SZ-FitparadeIm Wohnzimmer des Golfers

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Nikolaus Pauli von „Seven Tees“ schwingt sein Eisen, als hätte er 100 Meter Grün vor sich.
Nikolaus Pauli von „Seven Tees“ schwingt sein Eisen, als hätte er 100 Meter Grün vor sich. Sebastian Gabriel

Beim Abschlag in der Indoor-Sportanlage Seven Tees in Brunnthal lernt man Plätze auf der ganzen Welt kennen. Die Simulatoren nehmen viele Daten auf und zeigen, was man kann.

Von Anna-Maria Salmen, Brunnthal

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Wie der Bug eines Schiffs ragt die Klippe ins Meer. Salzwasser umtost die dunklen Felsen, die Sonne glitzert auf dem Ozean. Davor  erstreckt sich perfekt gemähter Rasen, eine kleine Fahne markiert das Ziel. Mit dem Golfschläger in der Hand gilt es, den Ball ins Loch zu befördern. Erst der Blick aus dem Fenster zerstört die Illusion. Draußen hat es um die fünf Grad, es ist windig und grau: Man ist nicht in Kalifornien, sondern in Brunnthal.

Und doch kann man hier zumindest virtuell in „Pebble Beach“ spielen, auf einem der bekanntesten Golfplätze der Welt. Die Indoor-Golfanlage „Seven Tees“ simuliert rund 400 Golfplätze weltweit. 2021 eröffnete Geschäftsführer Nikolaus Pauli den ersten Standort im Münchner Norden, im November kam die Anlage im Brunnthaler Gewerbegebiet dazu.

Die Räume sehen anders aus, als man sich als Laie einen Golfklub vorstellt. Auf Sesseln kann man die Spieler beobachten, Fernseher an den Wänden über der Bar zeigen Sportsendungen. Immer wieder ist ein leises Ploppen zu hören, wenn ein Schläger auf einen Ball trifft und dieser dann von der Leinwand abprallt. Die Atmosphäre ist entspannt. „Wir wollten das Wohnzimmer des Golfers nachbauen“, sagt Pauli. Die Anlage soll ein Ort sein, an dem man auch mal einen Kaffee oder ein Bier trinken kann.

Nach wie vor gilt Golf als Rentnersport, räumt Pauli ein. Das Klischee habe einen wahren Kern: Viele Spieler würden im Alter zwischen 20 und 30 Jahren aufhören, weil die Zeit fehle. Pauli kennt das von sich selbst, wie er erzählt. Mit 16 hat er mit dem Golfen angefangen. Heute ist er 36 und schafft er es eigenen Worten zufolge durch Job und Familie kaum noch. Auch das Vorurteil, dass Golf nur etwas für die Elite sei, ist laut Pauli nicht ganz abwegig. Er selbst sei schon angegangen worden, als er im Sommer spontan in Badehosen und T-Shirt auf dem Golfplatz stand. „Wir wollen damit gezielt brechen.“ Im Seven Tees könne man auch in Jogginghose spielen, das störe niemanden. Zudem brauche man nicht erst eine Platzreife, die sonst den Einstieg in den Sport erschwere.

Pauli will für Spieler jeden Levels die Möglichkeit bieten, ihre Fähigkeiten unter „Laborbedingungen“ zu verbessern, wie er sagt. Anders auf einem echten Golfplatz sind die Bedingungen im Seven Tees immer konstant. Die Simulatoren messen beim Schlag unzählige Daten: Kam der Schläger von links oder von rechts? In welchem Winkel traf er auf den Ball? Wie schnell war er? Mit diesen Werten könne man intensiv an seinem Können feilen, sagt Pauli.

Wem das zu technisch ist, der kann Golfplätze nachspielen, die sonst zu weit weg sind - oder zu teuer. Im kalifornischen Pebble Beach etwa werden mehr als 600 Dollar für einen einzigen Durchgang fällig. US-Präsident Donald Trump verlangt auf seiner Anlage in Schottland 1000 Pfund. Das sind freilich Ausnahmen, aber auch rund um München zahlt man Pauli zufolge zwischen 60 und 140 Euro pro Runde. Im Seven Tees gibt es 55 Minuten im Range-Simulator ab 20 Euro, größere Bereiche mit mehr Privatsphäre bekommt man ab 37 Euro.

Nicht-Golfer können in Brunnthal den Sport ebenfalls ausprobieren. Selbst wenn man noch nie zuvor einen Schläger in der Hand hatte, kann man laut Pauli Spaß mit Freunden oder der Familie haben: Die Simulatoren bieten Spiele, bei denen man unter anderem Monster mit Golfbällen abschießt. „Die Lust zum Spielen soll entstehen.“ Golf sei zwar technisch schwierig, trotzdem könne man schnell Fortschritte machen.

Für Pauli hat der Sport viele Vorteile: Er schule Konzentration und Koordination, man übernehme Verantwortung für die eigene Leistung. Das Seven Tees sieht er allerdings nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zum klassischen Golfplatz: „Eine Runde draußen bei 22 Grad und Sonnenschein kannst du nicht ersetzen. Das Ziel ist, dass die Leute sagen: Ich trainiere indoor und spiele outdoor.“

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