Gemeindeverwaltung Es bleibt beim Abriss

Außen hui, innen pfui: Das alte Aschheimer Rathaus entspricht nicht aktuellen Brandschutzanforderungen. Es wird abgerissen und neu gebaut.

(Foto: Claus Schunk)

Aschheims Freie Wähler stellen Rathausneubau noch einmal infrage, werden aber klar überstimmt

Von Irmengard Gnau, Aschheim

Mit ein wenig Fantasie konnte man den Stein hören, der dem Dutzend Mitarbeitern der Aschheimer Rathausverwaltung am Donnerstagabend symbolisch vom Herzen plumpste. Sie haben nun die Aussicht, in einigen Jahren in einem neuen Rathaus mit genügend Platz, angenehmen Raumtemperaturen und barrierefreiem Zugang zu arbeiten. Mit einer deutlichen Mehrheit von 15 zu fünf Stimmen bekräftigte der Gemeinderat seinen Entschluss von Ende Februar, das alte Rathaus abzureißen und durch einen Neubau mit mehr Kapazitäten ersetzen zu lassen - und dies so rasch wie möglich anzustoßen.

Die Fraktion der Freien Wähler hatte mit einem Dringlichkeitsantrag versucht, die nach langer, hart umkämpfter Debatte damals einstimmig getroffene Entscheidung noch einmal in Frage zu stellen. Man wolle, betonte Günther Sassmann, ebenfalls die beste Lösung für die Mitarbeiter erreichen. Allerdings sähen die Freien Wähler mögliches Einsparpotenzial, entschiede sich die Gemeinde doch für eine Sanierung des Altbaus; sie stützen diese Ansicht auf eine Einschätzung des Ingenieurs Erich Pitloun, der für die Gemeinde verschiedene Varianten für die nötige Sanierung der Decken untersucht hatte.

Darin bezieht sich der Ingenieur allerdings nur auf die Decken über dem Erdgeschoss und dem ersten Obergeschoss. Zudem kommt auch er zu der Empfehlung, das Dachgeschoss aus Brandschutzgründen nicht weiter als Büro zu nutzen. Es sei "fahrlässig", kritisierten die Freien Wähler gleichwohl, dass diese Einschätzung aus ihrer Sicht nicht angemessen in die Entscheidung mit einbezogen worden ist.

Dass eine Sanierung des mehr als 100 Jahre alten Rathauses, das lange Zeit als Schulhaus diente, tatsächlich weniger kosten könnte als ein Abriss und Neubau, dem widersprechen die Prognosen der weiteren Experten, an die sich die Gemeinde Aschheim gewandt hat. Nachdem diese den Altbau genauer in Augenschein genommen hatten, kamen sie zu dem Schluss, dass ein größengleicher Neubau anstelle des alten Rathauses günstiger als eine Modernisierung des Bestands wäre, da dieser in jedem Fall kernsaniert werden müsste und bei alten Gebäuden viele Unwägbarkeiten bestünden, etwa hinsichtlich vorhandener Schadstoffe. Bernhard Stilling, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CSU und selbst Bauleiter, argumentierte zudem, dass es bei der von den Freien Wählern vorgebrachten ergänzenden Einschätzung lediglich um die Decken gehe - also um gerade einmal 20 Prozent der möglichen Kosten. Wenn die Gemeinde das alte Rathaus noch weiter untersuche, könnte weiterer Sanierungsbedarf auftauchen, warnte er.

Am Ende sahen die Fraktionen von CSU und SPD keinen Grund, die Entscheidung des Gemeinderats aufzuheben. Angesichts der unguten Lage der Verwaltungsmitarbeiter, die zu einem großen Teil 2018 überstürzt aus dem Rathaus ausziehen mussten und derzeit im Partnerschaftshaus untergebracht sind, drängten mehrere Gemeinderatsvertreter zudem auf einen raschen Fortschritt. Nach ausführlichen Erläuterungen des Münchner Diplomingenieurs Johann Kellerer beschlossen die Kommunalpolitiker, den Rathausneubau nun gemäß der Vergabeverordnung in einem sogenannten Verhandlungsverfahren mit Lösungsvorschlägen weiter voranzutreiben; dabei reichen üblicherweise fünf bis sieben interessierte Architekturbüros ihre Vorschläge ein, nach welchen die Gemeinde als Auftraggeber entscheiden kann, wem sie den Zuschlag gibt. Dieses Verfahren führt Kellerer zufolge verhältnismäßig schnell zu Ergebnissen; zudem behält der Gemeinderat anders als beispielsweise bei einem Realisierungswettbewerb einen großen Einfluss auf die letztendliche Gestaltung des Neubaus. Jede Einreichung muss jedoch honoriert werden.

Während der Abbruch- und Bauzeit werden die Rathausmitarbeiter in ein Bürogebäude in der Saturnstraße 48 umziehen, das die Gemeinde von Mai an für vier Jahre anmietet. Bis dahin, so hofft die Verwaltung, soll der Neubau fertig werden. Für Miete und Ausstattung rechnet Aschheim mit knapp einer Million Euro an Kosten. Die Sitzungen des Gemeinderats werden in der Übergangszeit im Kulturellen Gebäude stattfinden.