Kommunalwahl 2026Zwei Wege aus der Niederlage

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Uta Wüst möchte wieder in die Gräfelfinger Kommunalpolitik einsteigen.
Uta Wüst möchte wieder in die Gräfelfinger Kommunalpolitik einsteigen. (Foto: Gino Dambrowski)
  • Uta Wüst, die 2020 die Bürgermeisterwahl in Gräfelfing verlor, plant ihr Comeback und kandidiert 2026 für den Gemeinderat und Kreistag.
  • Nach ihrer Wahlniederlage zog sich Wüst aus der Öffentlichkeit zurück und brauchte Zeit, um den "starken Einschnitt" zu verdauen.
  • Gabriele Müller aus Haar verabschiedete sich nach ihrer Wahlniederlage 2020 ganz aus der Kommunalpolitik, während ihr Mann nun für das Bürgermeisteramt kandidiert.
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Gabriele Müller und Uta Wüst haben sich nach verlorener Bürgermeisterwahl 2020  aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Jetzt plant Uta Wüst in Gräfelfing ihr Comeback – und möchte wieder in der Kommunalpolitik mitmischen.

Von Annette Jäger, Gräfelfing/Haar

Bei der Kommunalwahl im März kommenden Jahres wird vermutlich der ein oder andere Bürgermeister seinen liebgewonnenen Posten räumen müssen. Was machen die abgewählten Bürgermeister und Bürgermeisterinnen dann? Oft ziehen sie sich aus der aktiven Kommunalpolitik zurück. So hat es Uta Wüst in Gräfelfing gemacht, die 2020 nach einer knappen Stichwahlentscheidung den Chefposten im Rathaus an Peter Köstler übergeben musste. So hat es auch ihre Bürgermeister-Kollegin Gabriele Müller gehalten, die Platz für Andreas Bukowski in Haar machen musste. Beide Frauen nahmen ihr Gemeinderatsmandant damals nicht an. Doch nun gibt es eine Rückkehrerin: Nach sechs Jahren Pause möchte Uta Wüst wieder mitmischen.

Wer die Bürgerversammlung in Gräfelfing im November besuchte, konnte erahnen, dass die ehemalige Bürgermeisterin der Interessengemeinschaft Gartenstadt Gräfelfing (IGG) wieder mit lauterer Stimme in der Kommunalpolitik mitreden will. Durchaus provokativ fragte Uta Wüst ihren Nachfolger Köstler von der CSU, warum es mit den ganzen Baustellen in Gräfelfing so lange dauere. Sie hätte gedacht, in knapp sechs Jahren müsste man da schon weiter sein. Die Antwort hätte sie sich eigentlich selbst geben können.  Als Rathaus-Chefin sah sich Wüst stellenweise selbst dem Vorwurf ausgesetzt, dass sich Projekte zu lange zögen. Die Frage signalisierte ganz klar: Die Ex-Bürgermeisterin blickt jetzt aus anderer Perspektive auf die politische Arbeit.

Bei ihrer Gruppierung steht Uta Wüst prominent platziert auf Listenplatz zwei für den Gemeinderat und auch für den Kreistag kandidiert sie auf der Liste der neu gegründeten Unabhängigen Bürgergemeinschaft München-Land. Der vordere Listenplatz bei der IGG, gleich hinter Bürgermeisterkandidat Mathias Pollok, sei eine „strategische“ Entscheidung gewesen, um möglichst viele Stimmen für das unabhängige Bürgerforum zu gewinnen, sagt Wüst. Sie ist ein bekanntes Gesicht in Gräfelfing. Aktuell besetzt die Gruppierung fünf Sitze im Gemeinderat.

Ein Gemeinderatsmandat erschien ihr nicht immer verlockend. Nach der Niederlage 2020 nahm sie es im ersten Impuls nicht an, wenige Tage später wollte sie ihre Entscheidung revidieren, durfte es aber aus formalen Gründen nicht mehr. Ob sie ihre spontane Entscheidung bereut hat? „Ja und nein“, sagt Wüst. Ja, weil sie ihre Fraktion gerne unterstützt hätte. Nein, weil sie sich nicht vorstellen konnte, als abgewählte Bürgermeisterin den Stuhl zu wechseln und fortan als Gemeinderätin am Ende „leicht besserwisserisch“ rüberzukommen. Jetzt habe sie mehr Abstand zum Amt des Bürgermeisters, sagt sie, „das passt jetzt besser“. So der Wählerwille es zulässt, will sie künftig auch auf Kreisebene mitreden. Viele Entscheidungen im Kreistag wirkten sich auf die Kommunen aus, sei es der Hebesatz der Kreisumlage oder die Gestaltung des öffentlichen Nahverkehrs, sagt Wüst.

Der Abstand zu der Zeit als Bürgermeisterin sei nötig, die überraschende Wahlniederlage doch ein „starker Einschnitt“ gewesen, sagt Wüst. Sie habe lange gebraucht, um das zu verdauen. An der persönlichen Niederlage hing auch von jetzt auf sofort eine berufliche Neuorientierung, mitten in der Corona-Hochphase. Wüst, studierte Stadtgeografin, hatte vor dem Bürgermeisterinnenamt als selbständige Immobilienmaklerin für denkmalgeschützte Häuser gearbeitet. Sie fand schließlich einen Job bei der Münchner Gesellschaft für Stadterneuerung, dort ist sie Abteilungsleiterin.

Gabriele Müller und ihr Vorgänger, Altbürgermeister Helmut Dworzak, vor sechs Jahren bei der Vereeidigung ihres Nachfolgers im Bürgermeisteramt, Andreas Bukowski. 
Gabriele Müller und ihr Vorgänger, Altbürgermeister Helmut Dworzak, vor sechs Jahren bei der Vereeidigung ihres Nachfolgers im Bürgermeisteramt, Andreas Bukowski.  (Foto: Claus Schunk)

Wüst zog sich nach der verlorenen Wahl 2020 nie ganz aus der Kommunalpolitik zurück, es war eher ein Rückzug aus der Öffentlichkeit. Kurz nach der Wahl wurde sie zur IGG-Vorsitzenden gewählt. Jetzt will sie wieder am Ort mitgestalten und sich einbringen „und die Chance kriegt man halt immer nur alle sechs Jahre“, begründete sie ihre Kandidatur. Es wäre ihr Debüt als Gemeinderätin.

Für Ex-Bürgermeisterin Gabriele Müller in Haar markierte die überraschende Wahlniederlage 2020 den Abschied aus der Kommunalpolitik, in der sie schon vor ihrem Amt als Bürgermeisterin aktiv gewesen war. Müller war seit 2000 Gemeinderätin und wurde 2006 Zweite Bürgermeisterin. Auch sie brauchte, wie Wüst, nach dem enttäuschenden Wahlausgang 2020 Abstand zur Politik und ließ damals anklingen, wieder als Lehrerin arbeiten zu wollen. Ihr Amt als Vorsitzende der Volkshochschule in Haar bekleidet sie bis heute. Anders als Wüst scheint sie jedoch kein kommunalpolitisches Comeback zu planen. Dagegen kandidiert jetzt ihr Mann, Peter Schießl, der 2020 in den Gemeinderat, heute Stadtrat, gewählt wurde, für das Amt des Bürgermeisters in Haar. Über diese Koinzidenz wie auch die vergangene Wahl wollte das Paar jedoch nicht mit der SZ sprechen.

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