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Gewerbe:Regional im Netz einkaufen

Ismaning will sein digitales Schaufenster um einen Online-Shop erweitern und Gutscheine ausgeben

Nein, den Giganten Amazon und Zalando will und kann die Gemeinde Ismaning keine Konkurrenz machen - zu groß ist der Macht auf dem Markt des Onlineversandhandels. Aber vielleicht kann es ja gelingen, den Internetriesen im Kleinen, Regionalen etwas entgegen zu setzen. "Wir wollen den Einzelhandel bei uns in der Gemeinde stärken und den Unternehmern dafür auch die richtigen Werkzeuge an die Hand geben", sagte Bürgermeister Alexander Greulich (SPD) in der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend. Und eines dieser Werkzeuge soll ein eigener Online-Shop sein, der das schon bestehende Angebot "wir-in-ismaning.de" erweitern soll.

Seit fünf Jahren besteht das kostenfreie Online-Schaufenster der Gemeinde, auf dem sich Handwerker, Unternehmer, Selbständige, Freiberufler sowie Ärzte oder Apotheker und auch Landwirte präsentieren und ihre Angebote vorstellen können. Und Greulich stellte die Homepage als Erfolgsmodell dar; 907 Profile würde es mittlerweile geben, dazu bereits 1745 Posts und im Jahr 2019 jeden Monat etwa 40 000 Profilansichten. CSU-Gemeinderat Josef Zettl hingegen wollte das Lob für das Projekt nicht wirklich teilen, etwa 40 bis 50 Prozent der Firmen würden ihre angelegten Profile gar nicht mehr nutzen, und auch die hohen Klickzahlen zweifelte Zettl an, er wisse nicht, woher die Gemeinde diese Zahlen habe. Die einfache Antwort gab Rathausmitarbeiterin Christa Scharl: "Von der Firma, die die Seite für uns betreibt." Genaueres könne auf Wunsch natürlich gerne nachgereicht werden, sagte Scharl.

Das Schaufenster "wir-in-ismaning.de" soll neben einem Online-Shop, auf dem Gewerbetreibende ihre Produkte anbieten und verkaufen können, um einen örtlichen Lieferdienst und eine neue Einkaufskarte erweitert werden. Der Gutschein soll unter dem "Is gut!" in Umlauf gebracht werden und die dabei helfen, die lokale Wirtschaft anzukurbeln. Ein neues "Schwarzes Brett" steht bereits auf der Homepage (www.wir-in-ismaning.de), auf diesem Portal können Nutzer auch Angebote zum Schenken und Tauschen online stellen. Es sei nicht nur in Corona-Zeiten ein guter Service, Produkte bis vor die Haustür liefern zu lassen, sagt Greulich. SPD-Gemeinderätin Luise Stangl ergänzte, gerade für Senioren könnten der Lieferservice und die Einkaufsgutscheine eine gute Sache darstellen: "Die Senioren brauchen auch eine ortsnahe Versorgung."

CSU-Fraktionssprecher Peter Aurnhammer bemängelte hingegen, dass bei den Gutscheinen derzeit keine Restauszahlung vorgesehen sei, grundsätzlich aber halte er sie für eine gute Sache und er hoffe auch, dass der Online-Shop gut anlaufe. Hierfür, so Aurnhammer, müssten aber alle Unternehmer und Händler mit ins Boot geholt werden. Dass die Verwaltung mit dem Ausbau des Angebots jetzt so vorpresche, sagte Aurnhammer, sei indes kein gangbarer Weg: "Ich hätte vorher einen Workshop mit vielen Beteiligten gut gefunden, um zu sehen, was genau benötigt wird."

© SZ vom 30.05.2020

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