Süddeutsche Zeitung

Interview:"Klanglich ist das hier eher eine Studioatmosphäre"

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Mit einem Konzert am Sonntag wird das 50. "Dienstjubiläum" der Steinmeyerorgel in St. Stefan in Gräfelfing gefeiert. Kirchenmusiker Burkhard Kuttig erklärt, was das Besondere an dem Instrument ist.

Interview von Annette Jäger; , Gräfelfing

Burkhard Kuttig ist seit 41 Jahren Kirchenmusiker der Pfarrgemeinde St. Stefan in Gräfelfing und genau so lange spielt er schon auf der Steinmeyerorgel in der Pfarrkirche. Jetzt feiert die Orgel ihr 50. Dienstjubiläum - am 24. September 1972 wurde sie eingeweiht. Anlass genug, einen versierten Orgelexperten in die Kirche zu bitten: Am Sonntag, 25. September, gibt Martin Sander, Professor für Orgel an der Münchner Hochschule für Musik und Theater, ein Jubiläumskonzert um 17 Uhr. Burkhard Kuttig erzählt im Interview, was die Orgel in St. Stefan ausmacht und warum sie manchmal klingt wie im Tonstudio.

SZ: Herr Kuttig, die Steinmeyerorgel begleitet Sie durch Ihr Berufsleben, keiner kennt das Instrument besser als Sie. Womit haben wir es bei dieser Orgel zu tun?

Burkhard Kuttig: Die Kirche wurde im November 1971 eingeweiht, 1972 kam die Orgel dazu. Es ist ein Instrument der Gebrüder Steinmeyer mit etwa 2100 Pfeifen, eine übliche Größe für den liturgischen Gebrauch. Sie hat 25 Register - ein Register ist immer eine Reihe von Pfeifen gleicher Klangfarbe. Die Orgel ist in vier Werke aufgeteilt, für jedes gibt es eine Klaviatur: drei für die Hände, eine für die Füße. Sie wird rein mechanisch bespielt. Die Firma Steinmeyer war damals eine bekannte Orgelfirma, auch in den Münchner Kirchen St. Lukas und St. Markus gibt es Steinmeyerorgeln. Unsere in Gräfelfing ist das Opus 2262 der Firma. Durch Intonation wurde die Klangfarbe der einzelnen Pfeifen und die Klangstärke genau an den Kirchenraum von St. Stefan angepasst.

Eine ideal auf die Kirche abgestimmte Orgel also?

Naja, ein paar Widrigkeiten gibt es schon. Ursprünglich waren die Pfeifen sichtbar, das war ein Wunsch des Kirchenarchitekten. Die Orgel steht aber direkt im Fensterspitz der Kirche und ist der Sonnenstrahlung ausgesetzt. So hat sie sich immer wieder verstimmt, vor allem bei extremen Temperaturschwankungen. Erst 1992 hat sie endlich ein Gehäuse erhalten. Seitdem ist es besser. Leider ist die Akustik in der Kirche grundsätzlich dürftig. Es gibt keinen Nachhall. Das liegt an der Deckenkonstruktion, die schluckt den Schall. Klanglich ist das hier eher eine Studioatmosphäre.

Was ist das Besondere an der Orgel?

Da sie rein mechanisch ist, hat sie keinerlei Spielhilfen. Man kann also keine Registerkombinationen voreinstellen, die man dann beim Spielen abrufen könnte - bei ganz modernen Orgeln geht das per Knopfdruck. Man muss an unserer Orgel während des Spiels von Hand registrieren, das ist sehr komplex. Am besten spielt man Werke, bei denen das auch möglich ist - Klassik und Barock etwa. Sonst braucht man einen Registranten, der während des Spiels das Registrieren übernimmt.

Welches Konzert erwartet die Zuhörer am Sonntag?

Professor Martin Sander ist erst seit 2021 in München und hat hier noch nicht so viele Konzerte gegeben, deshalb freuen wir uns besonders, dass er zu uns kommt. Er fängt an mit einem großen Werk von Bach, dem Großmeister der Orgelmusik, und spielt seine Toccata, Adagio und Fuge C-Dur. Es werden auch Werke vom Bach-Sohn Carl-Philipp, von Gottfried Homilius, Robert Schumann und August Ritter zu hören sein. Professor Sander spannt also den Bogen von Bach bis in die Romantik - ich werde als Registrant behilflich sein. Auf den Ritter freue ich mich besonders, den kenne ich noch nicht.

Wie sieht die Zukunft der Orgel aus? Hält sie noch 50 Jahre?

Wenn sie richtig gepflegt wird, hält sie ewig. Ich gehe im Februar 2023 in Rente und wir suchen noch einen Nachfolger - der kann sich ja dann dafür einsetzen, dass die Kirche durch Sanierung der Decke eine bessere Akustik erhält. Mir ist das leider nicht gelungen.

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