Zukunft ohne fossile BrennstoffeVorreiter der Energiewende

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Mitglied im Team Energiewende: der Gräfelfinger Unternehmer Bernd Vogl.
Mitglied im Team Energiewende: der Gräfelfinger Unternehmer Bernd Vogl. (Foto: Robert Haas)

Der Gräfelfinger Ingenieur und Unternehmer Bernd Vogl will die Produktion von Wärme aus regenerativen Energiequellen voranbringen. Dafür hat er viele Ideen.

Von Annette Jäger, Gräfelfing

Früher hat Bernd Vogl schnelle Autos für privilegierte Menschen entwickelt. Das interessiert ihn nicht mehr. Wenn seine Kinder ihn eines Tages fragen, was er getan hat, will er eine andere Geschichte erzählen. Er will antworten können, dass er einen Beitrag für ihre Zukunft geleistet hat.

Vor Kurzem ist das von ihm gegründete Unternehmen Goodmen Energy GmbH mit Sitz in Gräfelfing zum Unterstützer im Team Energiewende Bayern ernannt worden, ein Kreis, der vom bayerischen Wirtschaftsministerium vor fünf Jahren ins Leben gerufen wurde. Den Titel erhalten unter anderem Unternehmen, die eine Vorreiterrolle bei der Energiewende einnehmen. Diese Episode könnte mal Teil der Geschichte werden, die Bernd Vogl seinen Kindern erzählt.

Vogl ist promovierter Ingenieur und brennt für die Energiewende. „Das Thema muss griffig werden“, sagt er, „raus aus der Theorie“. Deshalb gibt es die Firma Goodmen Energy, sie gehört zum praktischen Teil der Energiewende. Das Unternehmen hat sich auf die Planung und Realisierung von Wärme- und Kälteversorgung aus regenerativen Quellen spezialisiert.

Vereinfacht gesagt: Wenn zum Beispiel eine Kommune bisher mit Öl oder Gas ihre Schulen, Kitas und das Rathaus geheizt hat, suchen die Ingenieure und Physikerinnen der Firma – der Frauenanteil liegt bei 45 Prozent – eine regenerative Lösung, bei der oft verschiedene Energiequellen kombiniert werden.

Vogl nennt das „Multiquellensysteme“: Man bedient sich aus einem Baukasten voll regenerativer Energiesysteme und kombiniert sie passend für den jeweiligen Standort. „Regenerative Energiequellen verstehen und umsetzen“, sei die Expertise des Unternehmens.

Ihr Wissen teilt die 2020 gegründete Firma, die inzwischen 30 Mitarbeitende zählt und auch Standorte in Düsseldorf, Hamburg und demnächst in Augsburg betreibt, mit anderen. „Ich beschäftige mich nicht mit Wettbewerb. Synergie ist die Aufgabe“, sagt Vogl. Er hält Fachvorträge über die Wärmewende an Hochschulen, die Firma beteiligt sich an Fachforen und Kongressen. Dafür gibt es kein Geld, aber das Engagement hat dazu beigetragen, Unterstützer im Team Energiewende zu werden. Unter anderem wurde auch die Bürger Energie Genossenschaft Freisinger Land aufgenommen.

Im Team sind noch andere an die 100 Mitstreiter, darunter Unternehmen, Kommunen, Verbände, Bildungs- und Forschungseinrichtungen, die sich in Augen des Wirtschaftsministeriums aktiv für die Energiewende einsetzen.

Das sollen sie jetzt auch weiter tun: Wissen weitergeben, als Multiplikatoren agieren, Veranstaltungen anbieten, neue Ideen einbringen. Es ist quasi ein Ehrenamt, die Unterstützer profitieren im Gegenzug von dem Netzwerk, das der Kreis eben auch ist. „Da werde ich hellhörig“, sagt Vogl.

Grün im Büro, grün vor dem Fenster: Mitarbeiter der Firma Goodmen Energy im Büro in Untergiesing.
Grün im Büro, grün vor dem Fenster: Mitarbeiter der Firma Goodmen Energy im Büro in Untergiesing. (Foto: Robert Haas)

Für Netzwerke hat er eine Leidenschaft, denn da kommen „Puzzlestücke“ zusammen. In diesem Fall alle, die etwas zur Energiewende beitragen können: andere Unternehmen, mögliche Kooperationspartner wie Energiedienstleister und natürlich auch potenzielle Kunden, wie etwa Kommunen. So könnte der Unterstützerkreis eine Katalysatorwirkung haben: Möglichkeiten sichtbar machen, andere zum Mitmachen bewegen und Prozesse beschleunigen.

Wer bei Goodmen Energy arbeiten will, muss die Energiewende wirklich wollen. Die „intrinsische Motivation“ wie Vogel es nennt, ist in der Firma als Selbstverpflichtung verankert, aber auch im Firmennamen: Goodmen bedeutet für Vogl „gute Menschen“, soll heißen: hier wird über den wirtschaftlichen Zweck hinaus ein Beitrag für die Gesellschaft geleistet.

Auch der Arbeitsort trägt dem Selbstverständnis Rechnung. Die Mitarbeitenden sind inzwischen in Büros in die Kraemer'sche Kunstmühle am Auer Mühlbach nach Untergiesing umgezogen, der Firmensitz in Gräfelfing ist geblieben. In der Mühle wird Strom aus eigener Wasserkraft erzeugt, geheizt wird mit einer Pelletheizung.

Die Energiewende ist für Vogl Überzeugungsarbeit. Denn alles ist schon da: Wind, Wasser, Sonne, Boden. Man müsse diese Quellen nur geschickt nutzen und den Mut für innovative Lösungen haben. Der Unternehmer zeigt ein Bild von einer schwimmenden Energiezentrale, bei der Flusswasser genutzt wird, um ein Quartier mit Wärme zu versorgen.

So eine Plattform kann über Flüsse verschifft werden. Aber um so ein innovatives Projekt umzusetzen, muss diese Möglichkeit erst mal bekannt werden und es braucht Akteure, die sie realisieren – einen Energiedienstleister, der die Anlage betreibt und möglicherweise auch gleich finanziert sowie eine Stadt, die neue Wege gehen will und sie genehmigt.

Neue Büroadresse: die Kraemer'sche Kunstmühle am Auer Mühlbach.
Neue Büroadresse: die Kraemer'sche Kunstmühle am Auer Mühlbach. (Foto: Robert Haas)

Vogl kann noch mehr Beispiele nennen, was alles möglich wäre: Über Wärmepumpen könne man mit Seewärme Häuser beheizen, Photovoltaik-Thermie-Anlagen können sowohl Strom als auch Wärme liefern, Regenwasser könnte man so versickern lassen, dass die Energie des Wassers über Kollektoren zur Wärmeproduktion genutzt werden kann, ebenso ließe sich Wärme aus dem Abwasser einer Kläranlage ziehen.

Und es gibt Lösungen, die Firmen aus verschiedenen Bereichen umsetzen könnten. So könnten zum Beispiel Lebensmittel- und Energiebranche kooperieren; mit der Abwärme eines Rechenzentrums könnte das Wasser einer Garnelenzucht beheizt werden. Vogl träumt von einer Folge „Sendung mit der Maus“, bei der die Energiewende mal simpel erklärt und zudem gezeigt wird, was alles möglich ist. Denn in vielen Rathäusern gebe es noch Unwissen, auch was Finanzierungsmöglichkeiten angehe.

Der Unterstützerkreis im Team Energiewende könnte etwas beitragen: Viermal im Jahr eine große Vernetzungsveranstaltung auf die Beine stellen für alle Entscheidungsträger in einer Kommune, formuliert Vogl eine Idee. Es könnten Vorträge gehalten werden mit vielen Referenzbeispielen, vielleicht wäre eine Messe dabei. So könnte man die Energiewende noch mehr im Bewusstsein verankern, eben „griffig“ machen.

Die Energiewende sitzt bei Goodmen Energy mit im Büro. Von jedem Schreibtisch aus kann man durch ein panoramaartiges Fenster in die herbstbunten Baumkronen blicken. Das Bild erinnert die Mitarbeiter jeden Tag daran, worum es hier geht: die Umwelt zu erhalten.

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