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Geothermie:München zapft das Umland an

Warmwasser, Marsch! Wenn es nach den Münchner Stadtwerken geht, soll die Erdwärme, die in der Geothermieanlage in Kirchstockach gefördert wird, über Rohre und Leitungen in absehbarer Zeit bis nach München fließen.

(Foto: Claus Schunk)

Mit einer Optimierung ihrer Geothermie-Kraftwerke in Sauerlach, Dürrnhaar und Kirchstockach sowie der Anbindung an das Ottobrunner Fernwärmenetz wollen die Stadtwerke mittelfristig eine Leitungsverbindung in die Stadt legen

Die Stadtwerke München (SWM) machen sich daran, die drei Geothermie-Kraftwerke in Sauerlach, Dürrnhaar und Kirchstockach so auszubauen, dass von dort Tausende Haushalte innerhalb und außerhalb der Stadt mit Fernwärme versorgt werden können. Mit diesem Ziel vor Augen haben sich die Stadtwerke beim bayerischen Wirtschaftsministerium im Claim mit dem Namen "München Südost" die Erlaubnis gesichert, in einem bis weit in die Landkreise Miesbach, Rosenheim und Bad Tölz-Wolfratshausen hineinreichenden Gebiet den Untergrund genauer durchsuchen zu dürfen. Dies soll mit Hilfe seismischer Messungen geschehen. Die Stadtwerke knüpfen an einem Fernwärmenetz im Raum Ottobrunn und Hohenbrunn. Es soll erst der Anfang sein.

Die Münchner Stadtwerke investieren mit dem Ziel einer CO₂-neutralen Energieversorgung nicht nur in Windparks in der Nordsee, sie strecken ihre Fühler auch gezielt ins direkte Umland aus. Vergangenes Jahr lief eine aufwendige seismische Untersuchung, bei der in Zusammenarbeit mit den Geothermie-Gesellschaften in Pullach und Grünwald herausgefunden werden sollte, ob weitere Tiefenbohrungen sinnvoll sind. Das erste Ergebnis stimmte hoffnungsvoll. Derzeit werden nach Aussage von Helmut Mangold, Geschäftsführer der Innovative Energie für Pullach GmbH (IEP), die Daten genauer ausgewertet, um das Potenzial zur Energiegewinnung besser einschätzen zu können. Ende Juni oder Juli erwartet er Ergebnisse. Dann könnten die drei Partner einzeln oder gemeinsam, was sich laut Mangold anbieten würde, weitere Kraftwerkspläne angehen. Mangold denkt vorrangig auch an Fernwärme.

Auch die Stadtwerke richten ihren Blick mehr und mehr auf Fernwärme. In Sauerlach, Dürrnhaar und Kirchstockach haben die Stadtwerke drei Geothermieanlagen in der Hand, von denen Sauerlach bisher Fernwärmekunden beliefert. Die Stadtwerke wollen das ändern und die drei Kraftwerke in ein Fernwärmenetz einbinden, wie der technische Geschäftsführer der Stadtwerke, Helge-Uve Braun, ankündigt.

Das Kraftwerks-Trio soll helfen, das erklärte Ziel der Stadtwerke zu erreichen, die Stadt München bis 2040 vollständig mit erneuerbarer Energie zu versorgen, was überwiegend mit Hilfe der Tiefengeothermie gelingen soll. Durch die Zukäufe der Energieversorgung Ottobrunn und der Bio-Energie Taufkirchen (BET) haben sich die Stadtwerke bereits ein beachtliches Leitungsnetz gesichert, das derzeit weiter ausgebaut wird.

Noch in diesem Jahr, so der Plan, soll die Energieversorgung Ottobrunn den Anschluss an das Geothermie-Kraftwerk Kirchstockach fertigstellen. Die Bio-Energie Taufkirchen verfügt außer über ein Biomasse-Kraftwerk über ein mehr als 40 Kilometer langes Fernwärmenetz, das in Taufkirchen, Unterhaching, Hohenbrunn, Brunnthal sowie Neubiberg und im Westen Ottobrunns Kunden versorgt. Mittelfristig, so SWM-Geschäftsführer Braun, strebe man eine Leitungsverbindung auch ins Münchner Stadtgebiet an.

Um diese großen und auf viele Jahre ausgelegten Ziele auf solider Basis angehen zu können, soll nun der Untergrund genauer inspiziert werden, aus dem die bestehenden Kraftwerke vor allem in Dürrnhaar und Kirchstockach heißes Wasser beziehen, mit dem bisher nur Strom erzeugt wird. Erst 2016 haben die Stadtwerke beide Geothermieanlagen übernommen. Wie Stadtwerke-Sprecher Michael Solić sagt, hat man mit Blick auf die Fernwärme-Nutzung bestehende Erdwärme-Konzessionen einer Potenzialanalyse unterzogen. Dabei habe sich gezeigt, dass im Bereich der Anlagen Kirchstockach und Dürrnhaar zu wenige Untergrunddaten vorlägen. Mittels seismischer Messungen wolle man nun dreidimensional detaillierter erkunden, wie die wasserführenden Schichten verliefen und wo Brüche im Gestein seien, um "so nachhaltig und so optimal wie möglich" die Thermalwasserströme im Untergrund nutzen zu können.

Wo in den nächsten Monaten die etwa aus der Tiefenuntersuchung im Raum Pullach bekannten Rüttelfahrzeuge aufkreuzen werden, ist laut Solić noch nicht klar. Derzeit liefen die Vorbereitungen für die angepeilte Untersuchung. Wenn Messungen anstünden, werde eine eigene Genehmigung beim Bergamt Südbayern im Wirtschaftsministerium beantragt. Kommunen, die im Bereich der Seismikmessfläche lägen, würden frühzeitig von den SWM informiert und vom Bergamt am Genehmigungsverfahren beteiligt. Im Vorfeld finde eine Informationsveranstaltung für die Gemeinden statt.

Zuletzt wurde in den Rathäusern im Münchner Süden, die bisher nur relativ knapp über die Pläne im Aufsuchungsgebiet "München Südost" informiert wurden, schon spekuliert, was die Stadtwerke vorhaben. In Brunnthal, wo jüngst auch der Wunsch laut wurde, Fernwärme aus den in unmittelbarer Nachbarschaft befindlichen Geothermie-Kraftwerken in Dürrnhaar und Kirchstockach zu nutzen, kam schon mal ein warnender Zwischenruf: Auf Anregung von PBW-Gemeinderat Siegfried Hauser ließ man die Stadtwerke wissen, dass man Tiefenbohrungen in Wasserschutzgebieten nicht gutheiße.