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Gräfelfing/Haar:Kieswerk Glück sucht neue Abbaugebiete

Dem Kieswerk Glück, hier Geschäftsleiter Markus Wahl, geht langsam aber sicher der Kies aus.

(Foto: Catherina Hess)

Die Mengen im Forst Kasten und im Martinsrieder Feld reichen noch für etwa sieben Jahre

Glück ist ein Reizwort im Würmtal. Es ist der Name eines der größten Kieswerke in Bayern, das seit mehr als 80 Jahren seinen Sitz in Gräfelfing hat: die Bernhard Glück Kies-Sand-Hartsteinsplitt GmbH. Viele Umweltschützer und Anwohner in Gräfelfing, Planegg und Neuried verbinden den Namen vor allem mit gerodeten Waldflächen, mit Zerstörung von Naturraum und belastendem Lkw-Verkehr. Auch in Haar ist die Firma Glück Insidern wenigstens bekannt - gehört doch das Quetschwerk Mühlhauser und Sohn zur Unternehmensgruppe. Die Probleme, die man im Würmtal beklagt, kennt man vom Kiesabbau in Salmdorf.

Während in Haar derzeit die Proteste weniger laut zu hören sind, hat sich in den vergangenen Wochen im Würmtal massiver Widerstand gegen den Kiesabbau formiert, eine neue Bürgerinitiative ist daraus hervorgegangen. Der Grund: neue Abbaugebiete sollen erschlossen werden. Die Neuerschließung macht nicht nur den Protestierenden Sorge, auch der Firma Glück selbst, aus einem anderen Grund.

Markus Wahl, Geschäftsführer, empfängt im Firmensitz. Es ist der Besuch bei einem Unternehmen, das um seine Zukunft ringt. Der Bauboom in München und Umgebung hat ein Gerangel um den wertvollen Rohstoff Kies ausgelöst, "der Bedarf an Kies ist signifikant gewachsen", sagt Wahl. Würde die Firma alle Anfragen bedienen - darunter große Mengen Kies für die zweite S-Bahn-Stammstrecke - wären sämtliche Kiesvorräte in den Abbaugebieten im Forst Kasten und im Martinsrieder Feld in drei Jahren ausgeschöpft. Weil die Firma bei ihrer Fördermenge von 800 000 Tonnen pro Jahr bleiben will, reicht der Vorrat noch für sieben Jahre, dann ist Schluss.

Ähnlich geht es den Kieswerken rund um München, sagt Wahl. Sie alle treibe die Sorge um die Rohstoffsicherheit um. Kies gibt es mehr als genug, aber die Sicherung des Rohstoffes sei "signifikant schwer" geworden. Die Genehmigungsverfahren seien langwierig. Kurze Transportwege seien das Ziel, doch Land- und Forstwirte zögerten, Flächen zur Verfügung stellen. Und die zunehmende bauliche Verdichtung führt zu wachsenden Konflikten mit der Bevölkerung, wie etwa auch in Haar.

Vor diesem Hintergrund erklärt sich das Gerangel um Kies in den Wäldern rund um die Würmtalgemeinden. Seit Jahrzehnten baut die Firma Glück im Forst Kasten bei Neuried Kies ab, über ein fünf Kilometer langes unterirdisches Förderband wird der Rohstoff direkt ins Werk geliefert. Jetzt hat die Heiliggeistspital-Stiftung, Eigentümerin des Waldes, ein neues Abbaugebiet europaweit ausgeschrieben. Die Firma Glück ist davon ausgeschlossen, es gibt Besonderheiten im Ausschreibungsverfahren, die für die Firma nicht erfüllbar sind. Diese hat nun den Blick aufs Planegger Holz gerichtet, auch Dickwiese genannt. Das Waldgebiet ist im Eigentum von Baron Philipp Freiherr von Hirsch und liegt westlich von Planegg nahe der A 96. Die vorgesehene Abbau- und Verfüllungsfläche hat einen Umfang von 24,4 Hektar, wo 5,85 Millionen Tonnen verwertbares Substrat lagern, was Abbau für 13 Jahre sichern würde. Noch ist offen, ob die Dickwiese für die Firma Glück in Frage kommt.

© SZ vom 08.07.2019
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