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Lokalöffnungen:Erst ein Test, dann eine Mass

Ein Wirt deckt ein: Erhard Schneider von der Großhesseloher Waldwirtschaft freut sich, zumindest den Außenbereich wieder aufsperren zu dürfen.

(Foto: Claus Schunk)

Erhard Schneider, der Wirt der Waldwirtschaft in Großhesselohe, bereitet sich angesichts sinkender Infektionszahlen auf die Öffnung des Biergartens vor. Viele Kollegen warten dagegen noch ab.

Von Bernhard Lohr, Pullach/Unterschleißheim

Eine frisch gezapfte Mass auf dem Tisch und daneben ein duftender rescher Schweinebraten: Die Erfüllung lange unterdrückter Sehnsüchte nach bayerischer Gastlichkeit ist in greifbare Nähe gerückt. Ebenso der Besuch im Ristorante oder in der griechischen Taverne. Die Außengastronomie darf wieder öffnen. Kommenden Dienstag geht es wohl los, wenn die Infektionsgefahr moderat bleibt und das Wetter mitspielt. Erhard Schneider von der Waldwirtschaft in Großhesselohe sieht sich gewappnet. 1000 coronakonform bestuhlte Plätze im Biergarten, 180 auf der Terrasse: "Wenn wir dürfen, machen wir auf." Aber einfach so, hopplahopp, funktioniert das nicht. Die Wirte stehen vor großen Herausforderungen und auch noch vielen offenen Fragen.

Angela Inselkammer atmet trotzdem schon mal kräftig auf. Die Inhaberin des Brauereigasthofs Aying und Präsidentin des Hotel- und Gaststättenverbands in Bayern (Dehoga) ist erleichtert, dass die Gastronomie aus der ihr auferlegten Lähmung herauskommt. Am Dienstag hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) den Kabinettsbeschluss verkündet, dass Außengastronomie bei stabiler Coronalage möglich sein wird. "Ich sehe das alles positiv", sagt Inselkammer und kündigt für den Biergarten in Aying an: "Wir machen auf, sobald es irgendwie geht." Inselkammer geht davon aus, dass es nach sieben Tagen unter einer Inzidenz unter 100 so weit sein wird. "Die genauen Regeln erkämpfen wir gerade mit dem Gesundheitsministerium." Am Freitag werde es wohl genauere Informationen für die Wirte geben. Inselkammer weiß, dass viele darauf warten, was etwa Nachweise eines negativen Coronatests angeht. Inselkammer ruft ihre Branche auf, jetzt der Gesellschaft zu zeigen, dass die Gastronomie noch nie der Treiber von Corona-Infektionen gewesen sei. "Wir können nach vorne kämpfen." Jetzt sei die Chance da.

Erhard Schneider in der Waldwirtschaft packt zu. Er hat das wirtschaftlich im Kreuz und baut gerade auch eine Teststation auf, damit Gäste direkt kommen, sich testen lassen und im Anschluss an einen Tisch setzen können. Das Personal sei informiert und abrufbereit, sagt Schneider, der nur noch auf genauere Ansagen vom Verband und der Staatsregierung wartet, unter welchen Bedingungen genau geöffnet werden darf. Marcus Haniel, Betreiber des Brauereigasthauses Lohhof, ist noch vorsichtiger. Er plant im Moment mit einer Eröffnung am Wochenende Mitte Mai. Er baut gerade um und hat eigens ein Dach montieren lassen. Der Trend gehe insgesamt hin zur Außengastronomie, sagt Haniel, der sich sehr intensiv damit auseinandersetzt, wie Gastronomie in einer Pandemie und nach einer Pandemie aussehen kann. Die Familie Haniel hat kurz vor der Corona-Krise ihre Brauerei Haimhausen aufgegeben und hat unabhängig von seiner Wirtschaft in Lohhof noch zehn Gasthäuser, in denen Pächter schwierige Zeiten erleben. Er sieht viel guten Willen in seiner Branche, weist aber auch darauf hin, dass viele Wirte kämpfen müssten. Nach einer langen Durststrecke stünden viele vor der Frage, wie sehr sie in Vorleistung gehen sollten. Denn es gilt jetzt, Personal aus der Kurzarbeit zu holen und einzukaufen - Getränke, Speisen und vieles mehr. Und wenn dann das Wetter nicht mitspielt oder die Inzidenz in die Höhe schnellt, kann das in einem Fiasko enden. "Das größte Risiko ist, ich fahre hoch und es kommen keine Gäste", sagt Haniel, der aber auch nicht "undankbar" rüberkommen will: "Meckern bringt nichts."

Karl Dabernig, Wirt des Gasthofs zur Post in Haar, ist seit 50 Jahren in der Gastronomie. Er hat viel erlebt und steht jetzt in der Pandemie vor Entscheidungen, die er noch nicht zu treffen hatte. Er bot Essen zum Mitnehmen an, was mit bayerischer Küche nicht so einfach war. Der "Schweinebraten to go" ist nicht so etabliert wie der Döner auf die Hand oder der Pizzalieferdienst. Jetzt steht ein Neuanfang an. "Wenn es irgendwie machbar ist, möchten wir aufmachen", sagt Dabernig. Aber er fragt sich: Wird es möglich sein, dass sich die Leute selbst ihr Essen und ihre Getränke holen oder sind nur Tische mit Bedienung erlaubt? Und wie viel Personal wird gebraucht? Das familiengeführte Ristorante sei da flexibler und im Vorteil, sagt Dabernig. Er sorgt sich mittelfristig um den Fortbestand des traditionellen Dorfgasthauses. "Da bricht so viel weg." Jetzt für die Öffnung hofft er auf klare Vorgaben, damit nicht die Wirte ihren Gästen erklären müssten, was Sache sei. Der Staat müsse den Wirten den Rücken freihalten.

Außengastronomie in Trend: Der Brauereigasthaus Lohhof baut aus, damit mehr Leute im Trockenen sitzen.

(Foto: Robert Haas)

Es wird wärmer, die Lust auf einen Biergartenbesuch dürfte bei vielen groß sein. Und dann ist am Donnerstag, 13. Mai, noch Christi Himmelfahrt, Feiertag und Vatertag. Da dürfte sich, wenn die Sonne scheint, ein Biergarten - soweit es unter Einhaltung der gebotenen Abstandsregeln möglich ist - schnell füllen. Dennoch können nicht alle Wirte die Öffnung mitmachen. Die Betreiber der Seewirtschaft in Unterföhring bitten bei ihren Gästen auf Facebook jetzt schon um Verständnis, dass sie "noch abwarten müssen". Aktuell sei keine Entscheidung möglich, ab wann und in welchem Umfang die Außengastronomie wieder geöffnet werden könne. Vielen dürfte es im Moment ähnlich gehen. Jens "Theo" Heupgen hält sich für seinen Gasthof Gut Keferloh noch weitgehend offen, wann er wie aufmacht. Unter Vorbehalt angepeilt ist Freitag, 21. Mai. "Das ist alles ein Wahnsinn", sagt Heupgen über die Herausforderungen in der Corona-Pandemie. Er hat die Auszeit genutzt, einen neuen Spielplatz am Gasthof anzulegen. Jetzt würde er gerne öffnen, aber es ist auch riskant: "Ich bin im Moment noch total unschlüssig."

© SZ vom 07.05.2021/lb
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