Die Nachricht hat sich wie ein Lauffeuer im Würmtal verbreitet: Die beiden Buchhandlungen Kohler in Gräfelfing und Planegg haben überraschend ihre Läden in den jeweiligen Bahnhofstraßen der Ortschaften geschlossen. Am vergangenen Samstag war der letzte Öffnungstag. Zwar ist nur von einer „vorübergehenden“ Schließung die Rede – so viel verrät ein Schild an der Tür, doch wie es weitergeht für die beiden Läden ist offen. Gewiss ist nur, dass ein Insolvenzverfahren ansteht.
Erst am Freitagabend wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der beiden Buchhandlungen über die Schließungen informiert, sagte Wolfgang Kohler zur SZ. Ihm gehören die beiden Buchhandlungen in Planegg und Gräfelfing, einen dritten Laden unter demselben Namen gibt es in Wunsiedel, er ist das Stammhaus der beiden Würmtal-Filialen. In Wunsiedel betreibt Wolfgang Kohler nach eigenen Angaben in der vierten Generation seit 1862 Buchhandel. Der jetzige Schritt sei schmerzlich, es gehe ihm „mehr als bescheiden“, sagte er. Bis Freitag habe er Gespräche mit den Banken über ein mögliches „Fortführungskonzept“ geführt, aber „das ist gescheitert“.

In den vergangenen Jahren habe es kontinuierlich Umsatzrückgänge in allen drei Buchläden gegeben, sagte Kohler. Die Kaufzurückhaltung der Kunden sei spürbar. Angesichts allgemein steigender Preise seien die Leute deutlich „gehemmter beim Konsum“. Er habe Wochen und Monate um eine Lösung gekämpft, jedoch erfolglos. „Mir sind finanziell die Hände gebunden, ich musste die Reißleine ziehen“, sagte er über die Schließungen. Allen drei Läden stehe ein Insolvenzverfahren bevor. Er setze sich dafür ein, Lösungen für einzelne Standorte zu finden. Doch ob das gelinge, sei offen.
Nicht nur steigende Preise macht der Buchhändler als Grund für die Umsatzeinbrüche aus. Es sei eher ein „Bündel an Faktoren.“ Ein Baustein sei auch die langwierige Baustelle, mit der die Gräfelfinger Filiale zu kämpfen gehabt habe. Die Renovierung des Bürgerhauses habe auch die Buchhandlung, die im selben Gebäudekomplex untergebracht ist, getroffen. Seit Sommer sei dort die Laufkundschaft weggebrochen, „wir waren gar nicht mehr sichtbar“, meinte Kohler. Nicht zuletzt leide der Buchverkauf auch am veränderten Freizeitverhalten der Menschen, die nicht mehr so viel lesen würden. Vor allem die Älteren seien es, die noch Bücher kauften. Aber „die Kunden versterben, da kommt keiner mehr in der Qualität nach“, meinte Kohler nüchtern.

Belesene und treue Kundschaft
Vor allem im Würmtal habe man es mit besonders belesener und treuer Kundschaft zu tun. Sie hätten die Buchhandlungen über eine lange Zeit „gerettet“. An einem anderen Standort hätte er schon früher Schluss machen müssen, vermutet er. Der Buchhandel hat im Würmtal an beiden Standorten Tradition, Kohler übernahm die Läden 2001 von Wolfgang Pollner, der dort jahrzehntelang Bücher verkaufte.
Eigentlich sollten die Filialen schon am Samstag nicht mehr öffnen. Doch die Mitarbeiter hätten sich Kohler zufolge noch von ihren Kunden verabschieden wollen, die sich überrascht und zuweilen entsetzt zeigten und auch auf Social-Media-Kanälen ihr Bedauern äußerten. Bald gebe es mehr Informationen, versprach Kohler, auch, was mit noch offenen Gutscheinen geschehe. Doch „im Moment steht erst mal alles still“.

