Gräfelfing:Warme Worte für den Eisbock

Lesezeit: 2 min

Deutsche Meisterschaft der Biersomeliers, 2021

Michael Friedrich überzeugte mit seinem emotional gehaltenen Vortrag über den Eisbock der Kulmbacher Brauerei.

(Foto: Robert Haas)

Ein Sachse gewinnt die Deutsche Meisterschaft der Biersommeliers in der Doemens Akademie

Von Michael Morosow, Gräfelfing

Wenn Biertrinker in einer K.o.-Runde gegeneinander antreten, könnte man eigentlich annehmen, dass der Beste arg betrunken aufs Podest getragen werden muss. Das mag der Fall sein, wenn das schiere Quantum, welches die Rivalen zu trinken in der Lage sind, über Sieg und Niederlage entscheidet und die Frage des Stils gänzlich unter den Biertisch fällt. Bei der Deutschen Meisterschaft der Biersommeliers am Samstag in den Räumlichkeiten der Doemens Akademie in Gräfelfing konnten die Teilnehmer freilich nicht mit Trinklaune und Standfestigkeit punkten, sondern ausschließlich mit profundem Wissen über Brauprozesse, Rohstoffkunde und die Geschichte des Bieres sowie durch die Performance und das sogenannte Storytelling zum Gerstensaft in dessen unterschiedlichen Ausführungen von Pils bis Bock. Am Ende machte zwar ein Biersommelier aus einem Freistaat das Rennen, jedoch kein Bayer, sondern ein Sachse.

Michael Friedrich aus Chemnitz stach aus dem 30-köpfigen Bewerberfeld heraus, überzeugte die Jury im Finale bei seiner Präsentation des ihm zugelosten Eisbocks der Kulmbacher Brauerei mit seinem Wissen und seinem emotional gehaltenen Vortrag, wie es in einer Pressemitteilung der Doemens Akademie heißt. Der Diplom-Braumeister zeigte sich überglücklich über den Titelgewinn, eine Bierdusche für den Sieger, wie bei Sportchampions üblich, musste er nicht über sich ergehen lassen.

"Heute war ein perfekter Tag für mich und ich bin stolz, nun zwei Jahre diesen Titel zu tragen", sagte der Geschäftsführer der Stonewood Braumanufaktur GmbH in Chemnitz. Und er wird im nächsten Jahr nach Höherem streben, haben sich doch die zehn Bestplatzierten der Deutschen Meisterschaft für die Weltmeisterschaft der Biersommeliers 2022 qualifiziert, die am 11. September im Rahmen der Drinktec, der weltweiten größten Branchenmesse im Bereich Getränke, auf dem Münchner Messegelände ausgetragen wird.

Die Konkurrenten mussten zunächst ihr Wissen bei einem Multiple-Choice-Test unter Beweis stellen und die verschiedenen Bierstile deutscher Brauereien sowie Aromen erkennen. Um die Aufgabe zu erschweren, wurde den Teilnehmern schon auch mal ein Gerstensaft mit Fehlaroma vor die Nase gestellt, zum Beispiel ein schlecht gewordenes, also gekipptes Bier mit entsprechend ranzigem Geschmack. Die zehn Besten rückten ins Halbfinale vor, wo sie ein ihnen unbekanntes Bier beschreiben mussten. Die sechs Besten, darunter auch ein "Lucky Loser", schafften dann den Einzug ins Finale, in dem Michael Friedrich mit seinem Wissen und Vortrag am meisten überzeugte. Zweiter der Meisterschaft wurde Christian Küppers, Dritte Mareike Hasenbeck. Die dreiköpfige Jury war dabei fest in Frauenhand, Hopfenhändlerin Alicia Muñoz Insa, Julia Bär von der Doemens Akademie und Nicola Buchner, Geschäftsführerin des Verbands der Diplom-Biersommeliers, zeigten sich am Ende von der hohen Qualität der Finalisten beeindruckt.

Die unterschiedlichen Aromen über die Nase zu erfassen, die Farbe über die Augen, den Geschmack über den Gaumen, das ist Übungssache, und es geht um Nuancen. Die Biersommeliers müssen aber auch über den Glasrand hinausschauen, etwa wenn sie Vorschläge zum "Foodparing" machen, also eine zum jeweiligen Bier passende Speise nennen müssen, zum Beispiel pikant gewürztes Grillfleisch zum rabenschwarzen Stout. In bayerischen Biergärten funktioniert das "Foodparing" übrigens seit jeher auch ohne Sommeliers gut: Obatzda, Wurstsalat und Brezen passen immer.

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