Geheimer Umzug Spione studieren jetzt woanders

Die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung des Bundes in Haar ist Geschichte.

(Foto: Angelika Bardehle)

Die Hochschule des Bundesnachrichtendienstes hat ihren Sitz in Haar aufgegeben. Während der BND um die Verlegung ein Geheimnis macht, hat Bürgermeisterin Müller schon Ideen für die Nachnutzung der Gebäude.

Von Bernhard Lohr, Haar

Mit etwas mehr Chuzpe hätte sich Haar seit Jahrzehnten stolz als Hochschulstandort bezeichnen dürfen. Die Kommune hätte dann mit einem Schriftzug auf den Ortstafeln fast gleichgezogen mit Garching, wo jeder lesen kann, dass dort die TU heimisch ist. Doch jetzt ist es zu spät: Die Fachhochschule des Bundes, die viele Jahre in einer ehemaligen Polizeikaserne an der Wasserburger Straße residierte, ist umgezogen. Seit 1. Januar stehen die Gebäude leer. Was aus diesen werden soll, ist noch nicht bekannt - oder noch geheim, wie so vieles rund um das Objekt.

Denn es handelte sich bei der Fachhochschule, über deren Existenz die Haarer über viele Jahre geflissentlich Stillschweigen bewahrten, um keine gewöhnliche Hochschule. Die Einrichtung in Haar war mit ihrem Fachbereich Nachrichtendienste gewissermaßen eine Zweigstelle des Bundesnachrichtendienstes in Pullach. Entsprechend zurückhaltend war die Außendarstellung der Hochschule, und selbst der Umzug wird behandelt wie eine Geheimsache. "Ich darf Ihnen keine Auskunft geben", heißt es knapp bei einem Anruf an der Pforte in der Wasserburger Straße 43. Und auch bei der Pressestelle des BND in Berlin ist die Bestätigung des Offensichtlichen nicht leicht zu bekommen.

Auch wenn die Pforte noch besetzt ist, ist aus sicherer Quelle zu erfahren, dass Professoren und Studenten Haar bereits verlassen haben. Ähnlich wie in der BND-Zentrale in Pullach haben in der Hochschule in Haar die Möbelpacker hingelangt. In Pullach sollen ja nur noch Teilbereiche des BND erhalten bleiben. Der Rest ist dann in der neuen Zentrale in Berlin untergebracht. Auch die Fachhochschule soll fortan in Berlin angesiedelt sein, wie es heißt.

Was der Wegzug der Geheimdienst-Studenten für die mit relativ wenig freien Gebäuden und Flächen gesegnete Gemeinde Haar bedeutet, lässt sich noch nicht abschätzen. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) verwaltet das 19 000 Quadratmeter große Areal, auf dem sechs Häuser mit 8000 Quadratmeter Nutzfläche stehen. Wie ein Bima-Sprecher mitteilt, wird derzeit eine Anschluss-Nutzung durch "weitere Bundesbehörden" geprüft.

Bürgermeisterin Gabriele Müller könnte sich unter anderem eine Schule in den Gebäuden der ehemaligen Fachhochschule vorstellen.

(Foto: Angelika Bardehle)

Sollte sich da nichts aufdrängen, komme auch ein Verkauf in Frage, heißt es. In diesem Fall hätte man im Haarer Rathaus jedenfalls Ideen: Dort wäre auf einmal Platz für Gewerbe, für günstige Wohnungen oder auch für Geschäfte, um die Nahversorgung zu verbessern. Auch eine Schule könnte sich Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) auf dem Areal vorstellen. "Für die Gemeinde wäre das eine ganz interessante Fläche", sagt sie und fügt sogleich hinzu, nichts Offizielles über einen Umzug der Fachhochschule zu wissen.

Die Hochschulgebäude wurden zum Großteil in den Jahren 1937 bis 1939 als Kaserne für eine motorisierte Gendarmerie-Bereitschaft in Haar errichtet und waren für 144 Schutzpolizisten ausgelegt. Nach dem Krieg kamen dort Vertriebene unter. Zeitzeugen erinnern sich, dass Mitte der Sechziger- bis Mitte der Siebzigerjahre der Bundesgrenzschutz eine Fernmeldehundertschaft in dem Kasernenbau stationiert gehabt habe. Dann sei der BND mit seiner Hochschule eingezogen und alles zum Sperrgebiet erklärt worden. Unter Denkmalschutz stehen die Kasernengebäude ausweislich der Liste des Landesamts für Denkmalpflege nicht.

Bürgermeisterin Müller zählt zu den wenigen in Haar, die schon mal die Gebäude von innen gesehen haben und auch das Gelände kennen, das sich zwischen der Wasserburger Straße und der Rechnerstraße erstreckt. Im Jahr 2014, erinnert sie sich, habe die Schulleitung eine Führung organisiert und einen engeren Austausch mit der Gemeinde zugesagt, woraus dann nichts wurde.

Vom Besuch sind Müller die lang gezogenen Gänge in Erinnerung, mit Türen links und rechts. Ein typischer Kasernenbau. Aber die Gebäude hätten auch "einen ganz eigenen Charakter oder Charme", sagt sie. So gebe es ein repräsentatives, großes Treppenhaus und einen zentral gelegenen Brunnen. Auch größere Freiflächen existieren, auf denen Wohncontainer aufgestellt wurden, die angeblich als Unterkünfte für Studenten genutzt wurden.

Eine der spannenden Fragen dieses Jahres dürfte in Haar sein, wie es mit den Gebäuden und Flächen weitergeht, die sich im Besitz des Bundes befinden. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) nährte ja zuletzt die Hoffnung, dass bundeseigene Areale an Kommunen schneller und auch günstiger abgegeben werden sollen, wenn sie für sozialen Wohnungsbau genutzt werden. Bürgermeisterin Müller hat sich schon mal schlau gemacht und informiert. Jetzt hofft sie auf gute Nachrichten.

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Geheimsache Umzug

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