Mirok LiSpäte Heimkehr eines Nationalhelden

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Besuch am leeren Grab: Generalkonsul Koh Kyungsok, Ministerium-Vertreter Oh Jinyoung und Bürgermeister Peter Köstler (von links).
Besuch am leeren Grab: Generalkonsul Koh Kyungsok, Ministerium-Vertreter Oh Jinyoung und Bürgermeister Peter Köstler (von links). Catherina Hess

Der koreanische Schriftsteller Mirok Li lebte 30 Jahre lang im Exil in Gräfelfing und war mit dem Widerstandskämpfer Kurt Huber befreundet. Jetzt werden seine sterblichen Überreste nach Südkorea überführt. Denn dort wird er als Kämpfer für die Unabhängigkeit verehrt.

Von Annette Jäger, Gräfelfing

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Nun kehrt er doch noch in seine Heimat zurück. Der in Deutschland unter dem Namen Mirok Li bekannte koreanische Dichter lebte fast 30 Jahre lang in Gräfelfing im Exil. Seine Heimat sah er nach seiner Flucht bis zu seinem Tod im Jahr 1950 nie wieder. Seitdem war der Schriftsteller, der in der Republik Korea als Nationalheld und Kämpfer für die Unabhängigkeit von der japanischen Kolonialherrschaft gefeiert wird, auf dem Gräfelfinger Friedhof begraben. Jetzt wurden seine sterblichen Überreste exhumiert, um sie nach Südkorea zu überführen. Am Donnerstag fand dazu eine Zeremonie in der Aussegnungshalle in Gräfelfing statt.

Die Rückführung der Urne ist in Südkorea von großer Bedeutung und eine Staatsangelegenheit. Eine Delegation des Ministeriums für Veteranen- und Patriotenangelegenheiten war extra aus Südkorea angereist, der Generalkonsul der Republik Korea, Koh Kyungsok, war aus Frankfurt gekommen. Ebenso gehörte die Großnichte des Dichters, Lee Ju-Eun, zur Delegation, sie hatte die Rückführung der sterblichen Überreste ihres Großonkels mit veranlasst.

Der Akt ist kein Einzelfall. Die Republik Korea hat bislang fast 150 solcher Rückführungen von in der Republik verehrten Freiheitskämpfern aus aller Welt durchgeführt, erklärte Oh Jinyoung, Vertreter des Ministeriums, in seiner Ansprache. Ein Anlass sei der 80. Jahrestag der Befreiung von der japanischen Besatzungsmacht, den Südkorea im Jahr 2025 feiert. Die Urne von Mirok Li wird, wie andere Nationalhelden, auf dem Nationalfriedhof bei Seoul bestattet. Mirok Li, der mit bürgerlichem Namen I Ui-gyeong hieß, floh 1919 als Student nach der Beteiligung an einem landesweiten Aufstand gegen die japanische Besatzungsmacht über China und Frankreich nach Deutschland. Vom Exil aus hat er sich weiter für die Unabhängigkeit Koreas eingesetzt.

Mirok Li wird auch in Deutschland verehrt, hier hat sich die Mirok-Li-Gedächtnisgesellschaft der Erinnerung an den Schriftsteller verschrieben. Jedes Jahr fand bisher eine Zeremonie auf dem Gräfelfinger Friedhof statt. Vertreter der Gesellschaft, die in München ihren Sitz hat und die es auch in Korea gibt, waren aus beiden Ländern am Donnerstag bei der Zeremonie vertreten. Von seinen Anhängern wird der Dichter vor allem auch in seiner Rolle als Brückenbauer zwischen den Kulturen verehrt.

Bei der Gedenkzeremonie zur Überführung der sterblichen Überreste war ein Bild von Mirok Li aufgestellt.
Bei der Gedenkzeremonie zur Überführung der sterblichen Überreste war ein Bild von Mirok Li aufgestellt. Catherina Hess

Schon während seines Studiums – zuerst Medizin, dann wechselte er zu Botanik, Anthropologie und Zoologie und promovierte auch – begann er zu schreiben und verfasste zahlreiche koreanische Erzählungen in deutscher Sprache. In seinem autobiografischen Werk „Der Yalu fließt“ verarbeitet er Kindheitserinnerungen unter japanische Kolonialherrschaft. Das Werk gilt als Höhepunkt seines schriftstellerischen Schaffens. Der Roman erschien zuerst 1946 und machte ihn auch in seiner Heimat bekannt. Seit den 1970er Jahren verlegt der Eos Verlag in St. Ottilien bei Geltendorf die Werke von Mirok Li. In vier Bänden ist sein literarisches Werk zusammengefasst, eine „schmales, aber wichtiges“ Vermächtnis, sagte Pater Cyrill Schäfer, Verlagsleiter und Mitglied der Benediktinerabtei St. Ottilien, in seiner Ansprache.

„Ein mutiges Herz und aufrichtige Freundschaft haben die Kraft, Kulturen zu verbinden“

„Ein mutiges Herz und aufrichtige Freundschaft haben die Kraft, Kulturen zu verbinden“, sagte Bürgermeister Peter Köstler (CSU) bei der Zeremonie. Freundschaftlich war Mirok Li tatsächlich in Gräfelfing verbunden. An der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität lernte er den Kunsthistoriker Alfred Seyler kennen, der ihn mit zu sich nach Hause, nach Gräfelfing, nahm und ihn bei sich wohnen ließ. Über Seyler, der im Gelehrtenkreis der Gräfelfinger Waldkolonie verkehrte, lernte Mirok Li Professor Kurt Huber kennen. Beide sollen freundschaftlich verbunden gewesen sein, bis Huber, der auch Mitglied der Widerstandsgruppe Weiße Rose war, 1943 von den Nazis hingerichtet wurde. An beide Männer, die sich in ihrer jeweiligen Heimat für Freiheit einsetzten, erinnern zwei Gedenktafeln in Gräfelfing, in der Professor-Kurt-Huber-Straße.

Die Urne von Mirok Li wird planmäßig am Samstag, 15 Uhr Ortszeit Seoul, auf dem Flughafen in einer feierlichen Zeremonie unter anderem von Vertretern des Veteranenministeriums in Empfang genommen, berichtete Park Hee Seok von der Mirok-Li-Gedächtnisgesellschaft in München, am Rande der Zeremonie. Hier verfolgen die Mitglieder der Gesellschaft die Rückführung mit ein wenig „Wehmut“, so Park. Mirok Li sei ein Vorbild, man identifiziere sich stark mit ihm. Die ehemalige Grabstätte bleibt als Erinnerungsort auf dem Gräfelfinger Friedhof bestehen. Die Gedächtnisgesellschaft will sich künftig der Kulturvermittlung zwischen Ostasien und Deutschland widmen.

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