Die wohl beste Nachricht des Abends wollte Grasbrunns Bürgermeister Klaus Korneder (SPD) den 92 Anwesenden nicht lange vorenthalten. „Wir sind seit diesem Jahr schuldenfrei“, sagte er zu Beginn der Bürgerversammlung. Im Sommer sei der letzte Kredit getilgt worden und insbesondere dank der starken Gewerbeeinnahmen könne die Gemeinde auch heuer wieder schwarze Zahlen schreiben. Die Rücklagen zum Ende des Jahres schätzt Korneder auf 17 Millionen Euro. „Die werden wir auch brauchen – und auch noch deutlich mehr“, so der Rathauschef mit Blick auf die anstehenden Vorhaben: den kommunalen Wohnungsbau und die „Mammutaufgabe“ Geothermie.
Vieles ist derzeit im Wandel in Grasbrunn: Die Gemeinde will moderner, klimafreundlicher und sozialer werden. Im laufenden Jahr sei dafür schon einiges passiert, so Korneder. Die 18 neuen Wohnungen im Ortsteil Harthausen seien zu günstigen Mieten vergeben und weitere Flächen für den gemeindlichen Wohnungsbau erworben worden. Am Harthauser Weg seien die Bauarbeiten abgeschlossen, ebenso für den neuen Geh- und Radweg zwischen Harthausen und Möschenfeld entlang der Kreisstraße M 25. Für die Glasfaser-Erschließung hat die Gemeinde das Unternehmen UGG aus Ismaning gewonnen; am Mittwoch, 23. Oktober, findet eine Infoveranstaltung statt.
Hellhörig wurden die Anwesenden beim Thema erneuerbare Energien. Die Planungen für den Anschluss an das vorgesehene Geothermie-Kraftwerk in Vaterstetten schreiten Rathauschef Korneder zufolge voran; für das kommende Jahr hat sich die Gemeinde die Gründung einer kommunalen Netzgesellschaft vorgenommen. 2026 könnte erstmals gebohrt werden. Der Bau der rund 40 Kilometer langen Fernleitungen, mit denen um die 1200 Anschlüsse in den drei Grasbrunner Ortsteilen verbunden werden müssten, beginne voraussichtlich 2027 und wird die Gemeinde mehr als 30 Millionen Euro kosten.
Wenige Tage vor der Bürgerversammlung war zudem bekannt geworden, dass Investoren im Wald bei Keferloh Windräder errichten wollen. Das Landratsamt prüft derzeit die Anträge. Josef Mück aus Neukeferloh etwa zeigte sich „nicht glücklich“ darüber, dass die Standorte in einem Waldgebiet liegen, und forderte ein Mitspracherecht für die Grasbrunner Bevölkerung. „Das wird es nicht geben, weil es das auch für die Gemeinde nicht gibt“, beschied ihm Korneder.
Doris Dorschner-Walleitner von der Ortsgruppe des Bundes Naturschutz stieß ins selbe Horn: Statt Windrädern im Wald wünsche sie sich Photovoltaik-Panele entlang der Autobahn. Doch laut Korneder verhinderten strenge Auflagen für den Autobahnausbau die Solaranlagen. Auf den wiederholten Wunsch nach mehr Transparenz bei der Windkraft versprach Korneder, dass es zu gegebener Zeit eine entsprechende Kommunikation vonseiten der Rathausverwaltung sowie auch Informationsveranstaltungen mit den Investoren geben werde. Dann könne auch geklärt werden, wie die Grasbrunner Bevölkerung wirtschaftlich von den Anlagen profitieren könne. Eine Möglichkeit zur Bürgerbeteiligung sei jedenfalls fest vorgesehen.

