein supergeiles Konzert." Andererseits räumt er freimütig ein: "Ich persönlich freue mich aber auch, wenn das Festwochenende vorbei ist, weil es viel Arbeit war."

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SZ vom 28.04.2017/gna
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