Garching:Warnung lief ins Leere

TU Garching bei München, 2018

Der Unfall ereignete sich in einem Trakt der Fakultät für Maschinenwesen, das vor allem von Raumfahrtwissenschaftlern genutzt wird.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Hinweise auf Kerosin-Leck an der TU erreichten niemand

Von Irmengard Gnau, Garching

Beim Umweltunfall auf dem Forschungscampus der TU in Garching hat offenbar das Warnsystem versagt. Wie die Universität auf Nachfrage einräumte, wurde zwar eine Warnung wegen des ausgetretenen Kerosins ausgelöst, diese lief aber ins Leere. Unterdessen haben am Montag die Arbeiten zur Bohrung zweier Brunnen begonnen, durch die das kontaminierte Grundwasser an die Oberfläche gepumpt und gereinigt werden soll. Glücklicherweise hat sich das Kerosin nur in einem vergleichsweise geringen Radius von bis zu 30 Metern ausgebreitet.

Am vorvergangenen Wochenende waren aus einem unterirdischen Tank auf dem Campus der TU mehr als 5000 Liter Kerosin ausgetreten, aus dem Gebäude ins umgebende Erdreich gesickert und von dort zu einem großen Teil ins Grundwasser gelangt. Zur Ursache des Umweltunfalls ermittelt noch die Kriminalpolizei. Ende Juni hatte eine Firma die Pumpanlage an dem Tank erneuert. Diese pumpt den Treibstoff über eine unterirdische Leitung in ein Laborgebäude, das vor allem die Fakultät für Luftfahrt, Raumfahrt und Geodäsie nutzt. Die Wissenschaftler nutzen Kerosin für Versuche mit Turbinen.

Wie ein Sprecher der TU erklärte, befindet sich in dem Tankgebäude ein Sensor, der verdunstendes Kerosin erfasst. An dem betreffenden Wochenende hat dieser Sensor eine Warnung ausgelöst, allerdings lediglich eine Warnung auf niedrigstem Niveau - diese wird in das Laborgebäude übermittelt, nicht an die zentrale Leittechnik. Vermutlich, so die TU, wurde die höhere Warnstufe nicht erreicht, weil das Kerosin bereits aus dem Gebäude zu entweichen begonnen hatte. Das Labor aber war am Wochenende nicht besetzt.

Als ein Mitarbeiter der TU am Montag schließlich entdeckte, dass Kerosin aus dem Tank ausgetreten war, sei die Dimension des Schadens ebenfalls noch nicht offenkundig gewesen. Am Boden des Tankgebäudes habe sich nur vergleichsweise wenig Kerosin befunden, da der größte Teil inzwischen versickert war. So habe die TU zunächst die Firma verständigt, um den Austritt zu stoppen; im Zuge der folgenden Untersuchungen sei erst die Größe des Schadens deutlich geworden und seien entsprechend die Behörden informiert worden. Die Meldung beim Landratsamt ging am Dienstag gegen Mittag ein.

Unter anderem die Grünen kritisieren, dass die Meldung der TU verzögert ergangen war. Sie haben angekündigt, im Landtag eine Anfrage zum Unfallhergang zu stellen.

© SZ vom 28.07.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB