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Geschwindigkeitsbegrenzung:Freie Fahrt nach Ödenpullach

Oberhaching, Deisenhofen, Straße von Laufzorn nach Ödenpullach

Die Tempo-70-Schilder im Wald sollen wieder abmontiert werden.

(Foto: Angelika Bardehle)

Der Oberhachinger Gemeinderat hebt das Tempolimit auf der bei Radlern beliebten Strecke auf - den Anwohnern zuliebe.

Es gibt wohl kaum eine andere Geschwindigkeitsbeschränkung, mit der sich die Oberhachinger Gemeinderäte so schwer tun wie mit Tempo 70 auf der Alten Oberbiberger Straße. Die Strecke durch den Wald nach Ödenpullach ist schmal, es gibt weder Rad- noch Fußwege, aber vor allem an schönen Tagen sind jede Menge Radfahrer unterwegs. Grüne und Teile der SPD halten es daher für unbedingt notwendig, das Tempo der Autos hier zu drosseln. Die anderen, allen voran die CSU, finden, dass die Autofahrer hier ruhig 100 fahren dürfen.

Ein Antrag folgte auf den nächsten, die Tempo-70-Schilder kamen hin, sollten dann wieder weg, blieben dann doch. Der neueste Beschluss wurde am Dienstagabend im Umwelt- und Verkehrsausschuss getroffen. Demnach sollen die Schilder mit der Geschwindigkeitsbegrenzung zwischen der Einmündung Römerstraße und dem Ortseingang Ödenpullach wieder abmontiert werden. Stattdessen sollen die Verkehrszeichen "Achtung Radfahrer" auf diesem Abschnitt die Schnellfahrer zu erhöhter Vorsicht warnen. Im Frühjahr will sich die Gemeinde die Sache dann noch mal genauer anschauen.

Die Polizei dringt auf Tempo 70

Nun ist die Situation auf dieser Strecke im Rathaus durchaus bekannt. Die Bauverwaltung hat schon einen dicken Ordner dazu angelegt, in dem sich allein drei Stellungnahmen der Polizei befinden. Die empfiehlt einen durchgehende Geschwindigkeitsbeschränkung von 70 Stundenkilometern als geeignete Maßnahme und verweist auf die geringe Breite der Straße von nur fünf Metern und eine schlechte Sicht wegen der hohen Bäume und Blendungen durch einzelne Lichtstrahlen.

Auch der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) und der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) haben sich schon mit der Straße befasst und sie sogar gemeinsam abgefahren, um einen Kompromissvorschlag auf den Tisch zulegen. Der sah Klappschilder vor, um saisonal unterschiedliche Geschwindigkeiten zuzulassen. Die Rathausverwaltung hielt dies aber für "wenig praktikabel" und schlug vor, dass das ganze Jahr über Tempo 70 gelten soll. Sie verwies auch auf die Nachbargemeinde Straßlach-Dingharting, die auf der sich anschließenden Strecke zwischen Ödenpullach und Großdingharting ab der Gemeindegrenze diese Geschwindigkeitsbeschränkung anordnete.

Dennoch blieben die Oberhachinger, die gerade erst das Siegel "fahrradfreundliche Kommune" verliehen bekamen, bei der Aufhebung des Tempolimits. Entscheidend sei für das Siegel dieser Streckenabschnitt nicht gewesen, rechtfertigt Bürgermeister Stefan Schelle (CSU) den Beschluss. "Wir müssen an Sicherheit denken und die Interessen der Anwohner abwägen", findet er. Die Gefährlichkeit der Situation bewerte jeder anders. Dass aber die Polizei das anders sieht als die Ödenpullacher Autofahrer und die CSU, kritisierte vor allem Monika Straub von den Grünen. "Wir haben mittlerweile drei Stellungnahmen, wir zeigen denen doch den Vogel und sagen, dass wir es besser wissen", sagte sie.

Schelle hingegen sprach im Verkehrsausschuss von einem "Entscheidungsspielraum". Die Befürworter der Aufhebung des Tempolimits, zu denen auch Johannes Ertl von der Wählergemeinschaft Oberhaching und Elvira Oberstein von der Interessengemeinschaft Altgemeinde Oberbiberg gehören, verwiesen zudem auf die Beschilderung "Achtung Radfahrer". Diese bedeute, dass ein Autofahrer, der einen Radler bemerke, seine Geschwindigkeit auf maximal 65 Kilometer pro Stunde drosseln müsse.