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Gerichtsurteil:Frische Semmeln nach 11 Uhr

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Eine frische Auslage, wie sie der Kunde wünscht. In den Bäckereien der Firma Ratschiller würden nur heimische Produkte verwendet, sagt der Geschäftsführer.

(Foto: Imago)

Bernhard Auracher hat vor dem Bundesgerichtshof längere Öffnungszeiten für Bäckereien am Sonntag erstritten. In den Filialen seiner Kette Ratschiller will er auch weiterhin auf heimische Zutaten setzen - werktags und am Wochenende.

Bernhard Auracher empfängt glücklicherweise am frühen Nachmittag gegen 14 Uhr. Da gibt es noch reichlich freie Tische in der Sauerlacher Filiale der Bäckerei Ratschiller am Bahnhofsplatz. Eine Stunde später ist alles besetzt. Eine nicht unwesentliche Tatsache, denn genau dieser Erfolg ist es, der Geschäftsführer Auracher in letzter Zeit einige Nerven gekostet hat. Erfolg, das weiß er, ruft Neider auf den Plan. Und die Auseinandersetzung vor Gericht hat damit durchaus etwas zu tun. Pech allerdings für die Neider: Ratschiller ging als Sieger daraus hervor.

In Sauerlach sitzt man in der neuesten Filiale der Kette, die Auracher und Gründer Helmut Ratschiller seit 1995 zu je 50 Prozent gehört und insgesamt 50 bis 60 Läden - so genau kann Bernhard Auracher das gerade gar nicht sagen - zwischen Kiefersfelden und Garching besitzt. Der Sitz ist seit 1985 in Holzkirchen. Begonnen hat alles 1979 mit einer Mini-Bäckerei im Gewerbegebiet Vaterstetten, in der Helmut Ratschiller noch selbst stand und als erstes acht Bleche Vinschgauer feilbot. Auracher lernte Ratschiller kennen, als er 1986 dessen Brezn auf der Wiesn verkaufte, so erfolgreich, dass er ein paar Jahre später einen Backshop mit Ratschiller-Waren eröffnete und schon bald als Kompagnon in Betracht kam.

Die Auseinandersetzung ging durch die Instanzen

Berühmtheit erlangt hat der Name Ratschiller jetzt durch das höchstrichterliche Urteil des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe. Der BGH hat entschieden, dass Bäckereien mit angeschlossenem Café auch außerhalb der für Bäckereien vorgeschriebenen Stunden am Sonntag öffnen dürfen - in Bayern sind das drei. Also bis 17 Uhr, so wie viele Ratschiller-Filialen.

Die gerichtliche Auseinandersetzung ging durch die Instanzen. Die Wettbewerbszentrale hatte Verstöße beobachtet. Wobei, weiß Auracher, irgendjemand muss die Wettbewerbszentrale darauf hingewiesen haben. Wer? Er lächelt nur wissend und erzählt die Geschichte von der Truderinger Ratschiller-Filiale, in der die Schlangen immer bis vor die Tür reichten und die Menschen geduldig warteten. Ein Zeichen des großen Erfolgs, ein Zeichen für die Zufriedenheit der Kunden mit Backwaren, die gut und günstig zu haben waren. Solche Kundenschlangen waren womöglich manchem ein Dorn im Auge, der sich diese auch gewünscht hätte.

Bernhard Auracher, Chef der Bäckereikette Ratschiller, ist froh angesichts des Urteils des Bundesgerichtshofs.

(Foto: Claus Schunk)

"Ich habe mich sehr geärgert", erinnert sich Auracher an jene Zeit, als er von der anfänglichen Unterlassungserklärung erfuhr. Diese wurde allerdings zweimal nicht richtig zugestellt, erst als sich ein Anwalt bei Ratschiller und Auracher meldete, erfuhren sie, was gegen sie im Gange war. Weil eine außergerichtliche Schlichtung nicht zustande kam, nahm sich Ratschiller auch einen "guten Anwalt". Die Sache ging ihren Gang, für Ratschiller und Auracher als Beklagte.

Dass der BGH jetzt ganz in ihrem Sinne entschieden hat, freut Auracher natürlich sehr. "Das hat uns bestätigt, dass wir alles richtig gemacht haben." Nämlich das, was von der Wettbewerbszentrale zunächst beanstandet worden war: Dass man schon immer bei Ratschiller sonntags auch nach 11 Uhr noch Brot und Semmeln kaufen konnte. "Wir können nur überleben, wenn wir uns breiter aufstellen", sagt Auracher. "Sonst gehen die Kunden bei Tankstellen Semmeln holen."

Gemeldet hat sich noch kein Kollege

Über das Urteil freuen sich jetzt sicher auch viele Kollegen, denen es auch mehr Freiheit gibt, weiß Auracher. Das Urteil gilt bundesweit. Er hat allerdings von niemandem etwas gehört. "Kein Anruf, keine E-Mail". Nur Kunden haben auf das Urteil reagiert, sich gefreut, dass "diese Gängelei unterbunden wurde", wie jemand zu Auracher sagte. Einen anderen Kunden zitiert er mit: "Dass sich der BGH mit so einem Schmarrn auseinandersetzen muss."

Doch wer weiß, vielleicht hört Auracher im Februar noch den ein oder anderen Kommentar von Bäcker-Kollegen. Dann nämlich lädt ein Backmittelhersteller wieder zum Bäckerskirennen ein. Das hat Auracher übrigens im letzten Jahr als Sieger hinter sich gebracht. Damals lief das Verfahren gerade vorm Oberlandesgericht. "Da war ich natürlich motiviert", sagt Auracher.

Doch ein bisschen Ernst steckt vermutlich schon in dieser Bemerkung. Denn Auracher ist offensichtlich jemand, den der Wettbewerb erst richtig anspornt. "Es ist immer ein Kampf", sagt er über das Geschäftsleben. Gerüchte über Waren aus China oder Tschechien gab es etwa schon - dabei verwende Ratschiller nur heimische Waren, sagt Auracher. "Kürzlich wurde mir sehr günstiger Leinsamen aus der Ukraine angeboten, doch ich habe abgelehnt."

Der Erfolg gebe dem Unternehmen jedenfalls Recht, sagt Auracher und nennt ein paar Beispiele: "2002 haben wir 18 Läden in einem Jahr eröffnet", "2005 hatten wir eine Umsatzsteigerung um 35 Prozent" und "2008 waren wir unter Bayerns 50 besten Firmen - in allen Branchen." Der Erfolg kann jetzt ungehindert weitergehen, auch die Nerven Aurachers und Ratschillers werden sich hoffentlich langsam wieder beruhigen. Nicht nur sonntags.