Gräfelfinger dürfen sich über neuen Lesestoff freuen: In der Bahnhofstraße öffnet wieder eine Buchhandlung. Verena Hertz und ihr Lebenspartner Michael Übel übernehmen die ehemalige Buchhandlung Kohler, die im Februar insolvent gegangen ist, und eröffnen am 2. Mai die Übel’sche Bücherstube. „Nun können wir uns endlich in das Abenteuer stürzen“, sagt Hertz. Für sie gehe mit der eigenen Buchhandlung ein „Mädchentraum“ in Erfüllung.
Stammkunden der ehemaligen Buchhandlung Kohler kennen Verena Hertz bereits. Sie hat den Laden vier Jahre lang geleitet, bevor Inhaber Wolfgang Kohler sowohl das Gräfelfinger Geschäft als auch die Planegger Filiale von einem Tag auf den anderen schließen musste. Bereits zwei Tage später sei ihr und ihrem Lebensgefährten klar gewesen, dass sie gemeinsam mit dem bestehenden Team eine neue Buchhandlung eröffnen wollten, sagt Hertz. Und zwar in Eigenregie, nicht als Filiale einer Buchhandlungskette.
Das habe sie sich schon gewünscht, als sie ein junges Mädchen gewesen sei. Der Zeitpunkt sei zwar gerade nicht ideal – Hertz hat mit ihrem Partner in einer Patchwork-Familie sechs Kinder, das jüngste ist neun Monate alt – doch jetzt sei halt „der Traum zum Greifen nah“ gewesen.
Ein Viertel aller Buchhandlungen bundesweit habe seit 2018 ihren Betrieb aufgegeben müssen, zitiert Hertz zu ihrer Ladenübernahme eine Meldung aus dem Börsenblatt vom Oktober 2025. Davon lässt sich die promovierte Literaturwissenschaftlerin und Kunsthistorikerin nicht beirren. Die „Welle der Bestürzung und Unterstützung“ nach der Bekanntgabe der Schließung der Buchhandlung Kohler habe sie beflügelt, diesen „nicht unmutigen Schritt“ zu gehen. Sie setze auf die treue Gräfelfinger Leserschaft: Wenn der Laden wieder das Niveau erreiche, das er vor den Bauarbeiten hatte, sei sie zufrieden.
„An Gräfelfing lag die Insolvenz nicht“, ist Hertz überzeugt. Der Laden gehört zum Baukomplex Bürgerhaus und ist durch die Sanierungsarbeiten an dem Gebäude im Moment kaum sichtbar. Im Sommer sollen die Bauarbeiten beendet sein.
Die Buchhandlung soll ein „jüngeres, cooleres“ Erscheinungsbild erhalten
Die „Liebe zu Büchern“ soll die Übel’sche Bücherstube prägen, verspricht die Inhaberin. Es sei eine „starke Beratungsbuchhandlung“ – ein Laden, in dem sich die Kundschaft von einem Team beraten lassen kann, das „unfassbar viel“ lese. Sie wolle ein breites Angebot präsentieren, möchte den Reiseteil allerdings stark reduzieren, die Kinder- und Jugendbuchsektion dagegen erweitern. Außerdem soll es wieder ein Literaturprogramm geben, wie es auch im früheren Laden angeboten wurde: Lesungen mit prominenten Autorinnen und Autoren sowie einen Lesekreis. Einen solchen plant die Buchhändlerin auch für Teenager; den soll dann ihre Tochter führen.
Bis es so weit sei, wird der Laden laut der Chefin noch renoviert. Dabei erhalte dieser ein etwas „jüngeres, cooleres“ Erscheinungsbild. Geplant sei auch eine attraktive Foto-Wand, die Jugendliche als Kulisse für ein Selfie nutzen könnten.
Der Name des Ladens knüpft übrigens an alte Zeiten an: Wolfgang Pollner begründete einst die Buchhandlung in der Bahnhofstraße in Gräfelfing, bevor er sie an Kohler übergab. „Das war früher meine Buchhandlung“, sagt Hertz. In der Bücherstube Pollner habe sie selbst Bücher gekauft. Dieser Ort schreibt jetzt weiter Lese-Geschichte.

