Wenn Kulturfestival in Gräfelfing ist, hat Simon Zilker einen Lieblingsplatz: ganz oben auf dem Hügel im Paul-Diehl-Park. Von dort hat er das ganze Spektakel im Blick – die große Bühne am Fuße des Hügels, das Zirkuszelt, das DJ-Zelt und das Weinzelt, die Buden, den Biergarten und das ganze Treiben drum herum. Mit seiner Vorliebe ist der Vorsitzende des Kulturfestivalvereins nicht ganz alleine. Wenn am kommenden langen Wochenende das legendäre Festival wieder steigt, versammeln sich nach Schätzung der Veranstalter bis zu 5000 Menschen auf dem Hügel und sie alle werden bestätigen: Es ist einfach der beste Platz.
Mitten auf der grünen Wiese im Park ersteht alle zwei Jahre das Kulturfestival wieder auf, und das seit 1978. Es ist damit wohl Bayerns ältestes kostenloses Open-Air-Festival, das an den vier Festivaltagen – dieses Jahr von Donnerstag, 30. Juli, bis Sonntag, 2. August – bis zu 40 000 Besucher anzieht. Sie alle pilgern in den Park, um auf vier Bühnen 30 Bands zu erleben und um viele alte Bekannte zu treffen, denn das Festival genießt auch den Ruf, ein großes Klassentreffen der Würmtaler zu sein.
Zu seiner Besonderheit zählt, dass es alle Altersgruppen einschließt. Bei der Musikauswahl schlagen die Organisatoren den Bogen von Klassik bis Techno. Für Kinder gibt es ein Programm vom Kreisjugendring, aber auch jedes Jahr den beliebten Auftritt des Original-Wiener Praterkasperls, der laut Zilker tatsächlich aus Wien anreist, um sein Kasperltheater in Gräfelfing zu inszenieren.
Immer neue Bands zu bieten, das sei der Anspruch bei der Musikauswahl, betont der Chef-Organisator. Besucher seien eingeladen, musikalisches Neuland zu betreten und Künstler zu entdecken. Ein paar Highlights aus dem Programm: Zum Auftakt am Donnerstag lädt DJ Mr Brown, der seit 1967 Funk und Soul auflegt und viele Jahre in US-Kasernen gespielt hat, auf der großen Open-Air-Bühne gleich mal zum Tanzen ein. Im Zirkuszelt am selben Abend (20 Uhr) tritt das Ensemble Quadro Nuevo auf, das mit seiner „World Music“ schon viele Preise erhalten hat. Für Zilker zählt auch Florian Fox zu den Höhepunkten. Der Musiker gelte als der „Schweizer der Stunde“ und gewinne Fans mit seinem „Neo-Traditional-Country-Stil“.
Am Samstag gehört um 20.30 Uhr die große Open-Air-Bühne Udo West mit einem Mix aus Pop und Funk mit deutschen Texten – „fette Drums, Synth-Sounds und sehr viel Energie“ versprechen die Festivalveranstalter. Auch ein Besuch im DJ-Zelt soll sich lohnen: Vor vier Jahren haben die Festival-Organisatoren mal etwas Neues gewagt und mit dem DJ-Zelt eine vierte Bühne eröffnet. Das sei so gut angekommen, dass das Zelt dieses Jahr noch größer ist und erstmals eine eigene Bar hat, wie Zilker verspricht. Hier treten dieses Jahr acht DJs auf und halten das Publikum in Bewegung, zuweilen bis nach Mitternacht.
Besucher schwärmen immer wieder vom besonderen Flair des Gräfelfinger Festivals. Mit ein Grund dafür mag die idyllische Atmosphäre mitten im Park sein. Möglicherweise aber auch die Tatsache, dass hier niemand Profit machen will. Das Festival finanziert sich alleine aus Spenden und dem Verkauf von Getränken und Essen, dazu gibt es finanzielle Unterstützung der Gemeinde Gräfelfing. Zudem ist das Kulturfestival rein ehrenamtlich organisiert. Mehr als 200 Helfer bauen alle zwei Jahre eine komplette Infrastruktur in den Park, mit Wasserleitungen, Stromanschlüssen, Zelten, Buden, Kühlschränken, Grills und Sanitäranlagen. Dieses Jahr sei die Unterstützung besonders groß gewesen, sagt Zilker.
Schon nach dem vergangenen Festival hätten sich viele junge Leute gemeldet, die helfen wollten, die Party dieses Jahr auf die Beine zu stellen. Erstmals gibt es einen Dokumentarfilm, der einen Blick hinter die Kulissen gewährt. „Wir sind das Kult“ des Filmemachers und ehrenamtlichen Helfers Julian Kraemer hat am Donnerstag, 30. Juli, um 17 Uhr auf Youtube Premiere. Das komplette Festival-Programm findet sich unter www.kulturfestival.de


