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Geothermie Garching:Der Fluch des billigen Öls

Die EWG-Heizanlage wird mit Strom aus dem eigenen Kraftwerk betrieben, was viel Geld spart.

(Foto: EWG)

Niedrige Energiepreise, aber auch mildes Wetter verderben der EWG Garching das Geschäft

Historisch milde Winter, historisch niedrige Energiepreise und Probleme, Bestandsimmobilien anzuschließen, machen das Geschäft von Geothermie-Unternehmen nicht leichter. "Mit 2015 sind wir nicht so zufrieden, wir haben unsere Ziele nicht erreicht", sagte denn auch Karlheinz Denner, einer von zwei Geschäftsführern der Energie-Wende-Garching (EWG). Die Folge der widrigen Umstände: "Es hat sich eine Lücke aufgetan zwischen 2017 und 2020." Konkret geht es um zusätzliche 2,5 Millionen Euro, die beide Gesellschafter, also die Stadt Garching und die Bayernwerk AG, je zur Hälfte verteilt über diese Jahre beisteuern müssten.

Über die EWG, die seit 2011 Wärme verkauft, wird im Stadtrat meist sehr kontrovers diskutiert. Kritiker, wie etwa Hans-Peter Adolf von den Grünen, hatten stets betont, dass dieser Weg der Stadt, regenerative Energien zu nutzen, die Garchinger Bürger viel Geld koste. Vor allem hatte er den Geschäftsführern bei ihren Berichten oft vorgehalten, dass die Planungen nie erreicht worden seien, also nicht realistisch seien. Diesmal jedoch präsentierten Denner und sein Kollege Christian Nolte Zahlen, in die bereits die ersten Erfahrungen eingeflossen sind. "Das ist kein sportlicher Ansatz mehr, sondern ein mehr konservativer Ansatz", kommentierte Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD), der das Projekt einmal mehr flammend verteidigte: "Wir glauben an diese Energiewende, es ist der richtige Weg." Die Stadt gehe mit gutem Beispiel voran und lasse alle öffentlichen Gebäude anschließen.

Insgesamt beliefert das Geothermie-Unternehmen bereits mehr als 2500 Garchinger. Doch neue Kunden in bereits bestehenden Siedlungen zu finden, damit tut sich die EWG schwer. So sei die Akquise in Hochbrück nicht so gelaufen wie erhofft, erklärte Denner. Es sei eine harte Konkurrenz, gegen billiges Gas und Öl anzukommen. Andererseits haben die günstigen Energiepreise es auch der EWG ermöglicht, ihren eigenen Wärmepreis von 60,18 auf 56,82 Euro pro Megawattstunde (5,7 Cent pro Kilowattstunde) zu senken. 2015 sind 30 Gigawattstunden durch das Fernwärmenetz an die Kunden geliefert worden. Gerechnet hatte das Unternehmen jedoch mit 33,7 Gigawattstunden.

Aus dem zweiten ungewöhnlich warmen Winter in Folge und dem verminderten Wärmeabsatz hat die EWG Konsequenzen gezogen. Deswegen plant sie jetzt für 2016 mit 35,5 Gigawattstunden Absatz ohne Neukunden. Allerdings sind die Verbrauchszahlen für den Januar noch einmal um zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken, weshalb es schwer werden könnte, das Ziel zu erreichen. Sollte der Betrieb in den nächsten vier Jahren jeweils nur eine Gigawattstunde weniger absetzen als geplant, würde die Finanzierungslücke noch einmal um 200 000 Euro anwachsen, erklärte Nolte.

Nolte skizzierte, dass es viele Pläne und auch schon Aufträge gebe. So sollen am Römerhofweg das Theater und die Musikschule angeschlossen werden, mit der ESO-Supernova am Campus sei man kurz vor einem Abschluss und überhaupt setze man "ganz, ganz große Hoffnung" auf Neuanschlüsse am Forschungscampus, sagte Nolte. Die EWG werde 2017 eine Trasse legen zum nördlichen Forschungsgelände, wo sich General Electric und Unternehmer-TUM befinden. Das geschehe in enger Absprache mit der TU. Ziel sei es, die Leitungen so zu verlegen, dass geplante Gebäude der Science City, also der Erweiterung westlich des jetzigen Campusgeländes, gleich angeschlossen werden könnten, ebenso wie ein Neubau der Fraunhofer-Gesellschaft. Die bereits bestehenden Gebäude der TU werden von ihrem eigenen Heizkraftwerk versorgt. Außerdem soll auch das geplante Baugebiet Kommunikationszone von der Fernwärme profitieren. Eine innovative Technik würde es ermöglichen, dort das Geothermiewasser direkt einzusetzen, ohne Zuheizung im EWG-Kraftwerk.

"Die Durststrecke ist nicht mehr lang", konstatierte der Bürgermeister, weshalb er es auch ablehnte, potenzielle Investoren ins Boot zu holen. Er informierte über Bankverhandlungen, um eine Umschuldung mit besseren Zinsen für die EWG zu erreichen. Das sei noch nicht in die Kalkulation eingeflossen, da "der Bär noch nicht erlegt ist", sagte Nolte auf Nachfrage von Götz Braun (SPD). Ein günstigerer Zinssatz würde etwa 100 000 Euro im Jahr einsparen. Gegen drei Stimmen der Grünen segnete der Stadtrat den Wirtschaftsplan der EWG ab.

© SZ vom 27.02.2016
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