Gewerbeansiedlung:BMW und Naturschützer auf Kollisionskurs

Das Lenkrad eines selbstfahrenden BMW dreht sich, ohne dass ein Mensch am Steuer sitzt.

Seinen "Campus Autonomes Fahren" - im Bild ein Testwagen - hat BMW bereits in Unterschleißheim angesiedelt.

(Foto: Matthias Balk/dpa)

Zu den drei möglichen Standorten im Münchner Norden, die der Autobauer BMW für die Verlegung einer Firmensparte prüft, gehört nach SZ-Informationen auch ein Areal zwischen Ober- und Unterschleißheim. Dort ist allerdings ein Moos-Heide-Park im Gespräch.

Von Klaus Bachhuber und Lars Brunckhorst

Für einen neuen Standort im Münchner Umland hat BMW offenbar noch drei Optionen in der engeren Wahl. Ende des Monats will sich der Münchner Autobauer nach Informationen der SZ erstmals zu der bislang streng geheim gehaltenen Verlegung von Kapazitäten äußern. Dem Vernehmen nach sucht der Konzern einen neuen Standort für seine Motorrad- und Motorsport-Sparte. Unter den drei Standorten, die weiter in Frage kommen, sollen Flächen zwischen Riedmoos und Mittenheim sein - im Grüngürtel zwischen den beiden Nachbarorten Ober- und Unterschleißheim - sowie ein Areal in Garching-Hochbrück.

Zu den Plänen, welche die SZ im vergangenen Herbst erstmals veröffentlichte, schweigen BMW sowie alle beteiligten Rathäuser strikt. Ober- und Unterschleißheim sollen jedoch nach SZ-Informationen mit einem gemeinsamen Angebot eingestiegen sein, das mit rund 25 Hektar auf Oberschleißheimer Flur und mit 13 Hektar auf Unterschleißheimer Flur liegt. Höchstwahrscheinlich wäre das gesamte Gelände komplett im Eigentum des Katholischen Männerfürsorgevereins, dem im Anschluss an sein Hans-Scherer-Haus in Mittenheim nahezu der komplette Grünzug zwischen den beiden Kommunen gehört.

Die Selbstverpflichtung zur strikten Geheimhaltung hatte bei der jüngsten Bürgerfragestunde im Unterschleißheimer Stadtrat zu massiven Auslegungskonflikten geführt. Eine Anliegerin vom Fastlingerring, wo es Proteste gegen den Ausbau des südlich gelegenen Business Campus gibt, wollte vom Stadtrat wissen, ob nach diesem "enormen" Gewerbepark weitere Pläne südlich der Wohnsiedlung am Weiher drohten.

Bürgermeister Christoph Böck (SPD) versicherte daraufhin, es gebe für die angrenzenden Flächen keine Planungen. Das erboste Manfred Riederle (FDP), der die Aussage nicht für korrekt hielt. Wenn der Bürgermeister geheime Pläne nicht aufdecken wolle, müsse er die Fragestellerin zumindest fairerweise auf die Geheimhaltung verweisen, wandte der FDP-Stadtrat ein. Die Pläne in Abrede zu stellen, damit sei er "nicht einverstanden".

Böck betonte, er habe lediglich zugesagt, dass es "für die Fläche unmittelbar südlich des Fastlingerrings" keine Planungen gebe. "Ich habe nicht von allen Flächen bis Oberschleißheim und darüber hinaus gesprochen", so der Bürgermeister. Genau dort wäre aber die mögliche BMW-Ansiedlung geplant; die Fläche neben der Wohnsiedlung bliebe unberührt.

Die Pläne von BMW kollidieren allerdings mit dem Vorhaben für einen Moos-Heide-Park. Einen solchen haben der Bund Naturschutz sowie Grüne und ÖDP in die Diskussion gebracht. Mit dem Park soll der knapp 200 Hektar große und weitgehend unberührte Grünzug, der zwischen Ober- und Unterschleißheim liegt, nach Absicht seiner Befürworter aufgewertet werden. BMW läge genau in dieser Fläche.

Schon der Business Campus und der geplante Gewerbepark "Koryfeum" ragen in den Grünzug. Beim Neujahrsempfang der Stadt am Freitag gab Bürgermeister Böck ein unerwartet klares Bekenntnis für den Erhalt dieser grünen Lunge ab. Zur kommunalen Hauptaufgabe, die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen, gehöre für ihn die Entwicklung eines Moos-Heide-Parks, sagte Böck vor den Gästen.

BMW hat sich erst 2018 mit seinem Forschungszentrum für autonomes Fahren in Unterschleißheim angesiedelt. Davor war als Standort auch die Gemeinde Haar im Gespräch.

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Erst im April hatte das Unternehmen einen Campus für Autonomes Fahren in Unterschleißheim eröffnet. Aktuell sind noch zehn Grundstücke in einem Bewerbungsverfahren im Rennen.

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