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Garching:Wippe auf der Kippe

In Garching wird über die Auflösung von Spielplätzen diskutiert

Von Gudrun Passarge, Garching

Die geplante Stilllegung von fünf Spielplätzen hat im Garchinger Stadtrat eine rege Diskussion ausgelöst. Die Verwaltung hatte bereits 2017 und 2018 eine Bestandsaufnahme der 36 Spielplätze veranlasst. Das mündete nun in den Vorschlag, kaum genutzte Plätze wie jene hinter der Grundschule Ost und am Riemerfeldring aufzulösen. Doch das sahen einige Stadträte kritisch. "Ich sehe nicht ein, dass man Spielplätze aufgeben soll", sagte etwa Florian Baierl, Fraktionssprecher der Unabhängigen Garchinger. Er betonte, dass diese Plätze auch eine Funktion als Treffpunkte hätten, was berücksichtigt werden sollte.

Die Verwaltung hatte die Spielplätze im Hinblick auf den baulichen Zustand, aber auch auf den Erlebnis- und Aufenthaltswert hin überprüft. Nach einer Dekra-Begehung 2019 wurden die Spielgeräte hinter der Turnhalle der Grundschule Ost und am Riemerfeldring gegenüber vom Kindergarten Spatzennest bereits abgebaut, weil sie marode waren. Auf der Liste stehen auch noch drei weitere kleine Spielplätze, die laut Verwaltung nicht gut genutzt würden und wegen ihrer Größe auch nicht viele Möglichkeiten böten. Dazu gehören der am Taubenbergweg mit einer Seilpyramide, der am Erdinger Platz mit einem Sandkasten und der im Osten der Danziger Straße mit einer Rutsche.

Die Verwaltung schlug vor, hier die Geräte abzubauen und die Plätze in die bereits angrenzenden Grünflächen zu integrieren. "Das Spielklientel hat sich dort verabschiedet", sagte stellvertretende Bauamtsleiterin Olga Stein, deswegen sei es sinnvoll, die Spielplätze in attraktive Grünflächen umzuwandeln und andere Spielplätze dagegen besser auszustatten. Genannt wurden hier die Plätze am Fröttmaninger Weg, im Osten des Falkensteinwegs und an der Einsteinstraße.

Florian Baierl war bereit, über die beiden Flächen mit den bereits abmontierten Geräten zu reden, doch die anderen drei fand er diskussionswürdig. "Da sollten wir versuchen, sie am Leben zu erhalten." In diese Richtung ging auch der Vorschlag von Bastian Dombret (FDP), der gerade in Corona-Zeiten aushäusige Angebote als Rückzugsorte wichtig findet. Die Spielplätze sollten allerdings attraktiver werden. Diesen Ball griff auch Daniela Rieth (Grüne) auf. Sie bedauerte, dass Garching noch keinen Kinder- und Jugendbeirat habe, der mitreden könnte. "Einen Spielplatz attraktiver zu machen, kostet nicht die Welt", sagte sie und bot ihre Mithilfe bei der Gestaltung an. Grünen-Fraktionssprecher Hans-Peter Adolf machte auf das Problem von Präzedenzfällen aufmerksam. Wenn es Baugebiete ohne Spielplätze gebe, könnten das andere für sich auch reklamieren. Er befürchtete zudem, die Spielplätze könnten vielleicht eines Tages wieder nötig sein, dann ließen sie sich aber schwer reaktivieren.

Diese Gefahr sah Alfons Kraft (Bürger für Garching) nicht. Wenn sie im Bebauungsplan festgeschrieben seien, könne man sie auch wieder aufrüsten. Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) sah wegen der Diskussion von einem Beschluss ab und verwies den Punkt der Stilllegung in den Ausschuss. Für den Ausbau der drei Spielplätze soll die Verwaltung die Kosten berechnen.

© SZ vom 01.07.2020

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