Süddeutsche Zeitung

Garching:Was Garching fehlt

Eine Partymeile und ein Ärztehaus: Bei der Freinacht der SPD werden Wünsche laut

Die Garchinger Freinacht der SPD, wie sie am Donnerstag zum elften Mal stattfand, eignet sich sehr gut für Manöverkritik an der Stadt. Fünf Redner waren geladen, die in Garching arbeiten oder leben. Drei weitere sprachen spontan vor. "Ihre konkreten Forderungen", lobte Bürgermeister Dietmar Gruchmann hinterher. Doch welche konkreten Forderungen das genau waren, wurde bei manchen erst im Laufe ihrer Rede ersichtlich. Viele nutzten das Gros der Zeit, um über ihre eigenen Aktivitäten in der Stadt zu berichten.

Annette Hülsmann, Vorstandsmitglied des Vereines "Lebendige Ortsmitte" verteilte auf den Tischen Flyer für eine Veranstaltung und warb für deren Projektgruppe, die "Aktivitäten plant, um die Stadtmitte zu beleben". Wilfrid Grote, Theaterwissenschaftler und Regisseur, spannte - dramaturgisch geschickt - den Bogen von der Antike ins Heute und berichtete, welch wichtige Rolle das Theater habe. Und Carlos Härtel, Geschäftsführer von GE Global Research & GE Germany Technology, gab eine Einführung in die Tätigkeitsfelder seiner Firma und lobte Garching: als tollen Firmenstandort etwa.

Später brachten die Redner doch noch ihre Anliegen vor. Markus Lienkamp hatte gleich einen ganzen Katalog an Vorschlägen mitgebracht. Der Professor für Fahrzeugtechnik an der Technischen Universität hatte seine Rolle als Vater und Dozent im Blick, als er seine Kinder lächelnd zitierte: "Das schönste an Garching ist die U-Bahn nach München." Die solle aber auch bitte nachts fahren: Mit Freizeitangeboten für die Jugend sehe es in Garching schlecht aus. Eine Lösung hatte er für dieses Problem auch: "eine Partymeile am Campus". Wolfgang Ochs, Mitbegründer der Agenda 21 in Garching, kam seinerseits schnell zum Punkt. Er wünschte sich eine genauere Untersuchung des Stromverbrauchs. Beispielsweise mit einem Klimaschutzbeauftragten. Wilfrid Grote hatte nur einen Wunsch: Räume für Kinder-Theaterspiel. Denn: "Das Theater für Kinder schafft die Voraussetzung für die Kultur für Erwachsene." Annette Hülsmann sprach vom "fehlenden Flair" der Stadt. Ein "Mehrgenerationenfeld" mit überdimensioniertem Schachbrett und Klettergerüst im Zentrum wäre eine Idee oder ein Ärztehaus. Die vielen leer stehenden Läden beklagte sie. Carlos Härtel hätte gerne mehr Ärzte, eine höhere U-Bahntaktung und bessere Einkaufsmöglichkeiten.

Drei Redner meldeten sich spontan zu Wort. Brian Jagusch, ein 19 Jahre alter Student der Volkswirtschaften, wünschte sich "mehr Möglichkeiten, sich in Garching interdisziplinär auszutauschen". Den Vorschlag von Lienkamp, den Campus derart zu nutzen, würde er sehr unterstützen. Gerhard Fischer und Stadtrat Rudi Naisar fachsimpelten über die Fortbewegung in Garching: Fischer beklagte die "wilden Radfahrer", Radlbeauftragter Naisar forderte einfach mehr gegenseitige Rücksichtnahme.

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Quelle:
SZ vom 02.05.2015
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