Mehrwertsteuer-Erhöhung in der Gastronomie:"Wer zahlt denn 25 Euro für einen Schweinsbraten?"

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Leere Lokale fürchten Gastronomen durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer von sieben auf 19 Prozent. (Foto: Alessandra Schellnegger)

Wirte und CSU-Politiker befürchten, dass sich vor allem im teuren Münchner Umland viele Menschen den Lokalbesuch nicht mehr leisten können. Der Hotel- und Gaststättenverband erwartet, dass allein im Landkreis bis zu 60 Betriebe schließen müssen.

Von Sabine Wejsada, Feldkirchen

Wenn am 1. Januar die Mehrwertsteuer für Speisen in der Gastronomie von sieben auf 19 Prozent steigt, dann werden laut Prognosen des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) bis zu 57 Lokale alleine im Landkreis München zusperren müssen. Das wäre ein weiterer Schlag für die Wirtshauskultur, wie die bayerische Dehoga-Präsidentin Angela Inselkammer bei einem Pressetermin am Montagnachmittag im Hotel Bauer in Feldkirchen sagte. Bereits "an Corona" habe man im Münchner Landkreis 101 Betriebe verloren - von 894 gastronomischen Einrichtungen, die 2019 noch bestanden, wie Dehoga-Geschäftsführer Thomas Geppert vorrechnete.

Mit dem Beschluss der Ampel-Regierung in Berlin, die Mehrwertsteuer nach dem Jahreswechsel wieder zu erhöhen, müssten immer mehr Wirte aufgeben, weil sich das Geschäft nicht mehr lohne oder die Gäste ausblieben, da sie sich den Lokalbesuch nicht mehr leisten können, so die Warnung der Branche. Diese Sorge treibt auch die beiden CSU-Landtagsabgeordneten Kerstin Schreyer aus Unterhaching und Maximilian Böltl aus Kirchheim um, die deshalb nach Feldkirchen geladen hatten, um auf die Lage der Gastronomie aufmerksam zu machen.

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"Die Entscheidung hat uns ganz schwer getroffen", sagte Inselkammer bei der Gelegenheit und kritisierte, dass Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sein zuvor gegebenes Wort gebrochen und die Koalition nach dem Haushaltsurteil des Bundesverfassungsgerichts ihre Zusage wieder kassiert habe, die Mehrwertsteuer nicht zu erhöhen. Das sei ein "echter Schaden an der Gesellschaft" und zeige, dass die Bundesregierung die Bedeutung der deutschlandweit 200 000 Familienunternehmen in Gastronomie und Hotellerie für den Zusammenhalt im Land nicht sehe und auch nicht verstehe, so die Dehoga-Präsidentin.

Den Gastronomen rät der Verband, die 19 Prozent "eins zu eins" an die Gäste weiterzugeben - freilich nicht ohne ihnen zu erklären, "dass wir Geld einsammeln für den Bund", wie Inselkammer für ihr Restaurant, das Bräustüberl in Aying, ankündigte. "Wir gehen nicht demonstrieren, sondern erklären." Und man werde weiter dafür kämpfen, dass möglichst viele Betriebe trotz der enormen Kostensteigerungen durch Inflation und Energiepreise erhalten blieben. Dafür müssten Wirte und Hoteliers allerdings hart rechnen, beim Einkauf sparen oder kleinere Speisekarten anbieten.

Befürchten ein Wirtshaussterben: die CSU-Landtagsabgeordneten Maximilian Böltl und Kerstin Schreyer (beide CSU) sowie Dehoga-Präsidentin Angela Inselkammer (von links). (Foto: Sebastian Gabriel)

Für die beiden CSU-Stimmkreisabgeordneten aus dem Landkreis München ist das Wirtshaus, wie sie sagen, weit mehr als ein Ort, an dem jemand ein Schnitzel isst und ein Helles trinkt. Es stehe für das Miteinander, sagte Böltl, dem bei diesem Thema als ehemaligem Bürgermeister von Kirchheim nach eigenen Worten das "Herz eines Kommunalpolitikers" schlägt. Eine lebendige Gastronomie belebe die Ortszentren, in den Lokalen könnten sich Vereine und Parteien treffen. Gasthäuser hätten eine soziale Funktion, weil Menschen dort zusammen kommen. Die angekündigte Verteuerung der Speisen, warnte Böltl, werde "die Rentnerin treffen, die es sich nicht mehr leisten kann, aber nicht den Millionär, der dreimal am Tag zum Essen gehen kann". Dass bei Lieferdiensten und für Mitnahme-Speisen weiter nur sieben Prozent Mehrwertsteuer gelten, sei nicht zu verstehen.

Seine Parteifreundin und Fraktionskollegin Kerstin Schreyer glaubt nach eigenen Worten, dass sich die Konsequenzen aus höherer Mehrwertsteuer und in der Folge höheren Preise im Münchner Landkreis ganz besonders zeigen werden. Hier seien Mieten und Lebenshaltungskosten ohnehin schon hoch, sodass Familien "den Euro dreimal umdrehen" müssten, ehe sie zum Essen ins Lokal gehen. Der Umgang der Berliner Ampel mit Landwirten und Gastronomen sei "desaströs", so Schreyer, die versicherte: Die bayerische Staatsregierung werde sich weiter für die beiden Branchen einsetzen.

Petra Otto und ihr Bruder Christian Bauer führen das gleichnamige Hotel und Restaurant in Feldkirchen. (Foto: Sebastian Gabriel)

Petra Otto, die das familieneigene Feldkirchner Hotel und Restaurant zusammen mit ihrem Bruder Christian Bauer in dritter Generation betreibt, ist sich sicher, dass 2024 ein schwieriges Jahr wird. "Wer zahlt denn in Bayern 25 Euro für einen Schweinsbraten?", fragt die Gastronomin. Denn neben der höheren Mehrwertsteuer würden auch die gestiegene Lkw-Maut und die CO₂-Steuer auf die Preise durchschlagen. Sie rechne damit, dass sich das Verhalten der Gäste deutlich verändern werde. Viele würden sich das Essengehen nicht mehr leisten können, so Otto. Erste Anzeichen gebe es bereits: Kunden, die sich im Hotel Bauer für Meetings oder Seminare einmieten wollten, "sind vorsichtig beim Buchen".

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