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Gewerbe und Naturschutz:Develey ist scharf auf Bannwald

Das Unternehmen aus Unterhaching, das voriges Jahr mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet wurde, würde gerne am Gewerbegebiet Brunnthal-Nord für ein neues Zentrallager roden.

LED-Lampen in den Büros, Leitungswasser für die Mitarbeiter, Bäume für die Welt: Die Firma Develey Feinkost GmbH in Unterhaching ist vergangenes Jahr mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet worden, in diesem Jahr sollen nicht nur alle deutschen Werke klimaneutral werden, sondern die gesamte Herstellungskette des Senfsortiments.

Da wirkt es wie ein Widerspruch, dass das weltweit tätige Unternehmen angrenzend an das Gewerbegebiet Brunnthal-Nord in einem Waldstück ein Zentrallager errichten möchte. Derzeit liegen die Überlegungen allerdings auf Eis, weil nach Darstellung von Geschäftsführer Stefan Durach, dem Bruder von Mitinhaber und CSU-Gemeinderat Michael Durach, im Brunnthaler Rathaus der "politische Wille nicht gegeben zu sein scheint".

Einfach wäre das Projekt ohnehin nicht umzusetzen: Die Fläche liegt im besonders geschützten Bannwald. Konflikte sind da programmiert. Wie erbittert solche Auseinandersetzungen geführt werden können, war schon um die Jahrtausendwende zu erleben, als für das schwedische Möbelhaus Ikea erstmals in den Wald östlich der Autobahn A8 und südlich der B 471 eingegriffen und die Grundlage für das Gewerbegebiet Brunnthal Nord geschaffen wurde. Mittlerweile ist das Gebiet durch Ansiedlungen weiterer Firmen wie Metro, Hagebau und Käfer stark gewachsen.

Die Firma Develey würde gerne im Anschluss an das Gewerbegebiet Brunnthal Nord ein Zentrallager errichten.

(Foto: Claus Schunk)

Und anders als Durach befürchtet, herrscht im Brunnthaler Rathaus durchaus Verständnis für weiteres Gewerbe. Bürgermeister Stefan Kern (CSU) propagiert das sogar. Er könne sich vorstellen, zum Nutzen von Anwohnern in Otterloh den verlorenen Waldbestand zum Ausgleich westlich der A 8 als lärmschützende Waldbrücke zu pflanzen. Ähnlich äußert sich der Bürgermeisterkandidat der Parteifreien Wählergruppe, Jürgen Gott. Der angeblich nicht besonders hochwertige Wald sei ersetzbar.

Vermehrte Eingriffe in Naturräume

Das sehen jene, die sich um das ökologische Gleichgewicht sorgen, anders. Sie verweisen auf den Regionalplan, in dem der Wald als Bannwald ausgewiesen ist. Laut dem Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Ebersberg, Georg Kasberger, sind Eingriffe in Bannwald zwar möglich, wenn angrenzend Ersatz geschaffen wird; aber der Wald müsse in seiner ökologischen und auch für das Kleinklima wichtigen Funktion erhalten bleiben. Und Kasberger beobachtet gerade im Bereich Ottobrunn und Taufkirchen sowie nördliches Brunnthal vermehrt Versuche, in bestehende Naturräume einzugreifen.

Abgesehen von den Plänen der Firma Durach spielt laut Kasberger dabei die Fantasie eine Rolle, die bei manchen Waldbesitzern durch die Ankündigungen der Staatsregierung in Gang gesetzt wurde, dort einen Cluster für die Luftfahrt- und Weltraumforschung auszubauen, mitsamt neuem Standort für die TU. Immer wieder hat das Forstamt mit Fällaktionen zu tun.

Bei einem ganz aktuellen Fall geht es um ein 8500 Quadratmeter großes Grundstück im Gewerbegebiet Taufkirchen nahe dem Luftfahrtkonzern IABG, auf dem bereits vor mehr als drei Jahren Bäume gefällt und im Anschluss auch Wurzelstöcke aus dem Erdreich geholt wurden. Die Frist ist mittlerweile verstrichen, in der auf dem im Bebauungsplan als Wald ausgewiesenen Areal wieder aufzuforsten ist. Auf entsprechende Aufforderungen reagiert der Eigentümer nach Behördenangaben nicht. Nun werde man die nächsten Schritte einleiten, so Kasberger, bis hin zum Zwangsgeld. Seit Längerem kämpfen das Landratsamt und die Forstbehörde mit einem Grundstückseigentümer, der nicht weit vom Durachschen Wald nördlich der B 471 eine Fläche abgeholzt und dort eine fliegende Halle errichtet hat. Der Fall könnte weiter auch noch die Gerichte beschäftigen.

Michael Durach ist Mitinhaber des mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichneten Unternehmens Develey, er sitzt auch für die CSU im Gemeinderat von Unterhaching.

(Foto: Claus Schunk)

Eine Stellungnahme von Stefan oder Michael Durach, die 2019 als Unternehmer des Jahres ausgezeichnet wurden, wie sie ein Zentrallager umweltverträglich im Bannwald umsetzen wollen, war nicht zu erhalten. Sie haben schon andere Standorte im Blick. "Develey ist ein nationales Unternehmen und verfügt über Alternativen, um handlungsfähig zu sein", heißt es.

© SZ vom 13.03.2020/belo

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