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Gastronomie:"Wir sperren einfach auf"

Zum Hackerbräu Unterföhring

Vor Corona konnten im Außenbereich 180 Gäste einen Platz finden, jetzt sollen es an die 90 sein.

(Foto: Florian Peljak)

Seit fast einem Dreivierteljahr sind das Comfort Hotel und die Gaststätte "Zum Hackerbräu" in Unterföhring verwaist. Jetzt kehrt langsam wieder Leben ein - allen Gerüchten über eine endgültige Schließung zum Trotz

Von Sabine Wejsada, Unterföhring

Auf der Homepage ist noch die Wochenkarte vom 19. bis zum 23. Oktober 2020 zu finden. Unter dem Speisenangebot steht der Hinweis, dass sich die Betreibergesellschaft wegen der damals aktuellen Entwicklung in der Corona-Pandemie entschieden hat, das Comfort Hotel am Feringapark und die dazugehörige Gaststätte "Zum Hackerbräu" in Unterföhring voraussichtlich bis zum 9. Januar 2021 zu schließen. Dieses Datum ist inzwischen ein halbes Jahr verstrichen und am Ort haben schon viele gemunkelt, dass das Hotel und die Wirtschaft überhaupt nicht mehr aufsperren. Das ist nicht der Fall. In anderthalb Wochen soll es wieder losgehen, wie Direktor Uwe Völker ankündigt. Am Montag, 20. Juni, öffnet das Hotel, einen Tag später wird man im Hackerbräu wieder Besucher begrüßen.

Wer sich dieser Tage rund um das bayerische Wirtshaus an der Medienallee umschaut, der kann es kaum glauben, dass in den lange verwaisten Gasträumen, wo die Stühle auf zusammengerückten Tischen stehen, und im derzeit leeren Biergarten ohne Mobiliar bald schon wieder - wenn auch coronakonformer - Trubel herrschen könnte. Bis es soweit ist, geht Völker und seinem Team die Arbeit nicht aus, ganz im Gegenteil, wie er sagt: "Es muss ganz schön hingelangt werden, um alles wieder auf Vordermann zu bringen." Er hoffe natürlich, dass sich der Aufwand lohnt und "dass unsere Stammgäste wieder kommen" nach den vielen Monaten des Stillstands. Örtliche Vereine und Parteien werden das gerne hören, für sie war die Wirtschaft mit abtrennbarem Bereich in den Zeiten vor der Pandemie ein beliebter Ort für Versammlungen. Auch Firmen und Privatleute trafen sich dort gerne zu besonderen Anlässen wie Jubiläen oder Weihnachtsfeiern. All das musste während des Corona-Lockdowns ruhen oder ins Internet verlegt werden. Weil touristische Aufenthalte verboten waren und viele Unternehmen Geschäftsreisen untersagten, blieb das Hotel ebenfalls geschlossen. Jetzt wird in den Räumen fleißig geputzt, die Fenster stehen weit offen, um frische Luft hineinzulassen.

Obwohl in Bayern die Außengastronomie seit dem 10. Mai in Bayern wieder öffnen durfte, haben sich die Betreiber des Hackerbräu dagegen entschieden. Der Biergarten sei zu klein, um damit wirtschaftlich arbeiten zu können, hatte Völker noch vor ein paar Wochen erklärt und betont, man wolle auch dann, wenn ein Betrieb innen möglich ist, zunächst warten, ob sich das Infektionsgeschehen dauerhaft beruhige. "Jetzt aufzusperren und dann wieder zumachen zu müssen, das wollen wir unserem Personal und unseren Gästen nicht antun." Weil nun seit dem 7. Juni auch in Innenräumen unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln wieder bedient und gespeist werden darf, die Inzidenzen weiter sinken und es damit eine stabile Öffnungsperspektive für das Unterföhringer Hotel und die Gastronomie geben könne, stehe dem Schritt endlich nichts mehr im Weg, so Völker. Etwas Besonderes zur Wiedereröffnung sei wegen der Pandemie-Bestimmungen aber nicht geplant: "Wir sperren einfach auf."

Genügend Personal habe er auf die Schnelle rekrutieren oder aus der Kurzarbeit holen können und "der Koch steht bereit", so der Direktor. Jetzt müssten noch die Räume und der Wirtsgarten hergerichtet werden: Abstandsflächen ausmessen, Laufwege kennzeichnen und die Modalitäten zur Registrierung und Kontaktverfolgung der Besucher klären. Vor Corona konnten im Außenbereich 180 Gäste einen Platz finden, jetzt sollen es an die 90 sein, wie schon im vergangenen Sommer, als das Virus während der warmen Wochen weniger grassierte und die Gastronomie ihren Betrieb wieder aufnehmen konnte.

Auch Fußballfans sollen nach den Worten von Uwe Völker auf ihre Kosten kommen. Zumindest ein kleines Public Viewing zu der an diesem Freitag startenden Europameisterschaft soll es geben. Zwar noch nicht für die ersten beiden Gruppenspiele der deutschen Nationalmannschaft am 15. Juni gegen Frankreich und am 19. Juni gegen Portugal, weil noch zu ist. Die Partie gegen Ungarn am 23. Juni aber können Anhänger nach den Plänen von Völker über einen Großbildschirm im Biergarten verfolgen. Freilich unter Beachtung der gesetzlichen Auflagen, wie er sagt.

© SZ vom 11.06.2021
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