In Gräfelfing geht es beim lange geplanten Geothermieprojekt endlich in die Tiefe: Im September soll gebohrt werden, der Bohrplatz ist bereits fertig eingerichtet. Davon zeugen unter anderem vier Stahlstutzen, die aus den Schächten ragen und das Herzstück der Anlage bilden. In diesen Röhren, die rund 50 Meter in die Tiefe reichen und das Grundwasser vor möglichen Verschmutzungen schützen, erfolgt die eigentliche Bohrung.
Rund 18 500 Quadratmeter groß ist der Bohrplatz am Neurieder Weg. Der angrenzende Reitverein musste dafür große Flächen seiner Koppeln aufgeben. Bei den vier Bohrschächten handelt es sich um zwei sogenannte Dubletten: Aus jeweils einem Rohr wird das heiße Wasser aus den Tiefen der Erde nach oben gepumpt, über einen Wärmetauscher wird die Wärme entzogen. Durch das zweite Rohr fließt es wieder zurück in die Tiefe.
Die beiden Rohrsysteme reichen aus, um bis zu 80 Prozent der Gräfelfinger Gebäude mit Wärme zu versorgen, erklärte Thomas Banck bei einem Besichtigungstermin des Bohrplatzes am Mittwoch. Banck ist Geschäftsführer der beiden gemeindeeigenen Tochterfirmen, die das Projekt abwickeln: der Geothermie Gräfelfing GmbH&Co.KG und die Fernwärmenetz Gräfelfing GmbH. Die Geothermie sei damit ein rein kommunales Projekt, das eine Investition in die „Daseinsfürsorge“ der Kommune sei, sagte Banck. Der Bohrplatz werde für die nächsten hundert Jahre bestehen.
Auf dem Bohrplatz wurde zudem ein 4000 Kubikmeter großes Rückhaltebecken errichtet, das das bei der Bohrung anfallende Wasser aufnimmt. Dort wird es auf mögliche Verunreinigungen untersucht und gereinigt, bevor es in das Kanalsystem eingeleitet wird. Rund 3500 Meter tief wird sich der Bohrer in die Erde graben. Gebohrt wird durchgehend – 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Etwa drei Monate wird jede der vier Bohrungen dauern. Das Bohren wird zu hören sein, allerdings nur im unmittelbaren Umfeld, sagte Bürgermeister Peter Köstler (CSU). Der Reitverein werde durch eine Lärmschutzwand abgeschirmt.
Parallel zum Bohrvorgang wird das Fernwärmenetz in der Kommune ausgebaut. Das ist in Teilen der Bahnhofstraße bereits geschehen. Im Sommer sollen nun in einem Abschnitt der Lochhamer Straße Rohre in der Fahrbahn verlegt werden. Die Bauarbeiten werden insgesamt etwa eineinhalb Jahre dauern. Die Lochhamer Straße ist zwischen Rottenbucher und Pasinger Straße Teil des geplanten Kernnetzes: Vom Bohrplatz am Neurieder Weg wird das Netz ringförmig über den Lochhamer Schlag, die Lochhamer Straße, die Rottenbucher Straße und die Bahnhofstraße erschlossen. Anschließend soll es schrittweise weiter verdichtet werden.
Wer entlang dieser Trasse der ersten Ausbaustufe wohnt, sollte jetzt Interesse an einem Hausanschluss anmelden (info@geothermie-graefelfing.de). Dann könnten die Hausanschlüsse bei den Straßenbauarbeiten berücksichtigt werden, sagte Sabine Strack von der Wirtschaftsförderung der Gemeinde. In den nächsten Tagen werde eine Broschüre zum Geothermie-Projekt an alle Haushalte verteilt. Voraussichtlich in den nächsten vier Wochen würden Kostenschätzungen für einen Standardhausanschluss auf der Homepage des Geothermieprojekts (www.geothermie-graefelfing.de) veröffentlicht.


