"Wir haben 3500 Einwohner und keine Wirtschaft." Was Baierbrunns Bürgermeister Patrick Ott (Überparteiliche Wählergruppe ÜWG) am Donnerstagabend im Bauausschuss des Gemeinderats konstatierte, ist für ein bayerisches Dorf ernüchternd. Nur im Ortsteil Buchenhain gibt es den Waldgasthof, seit der Schließung des Gasthofs Zur Post aber haben die Einwohner der kleinen Gemeinde im Hauptort keine Möglichkeiten mehr zur Einkehr. Bereits im vergangenen Jahr kam man daher im Rathaus auf die Idee, im Sport- und Bürgerzentrum eine öffentliche Gaststätte einzurichten. Die Mitglieder des Bauausschusses haben sich jetzt einstimmig dafür ausgesprochen. Als nächstes sollen Konzepte begutachtet werden.
Wichtig ist den Gemeinderäten, dass es keine Vereinsgaststätte wird, in der nur die Mitglieder der Vereine Zugang haben, sondern dass es ein professionell betriebenes Gasthaus für jedermann wird. Nur die Trachtler sollen eine kleine Ausnahmegenehmigung erhalten: Sie dürfen auch weiterhin bei Veranstaltungen ihre Leute selbst mit Getränken versorgen. Zum Essen dagegen sollen sie beim Wirt einkehren, worauf sie sich laut Ott auch freuen.

Als nächstes muss nun eine Nutzungsänderung für das Sport- und Bürgerzentrum her, die Küche muss vergrößert und umgebaut werden und der Bewirtungsraum umgestaltet, der derzeit nur von Vereinen genutzt wird. Es gibt mehrere Möglichkeiten, den Plan zu realisieren. So könnte die Gemeinde die Planung und Finanzierung selbst übernehmen und mit Sonderkonditionen an einen Wirt verpachten. Es soll aber auch bereits Interessenten geben, die bereit wären, einen großen Teil dieser Kosten selbst zu übernehmen. Die Gemeinde hat bereits mehrere Initiativbewerbungen erhalten, einige der Bewerber sind mit dem Sportverein verbunden, andere sind Betreiber einer Sportgaststätte im Landkreis. Trotz dieser guten Auswahl muss eine Ausschreibung erfolgen, wie Ott erklärt. Die Entscheidung über den künftigen Wirt wird schließlich der Gemeinderat treffen.
Demnächst sollen einige Bewerber ihre Konzepte vorstellen, damit die Gemeinderäte eine bessere Vorstellung von den Möglichkeiten haben. "Man darf auch nicht die Sportler vergraulen", betont Ott. Gleichzeitig sei es wichtig, dem Wirt freie Hand zu lassen. Die Gaststätte im Sportzentrum hat in gewisser Weise auch Einfluss auf die Planung der Ortsmitte, die derzeit in Gang ist. Dort ist bisher auch ein Café vorgesehen. Mit einem Gasthof im Bürgerzentrum wäre es womöglich nicht mehr notwendig.