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Garching:Wurzelaufwurf wirft Fragen auf

Keine Freundin von Fällungen: Felicia Kocher.

(Foto: Robert Haas)

Grüne wollen raumgreifende Bäume vor Fällungen bewahren

Das Image der sanftmütigen Baumumarmer haben die Grünen schon lange abgelegt, doch das heißt nicht, dass der Schutz der Bäume den Mitgliedern der Umweltpartei heute weniger am Herzen läge. Das merkt derzeit auch die Garchinger Stadtverwaltung. Diese hatte nach eingehender Untersuchung des Baumbestandes im Straßenraum 38 Bäume ausgemacht, die gefällt werden müssten, da ihr Wurzelwerk sich nach Jahrzehnten so ausgebreitet hat, dass Gehwege, Straßen- oder Radwegbeläge aufgebrochen sind oder Erhöhungen aufweisen, welche nach Einschätzung der Verwaltung die Verkehrssicherheit gefährden. Das wollen die Garchinger Grünen und mit ihnen einige Kommunalpolitiker anderer Fraktionen so nicht hinnehmen. Sie fordern von der Verwaltung und Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) eine bessere Abwägung der Prioritäten.

Bei den Bäumen, welche die Stadtverwaltung als potenziell gefährlich und daher als zu fällen einstuft, handelt es sich insbesondere um Linden und Platanen, einige davon Jahrzehnte alt. Allein entlang der Schleißheimer Straße stehen neun Bäume auf der Liste, an der Danzigerstraße sieben, am Riemerfeldring sechs sowie entlang der Einsteinstraße fünf. Die Frage sei, sagt Grünen-Fraktionsvorsitzender Hans-Peter Adolf: "Ist es wirklich notwendig, diese Bäume zu fällen zur Verkehrssicherheit?" Beeinträchtige zum Beispiel ein Baum durch sein Wurzelwerk einen Parkplatz, sei es dann nicht möglich, diesen um einen Stellplatz zu verringern und die Ausbuchtung für den Baum zu vergrößern, fragt Adolfs Fraktionskollegin Felicia Kocher. Schließlich sei jeder einzelne Baum wertvoll für die Lebensqualität der Stadt, binde er doch Kohlenstoffdioxid, sorge für Verschattung und nicht zuletzt auch für ein optisch ansprechendes Stadtbild.

Die Stadtverwaltung verweist hingegen auf ihre Verkehrssicherungspflicht. Bei der Planung und Gestaltung des Straßengrüns sei in der Vergangenheit leider häufig nicht bedacht worden, welchen Platzbedarf die gewählten Baumarten im Laufe ihres Lebens entwickeln. Daher komme es jetzt in einigen Straßenzügen zu massivem Wurzelaufwurf und damit Handlungsbedarf. Für die meisten der zu entfernenden Bäume sollen neue, vom Platzbedarf her besser geeignete Arten nachgepflanzt werden. Beim Anlegen neuer Straßen beziehungsweise der Generalsanierung sollen zudem in Zukunft baumgerechte Standorte besser berücksichtigt werden.

Den Grünen und ihren Mitstreitern ist das zu wenig. "Eine stattliche alte Platane lässt sich nicht einfach durch einen nachgepflanzten Setzling ersetzen. Bis der den Effekt eines ausgewachsenen Baumes hat, dauert es Jahrzehnte", sagt Kocher. "Es stellt sich grundsätzlich die Frage, wo hier die Prioritäten liegen." Bürgermeister Gruchmann will die betreffenden Bäume dieser Tage noch einmal gemeinsam mit den Stadträten in Augenschein nehmen.

© SZ vom 21.11.2020 / gna
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