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Gleichberechtigung:"Eine Frauenquote ist keine Lösung"

Garchinger CSU-Politikerinnen wollen in einer Umfrage herausfinden, wie mehr Frauen für ein Engagement in der Politik gewonnen werden können

Von Magdalena Scheck, Garching

Nicola Gerhardt und Franziska Stelzer sind in der CSU immer noch in der Minderheit: Gerhardt ist Kreisrätin, Stelzer Vorsitzende des Partei-Nachwuchses Junge Union in Garching. Die meisten Führungspositionen in der Politik, auch der Kommunalpolitik, sind aber immer noch von Männern besetzt. Deshalb haben sich die beiden jungen CSU-Frauen zusammengeschlossen für ein gemeinsames Ziel: mehr Frauen zu aktivieren, sich für ihre politischen Interessen in einer Partei einzusetzen. Im Rahmen einer Umfrage, die den Namen "The future is female - auch in der Politik?" trägt, wollen sie jetzt herausfinden, was vor allem junge Frauen aktuell daran hindert, sich politisch zu engagieren - nicht nur in der CSU.

Landtag Baden-Württemberg

Was die Stilsicherheit beim Schuhe kaufen angeht, dürften Frauen in Deutschland die Nase vorn haben, in der Politik sind sie - hier weibliche Landtagsabgeordnete aus Baden Württemberg - immer noch unterrepräsentiert.

(Foto: Bernd Weissbrod/dpa)

Denn es ist kein Geheimnis, dass Frauen in der deutschen Politik unterrepräsentiert sind. Im Bundestag nehmen Politikerinnen 31,3 Prozent der Sitze ein. Im bayerischen Landtag sind es nur 26,8 Prozent und auf kommunaler Ebene sind Frauen, laut dem Landesamt für Statistik, noch seltener vertreten: Circa 90 Prozent der Gemeinden in Bayern werden von Männern regiert, nur sieben von 71 Landratsposten sind von Frauen besetzt und auch in Gemeinde- und Kreisräten liegt der Anteil der Frauen unter 30 Prozent.

Franziska Stelzer setzt sich dafür ein, die Politik frauenfreundlicher zu gestalten.

(Foto: Privat)

Das dürfe so nicht weitergehen, sind sich Gerhardt und Stelzer einig. Gerhardt weiß: Was Gleichstellung und Teilhabe von Frauen betrifft, hat sich in der Politik in den vergangenen Jahren wenig verändert. Die 52-Jährige Garchingerin spricht aus Erfahrung, denn sie sitzt schon zum zweiten Mal im Kreisrat. Bereits mit 21 Jahren startete sie dort ihre politische Karriere, sie ist Mitglied der Frauenunion und engagiert sich seither ehrenamtlich in der katholischen Kirche und als Sprecherin des Asylhelferkreises in Garching. Auch Franziska Stelzer, 30, Doktorandin am Institut für Bayerische Geschichte in München, hat die "Schieflage" der Verteilung von Frauen und Männern im Verlauf des Studiums bis zur Promotion wie auch in der JU persönlich miterlebt. Die häufig im öffentlichen Diskurs genannten Gründe sind den Politikerinnen aber zu einfach: Fehlendes Engagement aufgrund von Zeitmangel, Beruf, Familie oder Männer, die das nicht zulassen? Ob es wirklich nur diese oder im speziellen eine einzige Ursache gibt oder ob dabei mehrere Aspekte zusammenspielen, die viele Frauen davon abhalten, sich einer Partei anzuschließen, wollen Gerhardt und Stelzer in ihrer Umfrage erschließen. Denn zahlreiche Frauen sind politisch interessiert, arbeiten ehrenamtlich bei Vereinen oder Organisationen, aber seien "parteiverdrossen", vermutet Stelzer.

Nicola Gerhardt findet, dass sich in der Politik hinsichtlich der Gleichstellung und Teilhabe von Frauen etwas ändern muss.

(Foto: Claus Schunk)

Deshalb ist die Umfrage unter anderem darauf ausgelegt zu erfahren, welche Themen jungen Frauen wichtig sind, sowie darauf, Impulse zu erhalten, wie man Politik und Parteien organisieren sollte, damit sie frauenfreundlicher sind - um Frauen zu motivieren, sich zu engagieren. Denn es sei essenziell, dass Frauen und Männer sich zu gleichen Teilen in Parteien einbrächten, findet Gerhardt, repräsentieren sie doch beide gleich große Teile der Bevölkerung. In einer vitalen Partei sollten deshalb beide Geschlechter gleichmäßig vertreten sein. Eine Quote ist für die beiden Garchingerinnen jedoch keine Lösung: "Es will keine Frau eine Quotenfrau sein", sagt Stelzer bestimmt. Vielmehr sollte das Bewusstsein geschaffen werden, dass Frauen und Männer gleichberechtigt in der Politik agieren, auf gleichem Niveau diskutieren können und dass das nichts Ungewöhnliches sei. Frauen sollten nicht nur mit Familien- oder Sozialpolitik in Verbindung gebracht, sondern auch in bisherigen Männerdomänen wie Verteidigungs- oder Wirtschaftspolitik respektiert werden. "Ich würde mir wünschen, dass man weggeht, von diesem Schwarz-Weiß-Denken," erklärt die JU-Ortsvorsitzende. Es sollte nichts Besonderes mehr sein, wenn etwa eine junge Mutter für ein hohes Amt kandidiert, sondern so normal wie ein Mann, der in derselben familiären Situation kandidiert.

Auch Nicola Gerhardt hofft auf ein entspanntes Verhältnis zwischen den Geschlechtern, fügt aber gleichzeitig hinzu: "Ich gebe mich nicht der Illusion hin, dass wir es ohne Weiteres hinkriegen, dass insbesondere konservative Frauen sich zu 50 Prozent politisch betätigen." Nach Ansicht der CSU-Kreisrätin liegt es in der Struktur der konservativen Familie, dass Frauen zumindest am Anfang für die Erziehung zuständig sind, jedoch sollte man erreichen, dass junge Frauen trotz ihrer Familiensituationen Teil des politischen Prozesses bleiben oder jederzeit wieder einsteigen können.

Durch die Umfrage soll jetzt herausgefunden werden, wie es möglich ist, mehr junge, konservative Frauen für die Partei zu begeistern. Gefragt sind aber nicht nur CSU-Anhänger und Anhängerinnen, sondern alle 16 bis 35-Jährigen aus ganz Bayern. Frauen und Männer. Die Umfrage auf der Homepage der Jungen Union Garching (ju-bayern.de/ov-garching/) dauert etwa zehn Minuten.

© SZ vom 22.02.2021
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