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Grasbrunn:Das Gasthaus bleibt im Dorf

Den Grasbrunnern lieb und teuer: ihr Gasthaus, hinter dem das Neubaugebiet entstehen soll, dem es aber nicht weichen muss.

(Foto: Claus Schunk)

Hinter dem Grasbrunner Hof entsteht ein Neubaugebiet für etwa 250 Einwohner, der Standort für das Lokal bleibt erhalten

Von Lars Brunckhorst, Grasbrunn

Das lange gehütete Geheimnis ist gelüftet: Grasbrunn, der alte Ort der gleichnamigen Gemeinde, wächst noch einmal ein gewaltiges Stück. Und zwar um schätzungsweise bis zu 250 Einwohner. Das entspricht etwa 15 Prozent der Bevölkerung in dem Dorf. Dies geht aus dem Vorentwurf für eine Änderung des Flächennutzungsplans, dem städtebaulichen Konzept und einem Bebauungsplanentwurf hervor, die von der Gemeinde und dem Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München für ein Neubaugebiet hinter dem Grasbrunner Hof erstellt wurden. Über die Planung wurde seit mehr als einem Jahr hinter verschlossenen Türen im Grasbrunner Gemeinderat heftig gerungen.

Umso glatter gingen die Beschlüsse des Bauausschusses für eine Vergrößerung des alten Ortskerns jetzt über die Bühne. Zwar warnten insbesondere Vertreter der Freien Wählergemeinschaft (FWG) wie Hannes Bußjäger davor, mit dem Neubaugebiet sei die Grenze des Wachstums von Grasbrunn-Dorf für die nächste Zeit erreicht; schließlich waren auf dem Areal der ehemaligen Feinkostfirma Kugler erst vor ein paar Jahren knapp hundert neue Wohnungen entstanden. Und den Grünen Max Walleitner und Mitchell Nelson war der von den Planern vorgesehene Anteil der familiengerechten Wohnungen zu klein. Letztlich aber gingen die Flächennutzungsplanänderung und der Bebauungsplanentwurf mit breiter 10:2-Mehrheit durch den Ausschuss. Wenn auch der Gemeinderat zustimmt, wovon auszugehen ist, haben als nächstes Behörden, Verbände und Bürger Gelegenheit, im Rahmen der Auslegung und Anhörung ihre Einwände im Genehmigungsverfahren vorzubringen.

Entwurf und Konzept sehen hinter der Gaststätte Grasbrunner Hof und dem Hofladen die Ausweisung eines allgemeinen Wohngebiets vor, das über eine als Sackgasse endende Stichstraße von der Putzbrunner Straße aus erschlossen wird. Entstehen sollen hier sowohl Dreispänner als auch Doppelhäuser und Mehrfamilienhäuser mit Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen. Maximal 80 Wohneinheiten könnten nach den Schätzungen der Planer verwirklicht werden - woraus die angenommene Einwohnerzahl von bis zu 250 neuen Einwohnern resultiert. Laut Bürgermeister Klaus Korneder (SPD) im Vergleich zu anderen Vierteln in der Gemeinde eine maßvolle Bebauung. Eine Baudichte wie auf dem ehemaligen Kugler-Areal hätte 86 Wohnungen zugelassen, eine vergleichbare Bebauung wie in den Neukeferloher Winklergründen gar 129. Genauere Berechnungen sind allerdings erst möglich, wenn Bauträgergesellschaften ihre konkreten Planungen im Rahmen des späteren Bebauungsplans einreichen. So könnte sich etwa das Verhältnis von Single-Appartements zu Familienwohnungen noch ändern.

Fest steht dagegen, dass für alle Häuser Tiefgaragen gebaut werden. Dennoch sind entlang der neuen Anliegerstraße, die als verkehrsberuhigte Zone ausgebaut wird, jede Menge Parkstreifen vorgesehen. Hinter dem Gasthaus sowie an einem Rondell in der Mitte des Neubaugebiets sollen Flächen für eine unterschiedliche Nutzung entstehen: zum Treffen, zum Spielen, für Feste - oder vorübergehend zum Autoabstellen. Festgelegt ist auch, dass mehr als 70 Bäume zur Eingrünung gepflanzt werden müssen: 27 in den einzelnen Wohnquartieren, 15 entlang der Straße zwischen den Parkbuchten und 30 am neuen Ortsrand. Und das für die meisten Grasbrunner Allerwichtigste ist in den Plänen auch festgeschrieben: Die Gaststätte muss erhalten bleiben. Oder an selber Stelle eine neue gebaut werden.

Über Spielplätze, Regenwasserzisternen und einige andere Details gab es im Ausschuss noch ein bisschen Hin und Her - über die Fraktionen hinweg waren die meisten Ausschussmitglieder aber mit dem Ergebnis der Planungen und Verhandlungen zufrieden. Das ist insofern durchaus erstaunlich, als CSU, Freie Wähler und Bürger für Grasbrunn (BFG) SPD-Bürgermeister Klaus Korneder vor der Kommunalwahl im vergangenen Jahr noch mangelnde Transparenz vorgeworfen hatten und den Eindruck vermittelten, Korneder betreibe in geheimen Verhandlungen mit den beiden Grundeigentümern den Ausverkauf Grasbrunner Interessen. Vergeblich forderten sie mehr Öffentlichkeit und ihre Einbeziehung in die Grundstücksverhandlungen. Nur wenige Tage nach der Wahl im vorigen März machte Korneder die Pläne dann erstmals öffentlich. Umgekehrt setzte eine Mehrheit im Gemeinderat gegen Korneders Willen vor einigen Woche eine weitere nichtöffentliche Beratung durch, ehe sich jetzt der Vorhang im Bauausschuss hob.

© SZ vom 22.02.2021
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