Fußballtraining mit KIWie eine Grafinger App Amateurkicker besser machen soll

Lesezeit: 3 Min.

Mit der „mijo“-App sollen in Zukunft auch Amateurfußballer ihre Schüsse dank einer Datenanalyse verbessern können.
Mit der „mijo“-App sollen in Zukunft auch Amateurfußballer ihre Schüsse dank einer Datenanalyse verbessern können. (Foto: Thomas Schimmer)

Fußball trainieren wie die Profis, zumindest ein bisschen. Daran tüfteln die Start-up-Gründer Johannes Piller und Christoph Keil mit ihrer App „mijo“. In Grafing haben sie Fußballbegeisterte nun zu einer Torschuss-Challenge eingeladen.

Von Thomas Schimmer, Grafing

Grafings Bürgermeister Christian Bauer steht auf dem Sportplatz der Mittelschule seiner Stadt, vor ihm auf dem Rasen ein Fußball, einige Meter weiter das Tor. Bauer wartet. Dann: ein Pfiff – und der Rathauschef zielt mit voller Kraft auf den Ball. Ziemlich in der Mitte ballert er ins Tor – eigentlich hätte er jedoch rechts oben hineingehen sollen. So lautete die Vorgabe. Einigermaßen zielen und draufbolzen, das reicht nicht, um einen wirklich guten Torschuss zu schaffen. Da braucht’s schon viel diszipliniertes Training.

Damit das in Zukunft einfacher wird, haben Christoph Keil und Johannes Piller die App „mijo“ entwickelt. Das Ziel der Start-up Gründer ist es, auch im Breitensport ein besseres Training auf Basis von gesammelten Daten zu ermöglichen. Die dafür neu entwickelte Messtechnik ist nun anlässlich der jüngsten bayerischen Gründungstage in Grafing getestet worden. Stefan Pfeifer, Leiter der Fußball-Abteilung beim TSV Grafing, ist überzeugt, dass mijo sehr nützlich ist. Er hat ermöglicht, dass Piller und Keil an diesem Tag den Platz für ihren Test nutzen können. „Man sieht den Wettkampfgeist“, sagt er mit Blick auf die Kinder der D-Jugend seines Vereins – sie testen die App eifrig, immer wieder versuchen sie, ihre Highscores zu verbessern. Mijo als Motivation für die jungen Sportler.

Johannes Piller und Christoph Keil wollen hoch hinaus mit ihrem Start-up. Unterstützt werden sie dabei vom Gründerzentrum „Zamstarten“ in Grafing.
Johannes Piller und Christoph Keil wollen hoch hinaus mit ihrem Start-up. Unterstützt werden sie dabei vom Gründerzentrum „Zamstarten“ in Grafing. (Foto: Thomas Schimmer)

Um die Torschüsse der Tester mit mijo zu analysieren, benötigen die beiden App-Erfinder lediglich ein Smartphone und ein kleines Stativ. Erst wird der Abstand des Balls zum Tor gemessen, anschließend können verschiedene Parameter eingestellt werden, etwa welche Ecke das Ziel sein soll oder wie viele Versuche es gibt. Dann wird das Handy auf dem Stativ so ausgerichtet, dass Ball und Tor gleichzeitig von der Kamera erfasst werden – und schon kann’s losgehen.

Manuell oder per Sprachbefehl löst die App einen Countdown aus, an dessen Ende ein Pfiff ertönt: das Signal für den Schuss. Je näher der Spieler das anvisierte Ziel trifft, desto höher der Präzisionswert, den die App ausgibt. Auch misst sie die Geschwindigkeit, mit der der Ball in die Maschen fliegt. Daraus ergibt sich dann ein Gesamtwert, der zeigt, wie gut der Versuch wirklich war. Denn, wie auch Bürgermeister Bauer feststellen muss: Ein harter Schuss allein macht noch keinen guten Torschützen.

Zu wenig Druck allerdings auch nicht, wie der Versuch von Grafings Wirtschaftsförderin Julia Rainert zeigt. Zwar schießt sie durchaus präzise, aber die Kraft fehlt, wie die App urteilt. Rainert sitzt im Beirat des Grafinger Gründerzentrums „Zamstarten“, welches das junge Start-up unterstützt. Das Zamstarten-Team um Gaby Köhler, die an diesem Nachmittag ebenfalls gekommen ist, habe ihnen schon viel geholfen, erzählt Piller. Zum Beispiel bei praktischen Fragen wie Patentanmeldung, aber auch beim Vernetzen mit weiteren Förderern.

Einer von diesen Partnern aus der Wirtschaft ist Christoph Müller, Gesellschafter und Geschäftsführer des Grafinger Spezialisten für Simulation und Digital Engineering, „Cadfem“. Er ist auch Mitglied des Vorstands des Fördervereins von Zamstarten – die mijo-Idee empfinde er als vielversprechend, sagt er.

„Wir wollten nicht, dass alle mit ihren Ideen nach München gehen“, sagt Bürgermeister Bauer. Schließlich sei es wichtig, die umliegende Region wirtschaftlich zu stärken. So haben auch Keil und Piller, die eigentlich aus Markt Schwaben kommen, ihr Gewerbe in Grafing angemeldet. Momentan fördert Zamstarten mehr als 20 solcher jungen Unternehmen.

Auch Cadfem-Chef Christoph Müller versucht sich am Torschuss. Er unterstützt die jungen Gründer als Vorstandsmitglied des Fördervereins von Zamstarten.
Auch Cadfem-Chef Christoph Müller versucht sich am Torschuss. Er unterstützt die jungen Gründer als Vorstandsmitglied des Fördervereins von Zamstarten. (Foto: Thomas Schimmer)

Im Gegensatz zu vielen anderen Start-ups kommen die mijo-Macher nicht direkt von der Universität: Seit mehreren Jahren arbeiten sie selbständig, Keil als Foto- und Videograf, Piller als Trainer mit eigener Fußballschule. Von dieser haben sie auch den Namen für ihre App übernommen. Und was bedeutet „mijo“ eigentlich? „Was immer du willst“, antwortet Piller und lacht. Sie hätten vor allem nach etwas Kurzem, Griffigem und Geschlechtsneutralem gesucht.

Mit einem Programmierer zusammen möchten die beiden ihre App noch deutlich weiterentwickeln. So sollen Trainer ihr Team in mijo auch managen können. Die Torschuss-Analyse sei da zwar ihr Steckenpferd, aber erst der Anfang, sagt Piller. Bis sie überhaupt bei der Version angelangten, die vor wenigen Tagen in Grafing getestet wurde, war viel Fleißarbeit nötig. Monatelang mussten etwa möglichst viele Tore auf unterschiedlichen Fußballplätzen eingescannt werden, um die KI zu trainieren.

Trainiert hat scheinbar auch die Grafinger D-Jugend sehr viel, denn bei der Siegerehrung kommen fast alle auf dem Treppchen aus ihrer Mannschaft. Der Bruder von Johannes Piller, Martin Piller, ist passenderweise Fußballkommentator und verkündet die Sieger in den Kategorien schnellster Schuss, höchste Präzision und bester Gesamtwert. Der „Bomber“ mit dem stärksten Wumms schaffte ganze 112 Kilometer pro Stunde, während einer der Jungs vom TSV Grafing mit 96-prozentiger Präzision zum „Zauberfuß“ gekürt wird.

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