Unterföhring:SPD für Geothermie-Projekt am Heizkraftwerk Nord

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Unterföhring: Auf dem Gelände des Heizkraftwerks Süd in München-Sendling wurde bereits eine Geothermieanlage gebaut. Nach dem Willen der SPD könnte dieses Beispiel Schule machen.

Auf dem Gelände des Heizkraftwerks Süd in München-Sendling wurde bereits eine Geothermieanlage gebaut. Nach dem Willen der SPD könnte dieses Beispiel Schule machen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Nachdem die Stadtwerke München schneller aus der Kohleverfeuerung aussteigen wollen, regen die Unterföhringer Sozialdemokraten eine Kooperation bei den erneuerbaren Energien an.

Von Sabine Wejsada, Unterföhring

Angesichts der Überlegungen der Stadtwerke München (SWM), den Kohleblock des Heizkraftwerks München-Nord auf Unterföhringer Flur möglichst bald auf Gas umzurüsten, will die SPD-Fraktion im örtlichen Gemeinderat eine öffentliche Diskussion über das weitere Vorgehen erreichen. Konkret regt sie ein gemeinsames Geothermieprojekt mit den Münchner Stadtwerken an. Von dort gibt es positive Signale. "Wir sind prinzipiell offen für Kooperationen bei den regenerativen Energien in der Region", sagt SWM-Pressesprecher Michael Silva. Im Münchner Süden gebe es diese bereits.

"Es zeigt sich deutlich, dass die SWM kompromissbereit sind und mit uns einen gemeinsamen Weg gehen möchten", befindet Fraktionssprecher Philipp Schwarz in einer an Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (Parteifreie Wählerschaft) gerichteten Anfrage Deshalb, so Schwarz, sei das klare Nein der Lokalpolitiker in der Stadtrandkommune zu dem von den Stadtwerken ins Auge gefassten Neubau eines Gas-und-Dampfturbinen-Kraftwerks (GuD) als Ersatz für den Kohleblock "gut gewesen und hat bereits jetzt Früchte getragen".

Unterföhring hat sich gegen dieses Vorhaben vehement zur Wehr gesetzt und sich auf seine Planungshoheit auf eigenem Grund besonnen. 2020 hatte der Gemeinderat einen Bebauungsplan für das Betriebsgelände des Heizkraftwerks und die angrenzenden Flächen beschlossen, wonach am Standort nur noch Anlagen zur Energieerzeugung genehmigt werden, die keine fossilen Brennstoffe verfeuern, also regenerativ sind.

Eine Umstellung des Kohleblocks auf Gas widerspricht diesen Zielen zwar, nach den Worten von Schwarz sollte Unterföhring nun aber "den Ball aufnehmen und daran weiter anknüpfen". Nach seiner Aussage könnte das in nicht allzu ferner Zukunft zum Beispiel in einem gemeinsamen Geothermie-Großprojekt des Münchner Energieversorgers und der Gemeinde Unterföhring am Standort des Heizkraftwerks münden, da die Erschließung des Freimann-Claims über Unterföhringer Gebiet erfolgen müsste.

Immerhin stehe Unterföhring mit seiner erfolgreichen Geovol mehr als jede andere Kommune in der Region für Geothermie, betont Schwarz. Und: "Wer, wenn nicht wir, sollte hier mit den Stadtwerken einen ersten Schritt hin zu einem gemeinsamen Projekt gehen?", fragt er. Für Schwarz ist es deshalb nur logisch, dass die Stadtwerke den Unterföhringer Lokalpolitikern und Bevölkerung möglichst schnell in einer öffentlichen Sitzung ihr neues Konzept für den Kohleblock präsentieren, wie es in seiner Anfrage an Bürgermeister, Verwaltung und Gemeinderat heißt. Die Pläne für eine etwaige Umstellung der Anlage auf Gas müssten zudem von den hauseigenen Juristen der Gemeinde geprüft und bewertet werden.

Bürgermeister Kemmelmeyer bremst die Euphorie von Schwarz etwas, will sich nach eigenen Angaben allerdings einer möglichen Kooperation bei den Geothermie-Projekten von Gemeinde und Stadtwerken München nicht verschließen. "Wir sind immer zur Zusammenarbeit bereit, wenn es um regenerative Energien geht", versichert der Rathauschef. Gemeinsame Ideen könne man jederzeit entwickeln, wenn sie für Unterföhring von Vorteil seien. Was die Geothermie angeht, müssten das die Experten der kommunalen Geovol prüfen, und zwar im Hinblick auf technische Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit.

Unterdessen wachsen beim Unterföhringer Aktionsbündnis "Raus aus der Steinkohle" die Zweifel, dass sich eine Umstellung problemlos bewerkstelligen ließe. Wer solle glauben, dass auf einmal die Gasbefeuerung des 30 Jahre alten Kohlekessels im Heizkraftwerk Nord ohne größere Umbauten beziehungsweise einen Neubau der Kesselanlage noch im Jahr 2022 möglich sein könne, fragt Wolfgang Stubenrauch, Sprecher des Aktionsbündnisses. "Hat sich der TÜV damals also so geirrt oder inszenieren die SWM nur ein erneutes Verwirrspiel, insbesondere der Gemeinde Unterföhring gegenüber?", heißt es in einer E-Mail Stubenrauchs an seine Mitstreiter.

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