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Gemeinde Haar:Befeuernde Bühnenperspektiven

Christina, Fanny und Andreas Kern, Tegernseer Volkstheater, "Passwort zum Herzen"

Familientrio vor ungeahnten Herausforderungen: Christina, Fanny und Andreas Kern (von links) vom Tegernseer Volkstheater in "Passwort zum Herzen".

(Foto: Veranstalter)

Im Kleinen Theater gibt es ein Künstlergespräch über den Schauspielberuf und eine Familienkomödie

Von Udo Watter, Haar

"Die ganze Welt ist Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler, sie treten auf und gehen wieder ab." Dieses berühmte Zitat aus der Shakespeare-Komödie "As you like it" hat zwar als große Metapher nichts von seiner generellen Relevanz verloren, im konkreten wörtlichen Sinne heißt es derzeit aber für die Profis eher: Mach kein Theater!

Wenn Schauspieler überhaupt die Chance haben, die Bühne zu betreten, dann vor leeren Rängen und Kameras, die den Auftritt per Live-Stream ins Internet oder ins Fernsehen übertragen. Das ist besser als nichts und zeitigt immerhin positive Nebeneffekte wie die geografische Erweiterung des Zuschauerkreises. So wurde laut Matthias Riedel-Rüppel, Chef des Kleinen Theaters Haar, die Musicalshow "It takes twoe", die an seinem Haus am vergangenen Sonntag gezeigt und gestreamt wurde, auch von Zusehern aus Japan, China, Taiwan und Spanien online verfolgt. Überhaupt war die Resonanz erstaunlich. 280 Tickets seien verkauft worden, so Riedel-Rüppel. "Das war über den Erwartungen."

Einen ähnlich hohen Zuspruch wird die Veranstaltung, die an diesem Freitag, 22. Januar, im digitalen Theater auf dem Programm steht, sicher nicht erhalten, aber das Thema ist ein spannendes, gerade auch weil es um die Entscheidung für die Kunst als Daseinsform und Profession geht - und die muss ja momentan auch verstärkt um die Wahrnehmung ihrer Bedeutung kämpfen. Riedel-Rüppel wird mit dem Schauspieler Rüdiger Bach, der im vergangenen Dezember erst als "Scrooge" am Kleinen Theater aufgetreten ist, im Theatercafé über dessen neues Buch sprechen: "Nimm Dich selbst bei der Hand". Es ist ein "Mutmachbuch" für (junge) Schauspieler. Lernen und Weiterentwickeln sind Schlüsseltugenden für Bach, der selbst seit mehr als drei Jahrzehnten auf deutschen Theaterbühnen steht und vor der Kamera in verschiedenen Rollen agiert. Wer sich für die Schauspielerei entscheide, müsse zum eine sich bewusst machen, dass es ein Handwerk sei, das beherrscht werden müsse. Und er müsse in seinem Metier heutzutage immer flexibler sein. "Gerade die künstlerischen Berufe sind Veränderungsprozessen ausgesetzt", sagt Riedel-Rüppel.

Das Buch richtet sich vor allem an Schauspieler, die am Beginn ihrer Laufbahn stehen und sich in der Ausbildung befinden. Das Künstlergespräch beginnt um 19 Uhr und wird ungefähr 45 Minuten dauern. Eventuell wird es noch weitere Gespräche dieses Formats geben, in loser Folge, in denen speziell auch "über die Situation der Kultur" in der jetzigen Zeit parliert wird.

Am Tag darauf, Samstag, 23. Januar, gibt es dann konkrete Bühnenkunst aus dem Kleinen Theater Haar: Das Tegernseer Volkstheater - ein dreiköpfiges Ensemble bestehend aus Christina, Fanny und Andreas Kern - zeigt die Komödie "Passwort zum Herzen": Ein Münchner Millionärspaar, das zum 25. Hochzeitstag eine Wellness-Wochenende in Südtirol genießen will, landet aufgrund eines Buchungsfehler mitsamt der pubertierenden Tochter in einer ungewöhnlichen, alles andere als luxuriösen Location und muss improvisieren. Karten für diese Vorstellung, Beginn 19 Uhr, gibt es über die Homepage des Kleinen Theaters Haar respektive Reservix. Und irgendwann geht der Vorhang wieder für alle auf.

© SZ vom 21.01.2021
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