ErdwärmeZweite Bohrung im Münchner Osten

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Will das große Rad drehen und das Netz kräftig ausbauen: Geschäftsführerin Martina Serdjuk von der AFK Geothermie.
Will das große Rad drehen und das Netz kräftig ausbauen: Geschäftsführerin Martina Serdjuk von der AFK Geothermie. Claus Schunk

In den Gemeinden Aschheim, Feldkirchen und Kirchheim ist die Nachfrage nach Geothermie-Anschlüssen groß. Das Netz soll massiv ausgebaut werden. Doch die Finanzierung ist schwierig.

Von Anna-Maria Salmen, Aschheim/Feldkirchen/Kirchheim

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Als die Gemeinden Aschheim, Feldkirchen und Kirchheim im Jahr 2008 ihr gemeinsames Geothermie-Unternehmen AFK gründeten, dachte niemand an eine Energiekrise. „Es war eine andere Zeit“, sagt die aktuelle Geschäftsführerin Martina Serdjuk. Niemand habe ahnen können, dass ein Krieg in Europa die Preise für Erdgas innerhalb kürzester Zeit in die Höhe treibe. Angesichts der Krise besteht nun Handlungsbedarf bei der AFK: In den kommenden Jahren soll das Netz massiv ausgebaut werden.

Die Unsicherheit habe Panik verursacht, sagt Serdjuk. Viele wollten unabhängig werden von russischem Gas und den horrenden Preisen. Geothermie war plötzlich gefragt wie nie, die AFK wurde überrannt – und kam so schneller an ihre Grenzen, als bei der Gründung erwartet.

1600 Kunden in den drei Gemeinden versorgt die AFK im Moment mit Wärme aus der Tiefe. „Eine gewisse Luft ist noch da“, sagt Serdjuk. Doch mit den bleibenden Kapazitäten müssten zunächst Altverträge erfüllt oder Neubauprojekte angeschlossen werden, deren Versorgung ebenfalls schon seit Jahren vereinbart sei. Damit die Kapazitäten steigen und die AFK wieder mehr neue Kunden ans Netz anschließen kann, braucht es eine zweite Bohrung, die aus 2,5 Kilometern Tiefe circa 90 Grad heißes Wasser fördern soll.

Bereits einige Jahre nach der Gründung habe man sich Gedanken über diese zweite sogenannte Dublette, also ein Bohrloch für die Entnahme und ein weiteres für die Rückführung des Wassers, gemacht, erzählt Serdjuk. „Aber damals hat man sich erst mal dagegen entschieden. Man dachte, das brauche man so schnell nicht.“

Inzwischen ist die AFK intensiv in den Planungen für die Bohrung. Der Fortschritt hängt laut Serdjuk entscheidend von der Finanzierung ab. Die Geschäftsführerin rechnet mit einer Summe von 25 bis 30 Millionen Euro, die man für die Bohrung brauche. „Es wird zum Großteil eine Fremdfinanzierung werden“, sagt sie. Man sei bereits in Gesprächen und lote derzeit Sicherheiten für die Bank aus.

„Die Projekte sind politisch gewollt. Aber dann muss man auch die Gemeinden unterstützen“

Serdjuk ärgert sich diesbezüglich über die Politik, wie sie sagt. Die Fördermöglichkeiten für Geothermie-Projekte seien zwar so gut wie noch nie. Aber die Sicherheiten, die man zum Abschluss eines Kredits braucht, würden Gemeinden nur schwer bekommen. Von der Landespolitik habe es bisher nur Absagen gegeben. „Jeder spricht von Geothermie, die Projekte sind politisch gewollt. Aber dann muss man auch die Gemeinden unterstützen.“ Wenn der Freistaat Bürgschaften übernehmen würde, so Serdjuk, wäre vieles einfacher.

Trotz der Schwierigkeiten hält die Geschäftsführerin es nach aktuellem Zeitplan für realistisch, die zweite Doublette 2027 in Betrieb zu nehmen. Auch dann können allerdings nicht alle Haushalte in den drei Gemeinden auf einen Schlag angeschlossen werden, das sei auch gar nicht das Ziel: „Auf der Nachfrageseite wird es nie zu 100 Prozent kommen.“ Zudem müsse auch die Infrastruktur erweitert werden: In der Zentrale der AFK brauche es zum Beispiel weitere Pumpen und eine neue Halle. Auch das Netz muss ausgebaut werden, die AFK muss weitere Rohre in den drei Gemeinden verlegen.

Um den Bürgern in Zukunft mehr Planungssicherheit zu geben, will die AFK das Interesse an einem Anschluss ermitteln. Dazu läuft gerade eine Umfrage. Mit den Ergebnissen soll ein Plan erarbeitet werden, der zeigt, in welchem Zeitraum welche Straßenzüge mit einem Anschluss rechnen können.

Viel Arbeit kommt auf Serdjuk und ihr Team zu. Aber die Geschäftsführerin ist überzeugt, dass es sich lohnt – auch wenn das Wasser aus der Tiefe hier mit rund 90 Grad nicht so heiß ist wie weiter südlich, wo man auf mehr als 100 Grad kommt. Das mache die Anlagen aber auch wartungsintensiver und aufwendiger, sagt Serdjuk. Im Münchner Osten hingegen habe man stabilere Verhältnisse. „Für die Wärmeversorgung ist das ideal.“

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