Bei der Tunnelsanierung auf der Lindauer Autobahn A96 im Bereich Gräfelfing ist Halbzeit erreicht. Voraussichtlich Ende dieser Woche wird die sanierte Tunnelröhre auf der Fahrbahnseite in Richtung München wieder für den Verkehr geöffnet. Anschließend beginnt die Sanierung der zweiten Röhre. Autofahrer müssen sich auf eine geänderte Verkehrsführung einstellen und während der etwa zehntägigen Umbauphase auch auf Stau.
Rund zwei Jahre hat die Sanierung der ersten Tunnelröhre gedauert. Dafür wurde sie komplett gesperrt. Seitdem wird der Verkehr über die andere Fahrbahn geführt. Es gilt dabei ein wechselndes Spurkonzept: Wegen des großen Fahrzeugaufkommens auf der Lindauer Autobahn – vor allem im Berufsverkehr – führen morgens drei Spuren nach München und nur eine in Richtung Lindau. Am Nachmittag wird das Verhältnis umgekehrt. Dieses System wird jetzt auf die andere Straßenseite verlagert, damit die zweite Tunnelröhre saniert werden kann.
Der rund 280 Meter lange Tunnel im Bereich Gräfelfing wurde Anfang der 1970er-Jahre eröffnet. Wie Katharina Werther, Sprecherin der Autobahn GmbH Niederlassung Südbayern, erklärt, war er als reine Lärmschutzmaßnahme für das angrenzende Wohngebiet konzipiert und damals ein Pilotprojekt.
Wegen starker Korrosionsschäden müssen beide Tunnelröhren saniert werden. Die Fahrzeuge hätten über Jahrzehnte hinweg im Winter Streusalz in den Tunnel getragen, das sich wie eine „Salzgischt“ an den Wänden und vor allem der Decke abgelagert und Schäden verursacht habe, erklärte Michael Kordon, Direktor der Autobahn-Niederlassung, bei einem Ortstermin am Freitag. Deshalb wurden die Deckenbeschichtung abgetragen und ein neuer Korrosionsschutz sowie eine neue Spritzbetonschicht aufgetragen. Zugleich wurde der Tunnel mit stromsparenden LED-Lampen ausgestattet.

Die Gemeinde Gräfelfing hat die Tunnelarbeiten genutzt und den Lärmschutz für die Anwohner weiter verbessert. In der über dem Tunnel verlaufenden Maria-Eich-Straße wurde eine Lärmschutzwand mit transparenten Glaselementen installiert. Auch seitlich am Tunneleingang wurde eine Lücke zu bereits bestehenden Lärmschutzwänden entlang der Autobahn mit zusätzlichen Wandelementen geschlossen. Ähnliche Arbeiten sollen im Zuge der Sanierung der zweiten Röhre im September auch auf der anderen Autobahnseite erfolgen.

Einen Wermutstropfen gibt es allerdings. Die neue Lärmschutzwand an der Maria-Eich-Straße war bereits nach einer Woche großflächig mit Graffiti besprüht. Laut Werther sei eine „aggressive Szene unterwegs“, die immer wieder Verkehrseinrichtungen mit Graffiti verziere, häufig mit Farben und Symbolen bekannter Fußballklubs. Für die Autobahn GmbH sei die Entfernung aufwendig und kostspielig, zum Teil entstünden Kosten im niedrigen fünfstelligen Bereich. Alle Graffitis würden bei der Polizei angezeigt.

